Mongoleneinfall



Die Verteidigungsmaßnahmen von König Wenzel  I. während des Mongoleneinfalls 1241

 

Vorbemerkungen

Wirklich authentische Quellen über die Aktivitäten des Heeres von König Wenzel im April 1241 scheinen sehr selten zu sein. Eventuell vorhandene durch Brände vernichtet. Die Geschichtsschreibung beschäftigt sich intensiv mit den Schlachten, weniger mit der Vorbereitung.

Die mir zugänglichen Quellen lassen einige Fragen offen, die für das Gebiet der sächsischen Schweiz von Bedeutung sein könnten. Solche Fragen sind:

-       Wo befand sich König Wenzel in den ersten Tagen des Aprils 1241 ?

-       Wo wurde sein Heer für den Kampf gegen die Mongolen gesammelt?

-       Welchen Weg nahm das Heer, um den Herzog Heinrich II. von Schlesien zu unterstützen?

-       Wie weit rückte er vor, bis das Heer nach der Niederlage von Heinrich nach Mähren zog?

-       Welche konkrete Verteidigungsmaßnahmen hatte er für den Nordosten von Böhmen vorgesehen, auch unter der Maßgabe, dass ein totaler Sieg nicht geglückt wäre?

Bei den Betrachtungen sind die Wegverhältnisse und die Marschgeschwindig-keit des Heeres zu beachten. Nicht alle Kämpfer waren ja berittene Ritter. Nach Internetquellen betrug die Tagesleistung eines Heeres (reine Reiter waren schneller) zwischen 5- 20 km, je nach Gelände.

Die interessanten Entfernungen (Google-Maps) betragen:

-       Prag – Königstein (über Decin) 126 km

-       Königstein – Görlitz  91 km

-       Zittau – Liegnitz  126 km

-       Königstein – Liegnitz 194 km

-       Prag – Trautenau – Liegnitz  225 km

 

 

Sachverhalt/Hypothesen aus sächsischer Sicht

Das Gebiet der  Sächsischen Schweiz gehörte im 13.Jahrhundert zu Böhmen und bildete die Grenze zur Mark Meißen. König Wenzel musste deshalb großes Interesse an der Verteidigung des Elbtores bei Tetschen haben. Wenzel wollte den Norden Böhmens und die Elbe gegen einen Angriff der Mongolen schützen, da die Pässe der östlichen Gebirge bereits verhauen waren.

 Als Sammelpunkt für sein Heer nutzt er den Felskessel  zwischen Kirnitzsch und Elbe, die späteren Warten und Felsburgen dienten als Lager und Grenzsicherungsanlagen. Lesefunde vom Arnstein, Winterstein, Lilienstein und Rathen aus dem 13. Jahrhundert zeigen, dass diese Felsen schon bewohnt waren. (Dr. H. Mechelk, Archäloge a.D. vom Landesamt für Archäologie Dresden)

      König Wenzel befand sich zum Zeitpunkt vor der Schlacht bei Liegnitz auf dem Königstein.

Ob schon zum Sammeln des Heeres Felsbefestigungen gebaut wurden bzw. als Sicherungsmaßnahmen nach dem Sieg der Tataren bei Liegnitz ist unbestimmt.

Wenzel wusste seit 1240, dass die Mongolen nach Westeuropa wollten. Er nahm auch mit den Machthabern der benachbarten Herzogtümer Kontakt auf und bat um Unterstützung für sein Heer.


