Entwicklung der Weberei in Sebnitz

                                             Entwicklung der Weberei  in Sebnitz – ein Beispiel für die Entwicklung der Produktionsbedingungen

Jochen Viehrig 2011

 1.    Die Gewinnung von Flachs

Das Weben zur Erzeugung von Stoff ist ein uraltes Gewerbe, das schon in der Antike genutzt wurde. Ausgangsmaterial für die Leinenweberei ist der Flachs, der aus Lein – in der Regel Schließlein hergestellt wird. In Sachsen (Erzgebirge, Amt Hohnstein und Lausitz) wurden zwischen 1800- 1810      35 000 Acker = 19369 ha, 1820 – 1840     11 623 ha Lein angebaut.*1) 

Um Sebnitz wurde besonders in Hertigswalde und Hainersdorf Flachs angebaut, wo sich auch Bleichereien befanden.  

In den Jahren 1800 – 1810 erbrachten die 19369 ha Flachs einen Bruttoertrag 3,5 Millionen Thaler ,das sind 181 Thaler/ha, die in den Jahren 1820 – 1840 angebauten  11 623 ha Flachs ergaben 1,02 Millionen Thaler oder 87,8 Thaler/ha.*2)

6000 Zentner roher Flachs erfordern ca. 200 Acker Leinsaat (110,7 ha).*3) 

Damit ergibt sich ein Ertrag von 54,2 Zentner/ha .

 

 

 

Leinfeld bei Rosenthal 2009

Feldröste

 

Wie sieht es heute mit dem Flachsanbau aus?

 

 

Seit 1997 ist der Anbau in Deutschland drastisch zurückgegangen, was mit dem Verarbeitungsnachweis und den Schwierigkeiten der Weiterverarbeitung (Faseraufschlußanlagen) zusammenhängen dürfte.*4)

Wie man sieht, war der Höhepunkt des Anbaus im Jahre 1996. In Sachsen wurden 2001 150 Hektar Flachs angebaut.

 Die Wirtschaftlichkeit spielt die entscheidende Rolle für die Entwicklung des Anbaus.

Der Grünstrohertrag liegt bei 72,6-85,2 dt/ha, der Faserertrag bei 17 – 22 dt/ha.

 

Wirtschaftlichkeitsberechung* Flachsanbau (Kurzfaser)


 

Erträge

50 dt/ha

EU-Beihilfe (für nicht geriffelten 

Flachs)

1 341 DM/ha

Erlös aus Ertrag (0,25 DM/kg)

1 250 DM/ha

Erlöse insgesamt

2 591 DM/ha

Direktkosten

 

Saatgut

300 DM/ha

PSM

120 DM/ha

Arbeit/Lohn

310 DM/ha

Düngen

80 DM/ha

Hagelversicherung

10 DM/ha

Arbeitserledigungskosten

 

Arbeit/Lohn

310 DM/ha

Maschinenkosten (Raufen, Lüften, Wenden
Pressen; Transport, Lagerung)

690 DM/ha

Sonstige Fixkosten

 

Pacht

 

Leitung und Verwaltung

180 DM/ha

Summe

1 690 DM/ha

Aufwand für Flachs

33,80 DM/dt

Überschuß

901 DM/ha

 http://www.inaro.de

 Bei Abzug der EU-Beihilfe bleibt ein Verlust von 440 DM/ha. Die Maschinenkosten betragen 40,8 % der Gesamtkosten aber 55,2% des Erlöses. Ohne Förderung lohnt ein Anbau nicht.

