Holz als Rohstoff für Papier und Pappe

 


Das Holz der Sächsischen Schweiz als Rohstoff für Papier und Pappe

Holzverwertung durch Holzschliff, Zellstoff- ,Papier- und Pappenherstellung an Biela , Polenz, Sebnitz und Kirnitzsch


Die Geschichte der Papierherstellung geht bis zur Antike zurück.  Mich interessiert nur die Geschichte des Technologiewandels im Gebiet der Sächsischen Schweiz.


Seit dem 14. Jahrhundert wird in Deutschland Papier aus Lumpen (Hadern) hergestellt. Die älteste Papiermühle stammt aus dem Jahr 1398 von einer Papiermühle auf den Klostergütern zu Chemnitz. In  unserer Gegend wurde 1569 in Königstein  eine Papiermühle eingerichtet. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden ausschließlich Lumpen aus Leinen, Baumwolle, Hanf und Wolle als Rohstoff für die Papierherstellung  verwendet.Um das Sammeln der Hader entstand  insbesondere im 18. Jahrhundert großer Konkurenzkampf. Falke:Zur Geschichte der Papierfabrikation im Kurfürstenthum Sachsen)


Die Papierherstellung war sehr arbeitsintensiv.  Insgesamt waren nicht weniger als 36 einzelne Arbeitsschritte notwendig bis das Papier versandfertig war. Die Lumpen mussten zu Fasern verarbeitet werden, entfärbt und die Bütte hergestellt werden. Danach erfolgte das Schöpfen, Trocknen, Leimen, Glätten usw.. Kein Wunder, dass die Suche nach Haderersatzstoffen  ein lohnendes Geschäft versprach. Sittauer: Friedrich Gottlob Keller; 1982 . 


 Im Tagesspiegel vom 6.9.2009 findet man folgende interessante Abbildung von einem Lumpensammler, deren Gewerbe vom Amt vergeben wurde: 



Parallel zur Ersatzstoffsuche wurde versucht, das Schöpfen auf Einzelblattsiebe zu mechanisieren. So wurde  von Robert 1799 die erste patentierte „ Papierschüttelmaschine“ gebaut. Damit konnten erstmals endlose Papierbahnen erzeugt werden. Welche Auswüchse der Lumpenmangel bei wachsenden Papierbedarf hervorrief zitiert Sittauer aus dem „Westfälischen Anzeiger“ von 1800:

„ Auch die Papiermüller treten nun auf und klagen über den Luxus bei Beerdigungen der Leichen. Sie rechnen, dass bloß in einer einzigen Stadt, darin jährlich 3000 Menschen sterben, in jedem Jahr 9000 und in 10 Jahren 90 000 Pfund feiner Leinwand, daraus uns herrliches Papier gemacht werden könnte, unverantwortlich den Würmern zur Speise in die Erde vergraben wird.“

Die Geschichte der Holzverwertung beginnt mit der Erfindung des Holzschleifverfahrens von F.G. Keller im Jahre 1843.

Angeregt durch die Umwandlung von Holz beim Wabenbau der Wespen sucht Keller eine Lösung aus Holz einen Faserstoff, zumindesten zur Streckung der Lumpenbütte zu entwickeln. Durch Unterstützung des Papierfabrikanten Heinrich Voelter konnte Keller sein Verfahren weiterentwickeln und technisch einsetzen. 




1854 wird die erste Holzschleifmaschine, die  von H. Schmidt aus Pirna gebaut wurde, genutzt.

Die folgende Aufstellung ( nach R. Ocken und H. Cedra 2007:Von der Mühle zur Papierfabrik) zeigt, dass an den Nebenflüssen der Elbe Biela, Polenz, Sebnitz und Kirnitzsch  Mühlen zur Gewinnung von Holzstoff standen.

Drei wichtige Voraussetzungen für die Produktion waren :

  • -       Holz gab es in der unmittelbaren Nähe der Mühlen (die zum Teil als Schneidemühlen gearbeitet hatten oder noch arbeiteten und damit gute Beziehungen zu den Holzlieferanten hatten).
  • -       Die nötige Energie und das erforderliche saubere Wasser lieferten die Flüsse
  • -       Die erforderlichen Schleifsteine für die Produktion wurden in den Steinbrüchen der Sächsischen Schweiz hergestellt.

Der stark steigende Papierbedarf sicherte zudem noch guten Absatz und ein wirtschaftliches Arbeiten.

Von den 27 Produktionsstätten, die in der Tabelle aufgeführt sind, stellten 20 Holzschliff her.

Nur 6 Produktionsstätten produzierten noch 1950. Heute ist es nur noch die Feinpapierfabrik Königstein.