Meiche: Historisch-topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna;1927    

„Nach alledem geht man wohl mit der Annahme nicht fehl, dass sich die Pflege Pirna aus einem alten Markwaldstreifen( s. Klemm – Anhang) entwickelt hat, der ursprünglich die Burggrafschaft Dohna von dem Königreich Böhmen trennte (zu dem er in der Hauptsache gehörte), dass das Schloss Pirna zunächst nur eine Geleitsburg an der Kreuzung von Strom und Straße war und dass als ältester administrativer Mittelpunkt auch dieser Pflege das Schloss mit dem bezeichnenden Namen „Königstein" (1241: lapis regis) galt, bis das Aufblühen Pirnas und die industrielle Erschließung eben dieser Markwaldstrecke die Loslösung von dem alten Kern und die besondere Entwicklung dieses Landstriches einleitete.“

 

Karl Gautsch: Älteste Geschichte der Sächsischen Schweiz; 1880 

„Der Markgraf Ekbert II. hatte nämlich an der Verschwörung der sächsischen und thüringischen Fürsten gegen Kaiser Heinrich IV. teil genommen. Deswegen erklärte ihn der Kaiser seines Reichslehns für verlustig und verlieh das Markgrafenamt dem Herzoge Wratislaw von Böhmen, welcher ihn in seinen Kämpfen mit jenen Fürsten mit Heeresmacht unterstützt hatte. Zwar  verlor Wratislaw in den Kämpfen, welche er deshalb mit dem Markgrafen Ekbert und dessen Nachfolgern zu gestehen hatte, die Markgrafschaft Meissen wieder, allein den Gau Nisani, sowie Gau Budissin, wie damals die Oberlausitz  genannt wurde, scheint er doch behauptet zu haben, denn als er seine Tochter Jutta mit dem mächtigen Grafen Wiprecht von Groitzsch vermählte, überlies er diesem die Wahl zwischen jenen beiden Gauen und anderen Teilen des Böhmerlandes als Mitgift seiner Tochter im Jahre 1084…denn im Jahre 1109 musste er sie dem Kaiser Heinrich V. als Lösegeld für seinen Sohn wieder abtreten….als sich Wiprecht später mit dem Kaiser völlig aussöhnte, scheint dieser die beiden Gaue ihm wieder gegeben zu haben, denn nach Wiprechts und seiner Gemahlin Tode kommen Böhmens Herzöge wieder im Besitze derselben vor. .. Die hier obwaltenden Verhältnisse sind wegen Mangels an Urkunden und genaueren Nachrichten in älteren Schriftstellern dunkel und verworren. ..dass die Beherrscher Böhmens Jahrhunderte noch darnach in dem Landesteile, den wir als Gau Nisani haben kennen lernen, landesherrliche Rechte ausüben, so berechtigt dies zu der Annahme, dass unsere Sächsische Schweiz von jener Zeit, von Mitte des 12. Jahrhunderts an , fortwährend von der Markgrafschaft Meissen losgetrennt geblieben sei und ein Pertinenzstück der Krone Böhmens gebildet habe.“

 

B.D. Grekow: Die russische Kultur der Kiewer Periode; Moskau 1947 

„Die Nordostgrenze des Landes wurde besonders stark gesichert, denn der ungestüme Vormarsch des angreifenden Feindes zielte gegen diese. Fieberhaft wurde an der Verstärkung des Schutzes, den der Gebirgswall ohnehin hat, gearbeitet. Wie auch die Schlacht ausfallen mochte, die Heeresteile hatten sich im Königsteiner Burgbezirk zu sammeln, er war als Waffenplatz für etwaige weitere Unternehmungen bestimmt. Seine Lage war die denkbar günstigste. Der Verpflegungsnachschub erfolgte in bequemster Weise auf dem Wasserwege der Elbe aus dem Inneren Böhmens mitten in das schützende Gebirge. Dieser Strom war aber auch die letzte Hindernislinie von der Feindseite her gesehen, aber mussten die Zugänge zu ihm in einer breiten Front von Wachen und Warten besetzt werden. Sie hatten eine Doppelaufgabe : zunächst dienten sie als Auffang- und Leitstellen etwa versprengter Heeresteile, darnach aber der Festnahme nachfolgender feindlicher Kundschafter und der Abwehr feindlicher Abteilungen, die die Aufgabe hatten, den Verpflegungsnachschub auf der Elbe zu stören. Denken wir uns das Elbetor bei Tetschen in der Hand des Feindes, so war dieser nicht nur in der Lage den Verkehr auf dieser Lebensader des böhmischen Heeres ganz zu unterbinden, sondern ihm auch noch den Rückweg in das Innere des Landes abzuschneiden. Die  unausbleibliche Folge davon wäre gewesen, dass die Massen des böhmischen Heeresüber die Burgenstraße Königstein- Pirna über Dohna nach dem Westen hätten abziehen  müssen.“