 Die Erzeugung eines webfähigen Flachses war früher äußerst arbeitsaufwendig. Zunächst ist der Boden für die Saat vorzubereiten und zu sähen. Das Unkraut während des Wachsens muss entfernt werden. Bei der optimalen Reife kommt das Raufen (Herausziehen des Leinen von Hand, Säubern und Auslegen). Dabei wird der Leinen nach Qualitäten (Länge und Dicke der Stängel) sortiert. Es folgt das Trocknen in Bündchen ( mit Stroh gebunden) unter Dach oder in Puppen. Nach dem Einbringen erfolgt das Riffeln und Botten (Trennen der Samenkapseln und Fruchtstände). Im Trocknen erfolgt die Aufbewahrung bis zum nächsten Sommer oder 2 Jahre. Danach erfolgt das Rösten (Auflösen und Entfernen des Bindemittels durch geregelte Gärung). Das Wasserrösten liefert mehr reine Faser und dauert in Bächen 4 -14 Tage. Nach Erreichen der Röstreife werden die Bünde mit klarem Wasser gewaschen. Die aufgelösten Bünde werden auf Wiesen zum Trocknen und Bleichen ausgelegt. Zur weiteren Trocknung erfolgt das Dörren in der Sonne, besser im Backofen. Das Schlagen mit dem Botthammer (Botten) löst die Faserstruktur. Mit dem Schwingen werden die Scheben aus dem Faserbündeln herausgestrichen. Durch das Bläuen werden Fasern weich geklopft. Nun kann des Hecheln, das Trennen der Fäden und Entwirren erfolgen. Schließlich wird der Staub aus den Fasern durch Bürsten entfernt.

 Nach all diesen Arbeitsgängen, die alle von Hand und mit einfachsten Werkzeugen erfolgten, liegt ein spinnfähiger Flachs vor.

Der Ertrag eines Tagwerkes an grünen Lein wiegt bei einer guten Ernte 60 Zentner. Dieser verliert beim Trocknen samt Samen 57 % seines Gewichtes auf ca. 26 Zentner. Die nach der Röste getrockneten Leinstängel haben nochmals 24 % Gewicht verloren. Beim Bleichen und Dörren wird jeder Zentner nochmals 18 Pfund leichter.  Aus den 60 Zentnern grünen Lein werden 540 Pfund  (5,4 Zentner) gehechelter Flachs. Ein Pfund Flachs ergibt 2 Ellen Leinwand, das heißt aus den 5,4 Zentnern könnten 1080 Ellen oder 610,5 m Leinwand von 80 cm Breite erzeugt werden. Der Zentner Flachs wurde 1867 mit 12 – 14 Taler gehandelt.*5). 

Interessant für den Arbeitswissenschaftler ist der Arbeitsaufwand pro Produktionseinheit, das heißt die Produktivität. Folgende Berechnung wurde angestellt:

„Der Zentner gebleichter und gedörrter Lein verliert beim Botten 58 Pfund, und der Zentner gebotteter Flachs verliert bei Schwingen 31 Pfund. Also verlieren 100 Pfund trockene Stengel:

beim Rösten                                                24 Pfund

beim Bleichen                                             14   „

beim Botten                                                 36   „

beim Schwingen                                           8    „

und geben geschwungenen Flachs          18   „

Summa wie oben                                    100 Pfund

 

Oder, es haben verloren:             100 Pfund trockene Stengel

Nach dem Rösten                           24    „

Nach dem Bleichen (24+24)         38    „

Nach dem Botten (38+36)             74    „

Nach dem Schwingen (74+8)       82    „

Und geben an geschwungenen

Flachs (100-82)                            18 Pfund

Diese geben nach der vollkommensten Bearbeitung  9 Pfund ganz fein gehechelten Flachs und 9 Pfund Werg in vier verschiedenen Sortimenten.“

Neben der Produktveränderung während des Aufbereitungsprozesses ist vor allem die Arbeitszeitbilanz  interessant,  die ja einen großen Kostenfaktor darstellt.

 Arbeits- und Ertrags-Berechnung über ein Tagwerk- Feld, welches mit Klee bebaut war und dann mit Flachs bestellt wurde:

 

Tätigkeit/Zeit

Fl.

Kr.

Kleestoppel stürzen im Herbst, 1 Gespann 1 Tag zu 10 h)

2

30

Saatfurche pflügen, 1 Gespann

2

30

Zweifächrig eggen, 1 Gespann 4 Stunden

1

 

Leinsamen zur Saat, 4 Metzen a 8 fl.