 

N

Produktionsstätte

Produkt

Produktions-zeitraum

max. Produktionsmenge

 

 

 

 

 

 

Kirnitzsch

 

 

 

6

Niedermühle Hinterhermsdorf

Holzstoff

1880 - 1891

 

7

Holzstofffabrik Neumann Ottendorf (Neumannmühle)

Holzstoff

1871 - 1945

1 t/d Holzstoff

8

Felsenmühle Ottendorf

Holzstoff

1874 - 1935

 

9

Schleifmühle Lichtenstein

Holzstoff

? - 1925

 

10

Lichtenhainer Mühle

Holzstoff

1872 - 1975

4,5 t/d Holzstoff

11

Haidemühle Lichtenhain

Holzstoff

? -1914

0,6 t/d Holzstoff

12

Mittelndorfer Mühle

Holzstoff

1882 - 1959

 

 

Sebnitz

 

 

 

13

Papierfabrik Sebnitz

Holzstoff, Papier

1826 -1946

62331 t/a Papier,40000 t/a Holzstoff

14

Holzstofffabrik Hofhainersdorf R.Scheffler

 Papier, Holzstoff

1880 - 1928

1,5 t/d weißen Fichtenholzstoff

15

Holzstoff- und Pappenfabrik Amtshainersdorf E. Seifert

Holzstoff

ca.1887 - vor 1992

240 t/a Buchbinderpappe

16

Holzpappenfabrik R. Sputh Mittelndorf

Pappe

1882 - 1937

 

17

Holzstofffabrik W.Schöps Lichtenhain

Holzstoff

1880 -vor 1918

 

18

Holzschleiferei Kohlmühle/Lederpappen-fabrik Kohlmühle

Holzstoff, Lederpappe

1881 - 1930

1500 t/a Holzstoff, 5 t/d  Lederpappe

19

Papierfabrik Kohlmühle

Zeitungspapier

1901 - 1903

?

 

Polenz

 

 

 

20

Pappenfabrik Weber Polenz

Pappe

1857 - 1962

 

21

Hähnelsche Pappenfabrik Polenz

Pappe

1868 - ca.1920

 

22

Pappenfabrik Theile Polenz/VEB Hartpappen- und Fasergusswerk Polenz

Pappen

1869 - 1991

2050 t/a Pappe,

5000 t/a Hartpappe

23

Lederpappen- und Holzstofffabrik Heeselicht (Scheibenmühle)

Holzstoff

vor 1883 - 1925

 

24

Holzstofffabrik Sternkopf Cunnersdorf bei Ehrenberg

Holzstoff

1882 - 1943

3 t/d Holzstoff

25

Holzstofffabrik M. und P. Mai Hohnstein

Holzstoff

nach 1874 - 1944

5 t/d Fichtenholzstoff (feucht)

26

Holzstofffabrik Frinzthalmühle Porschdorf

Holzstoff

vor 1883 - 1933

 

27

Holzschleiferei, Celluslosefabrik und Papierfabrik Gebr. Rößler Porschdorf, Rathmannsdorf und Prossen

Holzstoff, Zellulose, Papier

1878 -1930

1,5 t/d Holzstoff, 5 -6 t/d Papiere,

20  t/d Sulfit-zellstoff

 

Biela

 

 

 

28

Holzstofffabrik M. Hönichen, Brausenstein

Holzstoff

 

 

29

Holzschleiferei Hermsdorf

Holzstoff

1886 - 1928

838,5 t/a Holzstoff

30

Holzschleiferei Hammerschleuse

Holzstoff

1886 - 1929

1460,5 t/a Holzstoff

31

Papiermühle Königstein/Papierfabrik Königstein

Feinpapier, Büttenpapier, Fotorohpapier

1569 -

50 t/a handge-schöpfte Bütten,

7000t/a Feinpapier  ( 2003)

1

Cellulosefabrik Königstein i. Sa.  Gebr. Hering

Natron-zellulose

1873 - 1927

12 t/d Zellstoff

 Den technologischen Ablauf der Holzstoffgewinnung zeigt folgendes Schema:



nach R. Ocken und H. Cedra 2007:Von der Mühle zur Papierfabrik)

Vor dem Schleifen müssen die Stämme entrindet und entastet werden. Ein Beispiel zeigt Fig. 13 der Abbildungen (E.Kirchner 1898:Das Papier Teil III ; Die Holzschliff- oder Holzstoffproduktion).




Die zugeschnittenen und entrindeten Stämme kommen in die Schleifmaschine.






Das Schleifgut wurde in zwischen speziellen Mahlsteinen noch feiner zerrieben. Solch einen „Raffineur“ zeigt die folgende Abbildung.