 

            Albert Klemm: Die Geschichte der Berggemeinde der Festung Königstein, 1905 

            „Es war im Jahre 1241. Frühlingsstürme durchbrausten das Elbtal, zugleich erfüllte lautes Waffengetöse das stille Berggebiet. König Wenzel I. hatte dasselbe, um Böhmen vor dem Mongolensturm zu sichern, zu einer Sammel- und Verteidigungsstelle für sein 40 000 Mann starkes Heer erwählt. Da kam die Nachricht, dass die Oderwacht unter Herzog Heinrich die asiatischen Horden von ihrem eingeschlagenen Kriegszuge abgelenkt habe, und Wenzel eilte nun von hier dem bedrängten Mähren zu Hilfe. Dass sich in jenen bewegten Tagen das Hauptquartier des Königs auf dem Königsteine befand, ist verbürgt durch eine noch vorhandene wichtige Urkunde im Hauptstaatsarchiv zu Dresden.“

                  

 

            Erwin Frind: Frühgeschichte einer Familie und nach ihr benannter Burgstätten im Elbsandsteingebirge; 1976 

Wenzel befürchtete wahrscheinlich den Einfall der Mongolen von Norden, von der Lausitz her, zumal Vorhuten des Feindes dort eingedrungen waren und hielt sich deshalb mit den böhmischen Kreuzheer im Königsteiner Burgbezirk auf…      

Hier im Gebiet des Königsteins, hinter einem doppelten, ja sogar dreifachen Graben, hinter dem Tiefen Grund, dem felsigen Polenztal und dem Felsental des breiten Elbstroms gedachte er wohl, die Sammlung der Heere der deutschen Fürsten abzuwarten…Die Erfolge der mongolischen Reitermassen hatten sich  auf Gegner beschränkt, die sich ihnen in der Ebene stellten. Hier musste ihre Taktik versagen… Der in seinem Jagdgebiet kundige Böhmenkönig wird hierzu die Anlage einer groß angelegten Sicherung seines Hauptquartiers und des Sammelplatzes seines Heeres angeordnet haben.“ 

 

Alfred Neugebauer: Mongolen und Burgen in der Sächsischen Schweiz 

„In dieser Situation lässt König Wenzel I. von Böhmen eine Streitmacht von vierzigtausend Mann im Elbtal zur Sicherung des böhmischen Kessels gegen den Anstrurm der Mongolen sammeln. „

Gleichzeitig versucht Neugebauer anhand der vorliegenden Urkunden zum Burgenbau in der sächsischen Schweiz nachzuweisen, dass der Mongoleneinfall in Schlesien nichts mit der Vielzahl der Burgen (die überwiegend später gebaut wurden) zu tun hat. Eine solche Streitmacht im Elbtal zu sammeln erscheint – zu mindestens unter der Gefahr von Frühlingshochwasser – doch nicht sehr real.

 

      Erich Pilz: Über die Entstehung der Wehranlagen in der Sächsischen Schweiz s. homepage kavisebel.npage.de

 

 Was sagen andere Quellen zum Sammelpunkt des Heeres?

 

Franz Palacky: Der Mongoleneinfall im Jahre 1241; 1842 

„König Wenzel von Böhmen war wohl der erste Monarch des mitleren Europa, der den Einfall der Tataren voraussah und schon vorhinein die kräftigsten Maßregeln ergriff ihm mit Erfolg zu begegnen.“