32

 

Säen, auf zwei Mal, 1 Person 3 Stunden

 

9

Eineggen,  1 Gespann mit 2 Pferden 2 Stunden

 

30

Walzen, 1 Gespann mit 1 Pferd 1 Stunde

 

8

Wasserfurchen ziehen, 1 Gesp. mit 2 Pferden 1 Stunde

 

15

Pänder zu putzenm 1 Person 2 Stunden

 

4

Unkraut jäten, 1 Person 30 Tage a 20 kr.

10

 

Flachs raufen und trocknen, 1 Person 12 Tage a 24 kr.

4

48

Flachs wenden, zwei Mal, 1 Person, 1 Tag

 

24

Flachs sammeln und antragen, 1 Person 1 Tag

 

24

Flachs binden, 1 Person, 4 Stunden

 

12

Flachs laden, 1 Person , 6 Stunden

 

18

Einführen, 1 Gespann 5 Stunden

1

15

Abladen, 1 Person 5 Stunden

 

15

Abbotten der Bollen, 1 Person 4 Tage a 30 kr.

2

 

Bollen trocknen und sieben, 1 Person 1Tag a 24 kr.

 

24

Leinsamen putzen, 1 Person 2 Tage

 

48

Aufladen zur Röste, 1 Person 6 Stunden

 

18

Flachsfahren zur Röste, 1 Gespann 5 Stunden

1

15

Abladen u. einsetzen in den Röstkasten, 1 Person 1 Tag

 

30

Ausnehmen, trocknen, bleichen, antragen und Binden 1 Person  6 Tage

2

24

Laden, 1 Person 5 Stunden

 

15

Einführen, 1 Gespann 5 Stunden

1

15

Abladen, 1 Person 4 Stunden

 

12

Botten, 1 Person 7 Tage a 30 kr.

3

30

Schwingen, 1 Person 80 Tage a 30 kr.

40

 

Hecheln, bürsten  1 Person 50 Tage a 24 kr.

20

 

 

 

 

Ausgaben für ein Tagwerk

129

39

 

 

 

Einahmen Übertrag

6

 

Bollenkaff 10 Metzen a 4 kr.

 

40

Abschwingig 20 Pfund a 3 kr.

1

 

Werg erster Sorte 40 Pfund a 18 kr.

12

 

Werg  zweiter Sorte 30 Pfund a 12 kr.

6

 

Werg dritter Sorte 50 Pfund a 9 kr.

7

30

Werg vierter Sorte 60 Pfund a 6 kr.

6

 

Feinen schönen Flachs 180 Pfund a 1 fl.

180

 

Flachsscheben 14 Zentner a 10 kr.

2

20

( Der Ertrag wurde zu 20 Zentner trockene Stengel angenommen)

 

 

 

 

 

Einnahme von einem Tagwerk

221

30

Ausgaben

129

39

Rohertrag

91

51

 *6)

 Insgesamt wurden bei Zugrundelegung von 8 Arbeitsstunden pro Tag nach obigen Angaben 1641 Stunden für das Tagwerkfeld benötigt, das sind 0,81 Arbeitskräfte für die heutigen Bedingungen in Sachsen. Für die 35000 Acker wären danach 28350 Arbeitskräfte gangzjährig beschäftigt. Bezogen auf die Einnahmen ergibt sich Wert von  8,1 Kreuzer/Arbeitsstunde. Der Durchschnittslohn (unter Abzug des Saatgeldes) betrug 3,57 kr/Arbeitsstunde. Der Rohertrag bezogen auf die Ausgaben beträgt 70,8% - ein lohnendes Geschäft.

      Das Spinnen

Der Flachs wurde bis zur Einführung der Spinnmaschinen ausschließlich per Handarbeit versponnen. Die Weber bevorzugten dabei das Garn, was mit der Spindel erzeugt wurde. Sie schätzten die Qualität als besser ein, als das mit dem Spinnrad ersponnene. Besonders die Doppelspinnräder, die es ermöglichten 2 Spulen gleichzeitig (Zweihandarbeit) zu erzeugen, wurden nur für geringere Qualitätsansprüche verwebt. Leider habe ich bisher keine Angaben zur Leistung der Sebnitzer Spinner gefunden.