Das Schleifgut muss sortiert werden, um ungewünschte Teilchen zu entfernen. 2 Beispiele zeigen Fig. 56 und 57.


Die Schleifmasse muss entwässert werden, damit der Holzstoff transportfähig wird.


Die Angaben zur Produktionsmenge sagen nichts zur Ausbeute aus dem Holzeinsatz.

Nach Kirchner beträgt die Ausbeute an Holzstoff je Festmeter Holz zwischen 350 – 400 kg.

Nach obiger Tabelle wurden ca. 49 622 t Holzstoff pro Jahr erzeugt. Dafür waren zwischen 110271 bis 141777 Festmeter Holz pro Jahr erforderlich.

Den größten Teil brauchte die Papierfabrik Sebnitz.

Natürlich interessiert mich die Papierfabrik Sebnitz besonders.

1826 – Konzessionsgesuch der Kaufleute C.F Just, C.G. Just und C.G. Hantzsch an Landesregierung Sachsen zur Errichtung einer „englischen Patent-Papierfabrik“. 

1826/27 – Aufstellung einer Papiermaschine der Firma Docking England, die am 12. April ihre Arbeit aufnahm. Es war die erste Maschine in Sachsen, die eine laufende Papierbahn erzeugte.

1828 – Dezember Aufnahme der Dauerproduktion ohne Trockner; 60 Beschäftigte. Das Papier wurde ausschließlich  aus Hadern erzeugt. Da der Handel in Sachsen vertraglich gebunden war, musste die Fabrik ihre Hader aus dem Ausland einkaufen.

Die Produktion von Papier aus Hadern beschreibt ausführlich M. Schubert in seinem Buch „Die Praxis der Papierherstellung“ von 1998.

1829 – Der „Dresdner Anzeiger“ wird auf Sebnitzer Papier gedruckt.

1830 –Um das Einlagekapital zu erhöhen, wurde als vierter Teilhaber J.H.F Teichler ein Schwager der Gründer ins Geschäft aufgenommen. Damit wuchs das Einlagekapital auf 45 500 Taler an.

Ende 1830 er Jahre Installation einer kontinuierlichen Walzentrocknung.

1840 -150 Beschäftigte

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Papiermaschine mit Wasserkraft angetrieben. 

1871 – Übergang in eine Aktiengesellschaft. Sie kaufte am 27.1.1872 die Fabrikgebäude und zugehörige Grundstücke für  200 000 Taler von der Handelsgesellschaft Gebr. Just.

1875 -  202 Arbeiter davon 104 Frauen


1885 – 300 Beschäftigte1887 – wurden 4788 t/a Papier produziert, das einen Wert von1641661 Mark hatte. 

Ende der 1880 er Jahre Ersatz der Docking-Maschine

1889 – Gleisanschluss an die  Bahnstrecke Schandau –Sebnitz- Bautzen

1897 – Jahresproduktion 5843 t.

1901 – 5 Papiermaschinen produzieren 8000 t/a Papier 

1871 – Übergang in eine Aktiengesellschaft. Sie kaufte am 27.1.1872 die Fabrikgebäude und zugehörige Grundstücke für  200 000 Taler von der Handelsgesellschaft Gebr. Just.

1875 -  202 Arbeiter davon 104 Frauen

1885 – 300 Beschäftigte

1887 – wurden 4788 t/a Papier produziert, das einen Wert von1641661 Mark hatte.

Ende der 1880 er Jahre Ersatz der Docking-Maschine

1889 – Gleisanschluss an die  Bahnstrecke Schandau –Sebnitz- Bautzen

1897 – Jahresproduktion 5843 t.

1901 – 5 Papiermaschinen produzieren 8000 t/a Papier



1932 – Aufbau einer weiteren Papiermaschine

1935/36 – neben den Großstetigschleifern verfügte die Papierfabrik über einen Großkraft-Dreipressenschleifer, drei Magazinschleifer und einen normalen Stetig Schleifer.

Damit konnten 62 331 t/a Papier in der Fabrik erzeugt werden (95 % Holzschliff 6% Zellulose)

1939 – Tagesleistung 250 t


1944 noch 900 Beschäftigte trotz gesunkener Produktionsmenge.

1946 Demontage der Anlagen (Reparationsleistung an Sowjetunion).

( nach R. Ocken und H. Cedra 2007:Von der Mühle zur Papierfabrik) und (M.Schober1989: Die Papierfabrik Sebnitz in den Jahren 1826 -1945; in Beiträge zur Heimatgeschichte)


 Heute wird Papier vorallem aus Altpapier und Sulfatzellstoff hergestellt.