Von der heranrückenden Gefahr war man in Deutschland bereits in den ersten Monaten des Jahres 1241 unterrichtet. Bereits vor den Kämpfen in Polen und Ungarn treten Prediger- und Minderbrüder auf, welche das Kreuz in ganz Deutschland predigen ließen. Ebenso teilt unter dem allerdings fragwürdigen Datum vom 10. März, jedenfalls aber noch vor Ostern Landgraf Heinrich von Thüringen mit, dass er durch die Prediger und Minderbrüder in seinem Lande zum freiwilligen Aufgebote des Kreuzzuges predigen lasse, eine Angabe, die er nach einiger Zeit wiederholt. Bezüglich des Erfolges dieser Agitation ist zu bemerken, dass Dlugosz, der über keine schlechten Quellen für jene Zeit verfügt, von der Teilnahme von Kreuzfahrern am Kampfe von Liegnitz spricht. Ebenso wird mitgeteilt, dass als der König Wenzel nach der Lausitz zog, was in der zweiten Hälfte des April geschehen sein muss, ihm zahlreiche Deutsche zugezogen sind…Der Streifzug der Mongolen gegen die Lausitz dessen wir oben gedacht haben, zwang schließlich auch die thüringischen und meißnischen Fürsten sich zu rüsten. Wir haben bereits gehört, wie Heinrich der Landgraf von Thüringen und Pfalzgraf von Sachsen nicht nur selber rüstete, sondern auch seinen Schwiegervater den Herzog Heinrich von Brabant um Hilfe anging. Es fand eine Versammlung zu Merseburg statt, wo man hörte, dass der König Bela von Ungarn an den König Wenzel geschrieben habe, dass er nach Sammlung eines neuen Heeres und neuer Streitkräfte den Tataren wieder entgegen gehen wolle.“

      Pelzel:Geschichte der Böhmen Bd. 1;1817

 

      „Einige Jahre darauf stand das Königreich Böhmen in großer Gefahr von den Tartaren überfallen und verwüstet zu werden. Diese damals fürchterlichen Barbaren hatten bereits ganz Polen           überschwemmt, Krakau geplündert und verbrannt. Von hier waren sie in das heutige Schlesien gefallen. Breßlau fiel in ihre Hände, weil alle Einwohner davon geflohen waren Der Herzog von Liegnitz Heinrich der Fromme lieferte ihnen eine Schlacht, aber er verlor sie und blieb mit dem größten Theile seines Adels auf dem Platze. Die Tartaren trugen den Kopf des erschlagenen Herzogs auf einer Stange an der Spitze ihres Heeres und verheerten das ganze Land mit Feuer und Schwert. Sie blieben hierauf neun Tage lang bey Ottmachau stehen und berathschlagen sich, ob sie in Böhmen oder Ungarn fallen sollten. Weil aber der König Wenzel ein zahlreiches Heer bey Glatz gestellt hatte, so nahmen sie ihren fürchterlichen Zug durch Mähren nach Ungarn. Wenzel schickte also einen seiner besten Feldherren Jaroslawen von Sternberg mit dem Kern seiner Truppen nach Olmütz.“

 

         Mehler: Ursprüngliche, chronologische Geschichte Böhmens; 1806

       „Gegen Glatz wurde Gulielm von Skalka, ein Sohn Brzetislaws aus dem Theobaldischen Hause mit 2000 Mann zu Fuß und 300 zu Pferde abgeschickt, um die dortige Grenze zu decken.          Jaroslaw von Sternberg hatte den Auftrag Olmütz und Brünn im Vertheidigungszustand  zu setzen. Er hatte 5000 Mann Fußgänger und etliche Schwadronen Reiter unter anführung des  tapferen Berka bei sich.“  

G. E. Schrage: Oberlausitz bis zum Jahre 1346 in J. Bahlcke:Geschichte der Oberlausitz: Herrschaft, Gesellschaft und Kultur; 2001

„König Wenzel den die Nachricht vom Vordringen der Tataren vermutlich bereits vor Jahresende 1240 erreicht hatte, hatte deshalb seine Auseinandersetzungen mit dem österreichischen Herzog Friedrich dem Streitbaren eingestellt und in Böhmen Vorkehrung getroffen.“

 