P.J. Marperger *7) schätzt die Zahl der Webstühle in Sachsen auf 8820 in den Städten, die  im Jahr 4.127.760 Stück Garn verbrauchen. Die Dorfmeister betreiben 10500 Stühle, die 4.914.000 Stück Garn  verarbeiten. Bei einer Spinnleistung von 20 Stück Garn pro Person und Jahr wären es demnach 452 088 Personen, die sich mit Spinnen ernähren müssen. Weil dies unwahrscheinlich ist, musste viel fremdes Garn eingeführt werden.

Eine Hobbygruppe von Spinnerinnen hat die Leistung beim Verspinnen kardierter Schafwolle ermittelt. Beim Spinnen mit der Spindel wurden 112 – 180 m pro Stunde, mit dem Spinnrad ca. 300 m pro Stunde ersponnen. Bezogen auf 100 g gesponnenen Faden wurden 180 – 400 m gemessen, für die 100 g wurden 60 – 250 Minuten benötigt.

 

 ( www.spinn.de). 

 

 

Eine tüchtige Spinnradspinnerin erspinnt  in 12 Stunden 3 – 4 württembergische Schneller Flachsgarn und erhält dafür 8 Kreuzer.  Ein württembergischer Schneller sind 2000 württembergische Ellen zu 0,6142 m. Daraus ergibt sich eine Fadenleistung von 3,685 – 4,912 km pro 12 Stunden oder 307 -409 m/h. Die Spinnerin  erhält minimal 1 Kreuzer für  613 m Faden.*8)

Die Maße bei der Weberei  im 18. Jahrhundert sind für uns heute sehr ungewohnt.

„Bey Leinengarn kann zwar nach zweyerley Weissen geweift werden, wovon die eine 3 Viertel Leipziger Elle hält, die ausgestreckte Zahl 6 Viertel Leipziger Elle, und der Faden 3 Ellen, die andere aber 1 Leipziger Elle, die ausgestreckte Zahl 2 Ellen, und der Faden 4 Ellen; allein im Zählen der Strähnen muß eine Gleichförmigkeit beobachtet werden. Es hat demnach

Stück Garn

Strähn

Zaspel

Gebind

Faden

Ellen

1

6

12

240

4800

19200

 

1

2

40

800

3200

 

 

1

20

400

1600

 

 

 

1

20

80

 

 

 

 

1

4

*9)

 


                                                                                                            Hecheln

 

 

Für 1 Maß Bier zahlte man 1850 4 Kreuzer.


Der hohe Arbeitsaufwand für das Spinnen regte die Erfindungsgabe der Techniker an. Die Einführung von Spinnmaschinen (aus England kommend) führte zu einer uns auch heute bekannten Erscheinung. Es wurden vielerlei Gründe für die Ablehnung der Vernichtung von lebendiger Arbeit oder der Steigerung der Produktivität gefunden:

   Die Qualität sinkt gegenüber dem Handspinnen.                                                                                                                                                                                                                                                                Der Flachs wird einer Prozedur  unterworfen, die ihm seine ursprüngliche Leinen – Natur raube.

Das wesentliche Argument aber ist, das eine Person zwei Maschinen bedienen kann und damit die vierfache Menge an Material herstellen kann. Die Schlussfolgerung ist einfach:

 „Was soll aus den vielen Tausenden werden, die in Gebirgen, Dörfern und kleinen Städten nur allein vom Flachsspinnen leben, welche kaum eine Hütte, dabei eine Spanne Landes besitzen, und die ohne zu spinnen verhungern müssen? Alte gebrechliche Leute, Kinder, welche sonst nichts leisten können, sie können spinnen, und erwerben doch zum Theil ihren Unterhalt. Diesen blutarmen Familien und nützlichen Menschen wollen unsere Neuerer den Bissen Brod rauben, um es einzelnen reichen Leuten zuzuwenden.“ *10)

 

 Auf Grund der Schwierigkeiten des mechanischen Verspinnens von Flachs wurden die ersten Spinnmaschinen dafür erst Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut.

1830 – wurde die erste Flachspinnerei von Marshall in Leeds mit 20000 Spindeln in Betrieb genommen.

1866 – in Sachsen gibt es  26 000 Flachsspindeln, das sind wenig gegenüber den 239 000 Spindeln in Böhmen.