R.  von Kyaw: Familien-Chronik des adelichen und freiherrlichen Geschlechtes von Kyaw; 1870

„..Böhmen gegen die Mongolen welcher wie uns der böhmische Chronist Dalomil in dem dem Mongoleneinfall gewidmeten Kapitel 82 seiner Chronik berichtet durch „dy sittaw gink“ sich angeschlossen haben und dann bei der Rückkehr in der Lausitz zurückgeblieben sein. Eine große Anzahl Ritter war bei Wenzel's Heer welcher “cum innumera  multitutine exercitus“ Anfang 1241 über Zittau nach Niederschlesien gegen die Mongolen zog „gentes babaras quae Tatari nominatur et deos invocant alienos „ wie sie Kaiser Konrad IV in seinem Aufruf zur Annahme des Kreuzes gegen die Mongolen nennt. Es heißt in Dalomil's Chronik nach einer gereimten Übersetzung aus dem 14. Jahrhundert „ szu behem sach man wandirn vil lut von tutschin landen mit den der könig durch dy sittaw gink uf dy selbin tatrer“

 

S. Sugenheim: Geschichte des deutschen Volkes und seiner Kultur Bd.2;1866

„Diesen Sieg hatten die Mongolen aber so teuer erkaufen müssen, daß sie sich zu schwach fühlten, dem kampfbegierigen Heere mit welchem  König Wenzel I von Böhmen sich ihnen entgegen warf die Spitze zu bieten. Sie wichen deshalb, da dieser jenseits des Riesengebirges von Norden heranrückte, nach Süden und drangen durch die Öffnung der Sudeten bei Troppau nach Mähren vor.“ 

L. Schlesinger: Geschichte Böhmens;1868

„Lange vorher, ehe noch die drohende Gefahr in so große Nähe gelangt war, hatte Wenzel von Böhmen dieselbe in ihrer ganzen Furchtbarkeit ermessen und sich eifrigst bemüht, dieselbe vom Herzen Europas kräftig abzuwehren. Er hatte seine Nachbarn, den Herzog Otto von Bayern und den Landgrafen Heinrich von Thüringen schriftlich zu schleunigsten Hilfeleistung ermahnt. Nachdem er sein eigenes Reich durch Anlegung von Verhauen an den Landestoren und durch Befestigung der Prager Burg, sowie vieler anderer offenen Orte hinlänglich gesichert hatte, nahm er das Zeichen der Kreuzfahr und zog  mit einer bedeutenden Streitmacht über Zittau dem Herzoge Heinrich dem Frommen zu Hilfe.“

Adolf Bachmann: Geschichte Böhmens;1899

„In Böhmen scheint man bereits 1240 authentische Nachrichten über den furchtbaren Feind besessen zu haben. Angst und Sorge waren im Lande allgemein. Nach dem Frieden mit Österreich eilte König Wenzel nach Böhmen heim und traf Maßregeln zur Verteidigung der Landesgrenzen und zur Sammlung eines Heeres. Da er nicht daran denken konnte, allein den übermächtigen Gegner im Felde zu bestehen, sucht er Vereinbarungen mit den befreundeten und benachbarten Fürsten, die selbst in Sorge sich vielfach über den Stand der Dinge erkundigten.

Das ergibt sich aus dem erwähnten Schreiben des Landgrafen von Thüringen vom 10. März. Vgl. den Brief des Herzogs Otto von Bayern an Bischof Sidoto von Augsburg. Er soll vom 11. April sein… Wenzel erfuhr die  Niederlage am 9/10 April… Wenzel war, was wahrscheinlicher ist, am 9. Und 10. April doch noch viel ferner vom Feinde, als er hinterher dem Kaiser versichert.“

„Wenzel meldet ( Mitte Juni 1241) dem König Konrad, er sei seit Ostern – in terminia Polonise-(an der Grenze Polens)“

Ostern war im Jahr 1241 nach dem julianischen Kalender der 31. März. http://www.arndt-bruenner.de/mathe/scripts/osterdatum.htm

„ Wenzel sagt übrigens selbst, dass er auf die Nachricht von der Schlacht erst an die Grenze rückte, stand also am 9.April noch diesseits des Gebirges, etwa bei Königshof und Trautenau.

   

        Schneller: Geschichte von Böhmen; 1827

         „Wenzel I herrschte als die Mongolen über Rußland und Pohlen heranstürmten um Böhmen unter Peta so zu berauben und zu verheeren wie sie es unter Batu in Ungarn thaten. Schon hatten sie            Schlesien überwältigt, aber der tapfere König stellte sich ihnen entgegen. Er bildete ein Kriegsheer, verrammelte die Gränzwege, legte den Hinterhalt bei Glatz, befestigte Öllmütz und gab                    solche Mittel den heldenmüthigen Jaroslaw von Sternberg, daß dieser die Mongolen von Böhmen und also auch von Deutschland abtrieb.“


Strakosch-Grassmann: Der Einfall der Mongolen in Mitteleuropa in den Jahren 1241 u.1242; 1893

„..andere kamen nach Böhmen, wo König Wenzel mit Hintansetzung aller andern Sorgen frühzeitig Anstalten zur Verteidigung traf. Unter seinen Fahnen sammelten sich 40 000 Mann Fußvolk und  6000 Reiter, mit welchen er endlich mit dem Kreuze bezeichnet, von Prag gegen die schlesische Grenze auszog, um sich mit seinem Schwager, Heinrich dem Frommen, zu einer Macht zu vereinigen...Am Tage nach der Schlacht wäre der König Wenzel mit seinen Heere bei Liegnitz gewesen; denn er war schon an die Landesgrenze gelangt in der Nähe von Zittau.

Von Zittau nach Liegnitz sind es etwa 100 km Luftlinie. Wenn man vom Start in Zittau am 7. April ausgeht, dann mussten am Tag mindestend 50 km bewältigt werden.


G. E. Schrage: Oberlausitz bis zum Jahre 1346 in J. Bahlcke:Geschichte der Oberlausitz: Herrschaft, Gesellschaft und Kultur; 2001 

„ Im Rahmen ihrer Streifzüge gelangten tatarische Truppenverbände sogar bis in an die Grenzen der Meißner Diözese, wo sie viele Einwohner töteten….

König Wenzel befürchtete, dass die Eindringlinge über die von Meißen führende

Straße nach Böhmen gelangen könnten, begab er sich deshalb Ende April vermutlich über Zittau in die Oberlausitz.“

„Er ließ derart eilig Städte und Burgen befestigen, dass selbst Mönche und Geistliche zu diesen Arbeiten herangezogen wurden….. Diese Vorkehrungen zogen sich jedoch zu lange hin, und so sollte das böhmische Aufgebot nach Absprache mit den benachbarten Fürsten über gemeinsame Verteidigungsmaßnahmen erst für den 7. April 1241 nach Nordostböhmen einberufen werden.“


Th. Scheltz: Gesamt-Geschichte der Oberlausitz und Niederlausitz; 1847

„König Wenzel, welcher an alle Fürsten Europas dringende Aufforderungs- schreiben zum Mongolenkampfe erlassen hatte, zog nach der Oberlausitz, um den Erfolg seiner Aufforderungen abzuwarten, und die aus Deutschland ihm zuziehenden  Ritter und Kampf- Genossen zu sammeln und an sich zu ziehen. So stellt sich nach der Daimilschen Chronik der Gang der Dinge heraus, welche durch den von Stenzel neu bekannt gemachten Brief König Wenzels Bestätigung findet, in welchem derselbe erzählt, dass er den Tag nach der Schlacht bei Wahlstadt also den 10. April bereits herbeigeeilt sei.“


Richard von Donat:“ Militärische Aspekte der Schlacht von Wahlstatt“ in Ulrich Schmilewski: Wahlstatt 1241; 1991