 Nach dem Hecheln erfolgt die Bildung von Bändern, das Doubliren und Strecken, die Herstellung des Vorgespinstes und dessen Verspinnung mit der Feinspinnmaschine. Diese sind bei Flachs immer Watermaschinen, da durch das Wasser der Pflanzenleim erweicht und der Faden damit glatter wird.*11)

 Eine mechanische Spinnmaschine soll die Leistung um das 24 fache gesteigert haben.

 

 

1738 erste Spinnmaschine nach Lewis Paul und Wyatt

1764 Spinning Jenny von Hargreaves

 

Spinnmaschine 2.Hälfte 19.Jahrhundert 


Spinnerei in Mähren *12)


Die Spinnereifabrik bestand aus den  Abteilungen:

-          Lager                                                                         Personen

-          Hecheln des Flachses und Wergs                                   80 - 90

-          Strecken, Kardieren, Vorspinnen                                      100

-          Spinnen (17 Spinnstühle mit 2068 Spindeln für Flachs,

-          14 Spinnstühle mit 2952 Spindeln für Werg)                160 – 180

-          Haspelsaal                                                                    80

 

Insgesamt wurden pro Tag 9600 Strehne  mit 2400 Wiener Ellen gesponnen, das sind 17925 km Garn. Bezogen auf die durchschnittlich beschäftigten 435 Personen ergibt sich eine Mannleistung von 41,2 km/Person*d.

Das ungefähr die 10 fache Leistung einer guten Spinnradspinnerin.

 

    Die Rahmenbedingungen

Das Garnmandat von 1696 vom Kurfürsten erlassen, vermöge dessen von fremden Garnaufkäufern erhandeltes weggenommen und die Übertreter in gewisse Strafe verfallen sollen.(Marperger)

Im 18. Jahrhundert nahm die Produktion von Leinwand kontinuierlich zu, was vor allem auf die die Zunahme der Stadtbevölkerung zurück zu führen war. Hinzu kam, dass ein großer Anteil der Produktion exportiert wurde.

Mit dem Krieg 1806 war bis 1814 eine Kontinentalsperre gegen England, dem Hauptkonkurrenten für Deutschland durch Napoleon eingerichtet wurden, die den Warenaustausch mit England untersagte. Mit der Sperre waren zwei Effekte verbunden:

-    Die Einfuhr von Baumwollprodukten sank rapide. Um dies auszugleichen wurde die Spindelzahl in Sachsen von 13000 im Jahre 1806 auf 256000 im Jahr 1813 erhöht. Es wurden über 100 baumwollverarbeitende Betriebe gegründet.

-   Der Handel mit Südamerika und Italien kam auch durch den Krieg in Spanien 1808 völlig zum Erliegen. In Großschöna wurden 1809 340 Webstühle stillgelegt, bis 1811 kamen noch weitere 280 hinzu.

Der Totalbetrag möchte demnach auf etwa 1,500,000 Thlr. zu berechnen sein, worunter jedoch, wie bei der oben angegebenen Schätzung aus dem letzten Viertheile des vorigen Jahrhunderts eben auch der Fall war, die Damastwaaren mit inbegriffen sind, so weit sie, was freilich nur mit dem geringeren Theile der Fall ist, auf diesem Wege ausgehen. Im Uebrigen möchten gegenwärtig ungefähr 2/5 der in der Oberlausitz gangbaren 7 – 8000 Webstühle mit Fertigung leinener Waaren, Dreifünftheile derselben aber mit Anfertigung baumwollener Waaren  beschäftigt sein.“ *13)

 

*16)

 

1509 – Heinrich von Schleinitz bestätigt die Leineweberinnung in Sebnitz 

1613 – die Weberei beschäftigt 51 Meister .In Sebnitz lebten 300 Bewohner. Mit dem Handelshaus Albrecht Heugels Erben in Leipzig und Nürnberg wurde ein Vertrag über 2400 Stück Leinwand abgeschlossen. Das Verlagswesen entwickelt sich umfassend, vom Selbstständigen zum Lohnweber. Durch das Verlagswesen wurde auch die Qualität der Waren entscheidend verbessert. So stieg die Zahl der Kettfäden von 450-900 im Jahre 1450 auf bis zu 2800 im Jahre 1700. *17)

Die Leineweberinnungen im Amt Hohnstein (Sebnitz mit 51 Meistern und 569 Webstühlen die stärkste) verkaufte pro Jahr Leinwand für etwa 50 000 Gulden.*18)

Um die Qualität der Ware zu sichern wurde sie durch Schaumeister beurteilt. Nach dem 30-jährigen Krieg mußte der Weber pro Stück Leinwand 1 Groschen bezahlen. 1699 brachte das dem Amtshauptmann Hannibal von Lüttichau 177 Taler und 7 Groschen ein. Damit wurden 4255 Stück Leinwand gestempelt. *19)

            Schon Kurfürst August (1553 – 1586) hatte festgelegt, dass die Weber ihren Namen in die Leinwand zeichnen mußten, damit man wisse, wer die feinste liefere.*20)

 1626 – die Monopolklausel der Verleger drohen für den andersweitigen Verkauf eine Strafe von 1 Taler pro Stück an. (Aubin/Kunze)

1649 – die 50 Artikel der Brüderschaft der Leinewebergesellen werden vom Rat bestätigt.


 

 

Bleicherei in Steinberg (Böhmen)*21)

 

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts waren immer mehr Weber gezwungen als Lohnweber zu arbeiten. Ein Sebnitzer Weber beschäftigte sogar 32 Lohnweber. Diese Faktoren bildeten die Vermittler zum Großhandel in Leipzig und anderen Städten.*17)

 

1696 – Der Landtag erlässt auf Wunsch der Weber von Stolpen, Bischofswerda, Neustadt, Sebnitz, Hohnstein und Radeberg das „Garnmandat“ das die Ausfuhr von Garn unterbindet. Ursache war,                dass britische Kaufleute höhere Preise für sächsisches Garn zahlten. Das rief den Niedergang der Spinnerei und Bleicherei hervor. *19)

1700  - in Sebnitz gibt es 79 Leineweber, 1697 hat Sebnitz 850 Einwohner

1721 – 120 Weber in Sebnitz erzeugen 4144 Schock Ellen (140,5 km) Leinwand

1733 – Erfindung des Schnellschützen

1740 – Beginn des Zufügens von Seidenfäden (Schuß) zur Verbesserung des Aussehens der  Webstoffe.

1763 - 250 Webmeister in Sebnitz erzeugen 17000 Schock Ellen (576,6 km). Nach www.ahlering.de beträgt die Leistung beim Weben einer 80 cm breiten Stoffbahn von 5,28 m Länge 5-6 Stunden, das entspricht einer Stundenleistung von 0,88 – 1,32 m. Dies stimmt annähernd mit der Vollbeschäftigung ( 8 Webstunden/Tag) der 250 Weber überein. 1772 hat Sebnitz 1684 Einwohner.

1785 – auf die 2108 Einwohner kommen 295 Meister und 130 Gesellen sowie 30 Lehrlinge. Da auch Frauen und Töchter hinter dem Webstuhl arbeiteten, waren gegen 1000 Webstühle im Gange.*14)

1790 – auf ca. 1000 Webstühlen arbeiten 300 Webmeister, 120 Gesellen und 30 Lehrlinge.(Schober 750 Jahre Sebnitz) Bezogen auf die 2000 Einwohner sind das 22,5 % der Bevölkerung oder ca. 46,2 % der Erwerbstätigen. Bezogen auf die arbeitsfähigen Männer (die Frauen und Kinder, die oft halfen wurden nicht gezählt) war also  der überwiegende Teil mit Weberei beschäftigt.

1791 – Beim Bürgermeister Mey arbeiten 56 Leineweber als Lohnarbeiter. 15 Weber und 14 Arbeiter sind in der Manufaktur angestellt. 71 Arbeiter zum Seidenwinden.

1799 – die Beschäftigung der Weber sinkt infolge des Wandels der Mode.

1801 – 338 Weber erzeugen 500 Schock Halbseidenzeug und 10000 Weben Leinwand, das sind 720 000 Ellen (407,9 km).