„Zwei Möglichkeiten des Handelns bestanden, nämlich einmal, in der Burg zu bleiben, den Anmarsch der böhmischen Armee abzuwarten und schließlich gemeinsam mit ihr zu schlagen. Um das vorzubereiten, hätte spätestens am 7. April, dem Tag des Aufbruchs der Entsatzarmee östlich von Prag, ein reger Kurierdienst- natürlich mit Wechselpferden zwischen Heinrich und Wenzel eingerichtet werden müssen mit dem Ziel, die Bewegungen beider Armeen in den herannahenden entscheidenden Tagen und Stunden möglichst sinnvoll aufeinander abzustimmen….Am Abend des 8. April, also am Abend des zweiten Marschtages, biwakierte die Entsatzarmee auf Grund nachträglicher Berechnung etwa im Raum um Trautenau. Die Entfernung von Trautenau bis zum Raum südlich Liegnitz beträgt dann immer noch etwa 88 km. Natürlich war der Marsch dieser Armee nicht gerade bequem, zumal das Gebirge – damals auf sehr schlechten Wegen – zu überwinden war. Sadska ostwärts Prag befindet sich in einer Höhe von etwa 155 m über NN, Wahlstatt auf einer Höhe von etwa 164 m, das zu überquerende Gebirge weist Höhenwerte bis zu 513 m auf… Das alles war, vor allem für sämtliche Trosse, auf den vereisten oder aufgeweichten Wegen ohne Frage nicht einfach.“

Diese Marschroute ist wohl unter den damaligen Verhältnissen von einer Armee in den vorgegebenen Zeiten nicht zu  schaffen. Von Sadska nach Trautenau sind es gute 100 km (Google-Maps), eine Tagesleistung von 50 km ist undenkbar für ein Heer mit überwiegenden Fußvolk.


W.Tomek: Geschichte Böhmens; 1865

„ ..andere kamen nach Böhmen, wo König Wenzel mit Hintansetzung aller andern Sorgen frühzeitig Anstalten zur Verteidigung traf. Unter seinen Fahnen Sammelten sich 40 000 Mann Fussvolk und  6000 Reiter, mit welchen er endlich, mit dem Kreuze bezeichnet, von Prag gegen die schlesische Grenze auszog, um sich mit seinen Schwager, Heinrich dem Frommen zu vereinigen.

… Am Tage nach der Schlacht wäre der König Wenzel mit seinen Heer bei Liegnitz gewesen; denn er war schon an der Landesgrenze gelangt in der Nähe von Zittau.“

 

 Zusammenfassend kann gesagt werden, dass keiner der sechs Sammelpunkte eindeutig belegt , noch die Marschroute einigermaßen genau bekannt ist. Fest steht wohl, das Wenzel eigentlich erst am 7. April, also zwei Tage vor der Schlacht starten wollte und damit niemals rechtzeitig am Schlachtort eintreffen konnte. Selbst wenn sein Sammelpunkt Lauban an der Queis (Grenze zu Schlesien)  gewesen wäre, hätte er in zwei Tagen 75 km zurücklegen müssen. Dies wäre nur für eine reine Kavallerie möglich gewesen. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die Vermutung von Bachmann stimmen kann. Die Geschichtsschreiber hatten für die Entfernungen nicht die notwendigen Angaben oder wollten König Wenzel nicht der Falschaussage bezichtigen.

Wenn man annimmt, dass Wenzel garnicht rechtzeitig nach  Liegnitz kommen konnte und statt dessen seine Truppen nach Glatz (Klodzko-Polen) und Olmütz geschickt hat, um die Tataren auf ihren Weg nach Mähren zu stellen, wäre ausreichend Zeit für den Marsch vorhanden gewesen, vorausgesetzt er verfügte über entsprechende Infomationen über die Tataren. Bleibt die Frage offen, ob er mit dem „großen Heer“ nach der Lausitz gezogen ist und von da seine Teiltruppen ausgesandt hat. Am 7. Mai 1241 war er auf jeden Fall auf der Festung Königstein.

Damit bleibt die Frage, wo genau das Heer von König Wenzel sich gesammelt und welchen Weg es genommen hat, weiter offen. 

Ob die Felsburgen und Warten rechtselbig alle von den Berken gebaut wurden, ist damit aber keinesfalls belegt.