1804 – W.L. Götzinger beschreibt in *22) das Produktionsprofil der Sebnitzer Leinwandwebermeister.

„Aber die Wichtigkeit derselben als eine bedeutende Manufakturstadt Sachsens kann ich hier nicht übergehn. Es werden nämlich vielerlei Artikel leinene und halbseidne Waaren hier verfertiget, nicht nur weiße Leinwand, sondern auch Matrosen- Matratzen- und Buch-Leinwand, bis zu 8/4 breit, Ginghams, Einschüttleinwand, auch mit türkischen Garn, Trillichte und Gratel, beide auch mit Seide, und zum Theil mit schwarzem Druck und gemahlt, Dickzüchen oder Coutils, mit türkischen Garn und Seide, Halbatlas, Möbelatlas, Moreas zu Frauenzimmerkleidern, Lanzeuge mit buntaufgedruckten Blumen, halbseidene, weißleinene mit seidnen Kanten, 8/4 große Mode-Tücher von englischen Garn und mit seidnen Kanten, und gewähnliche tücher mit und ohne türkischen Garn. Verschiedene von diesen Artikeln sind unter dem Namen der Sebnitzer Zeuge bekannt, und werden sehr oft im Auslande und auch wohl im Inlande für französische Zeuge verkauft.“

1806 – gibt es 666 Webstühle bei 2320 Einwohnern

1807 – nur noch 390 Webstühle

1809 – nur noch 196 Webstühle

1810 – die sächsische Regierung erteilt die Genehmigung zum Hausierhandel mit Leinwand

1811 – auf 2108 Einwohner kommen  340 Webmeister

1839 – die Zahl der Weber ist auf  76 gesunken

1831 - gibt es in der Oberlausitz 4114 Webstühle für weiße Leinwand. Ein Weber fertigt auf seinem Stuhl 30 -40 Stücke zu 72 Ellen pro Jahr und benötigt für 1 Stück 6 – 12 Arbeitstage.                                     Er erhält pro Stück  1 Thaler u. 6 -12 Groschen Lohn.*23)

Die Leistung betrug  0,58 -1,34 m/h, das ist vergleichbar mit der Leistung der Sebnitzer vom Jahre 1763.

Die Entwicklung der Weberzunft zeigt die Grafik von Fritz Endler.

 

  (Foto Endler)


1849 – von 3648 Einwohnern sind 1775 erwerbstätig. Die Webereibranche beschäftigt 477 Personen, das entspricht 26,86 %.

1850 - wurden nach Deutschland durch verzollte Einfuhr 271 918 Zentner Flachs, Werg, Hanf und Heede sowie 67150 Zentner Leinengarn und 32310 Zentner Leinwand importiert.*24)

1854 -  Der Stadtbrand vernichtet viele Webstühle.

1864 – Eröffnung der ersten Maschinenweberei von Carl August Hesse jun. mit 50 mechanischen Webstühlen. Bis 1869 wurde sie auf 120 Webstühle erweitert. Die Zahl der Arbeitskräfte stieg von 78 im Jahr 1866 auf 283 im Jahr 1885 . Die ersten mechanischen Webstühle schafften 40 Ellen und mehr pro Tag, in 12 Arbeitstunden und bei 90 – 100 Schuss pro Minute und 4 Maschinenbedienung bis zu 100 -120 Ellen pro Tag. (Endler)

1864 - Der andere Bezirk wird durch Sebnitz, Neustadt und Umgebung, und zwar durch Drelle, Federleinen (ganz leinen, halb leinen und ganz baumwollen, d. h. Kette und Einschlag baumwollen) vertreten. Sebnitz gibt die Zahl seiner Webstühle allein auf 1049 an und beschäftigt außerdem in der Umgegend noch 324 Stühle, auf denen jährlich circa 32000 Stück Drelle im Wert von mehr als 1 Million Thlr. gefertigt werden. Rechnet man hinzu, dass Neustadt unter ähnlichen Verhältnissen gleichfalls eine ansehnliche Zahl von Stühlen beschäftigt, so ist es erklärlich, dass diese Branche größere Lebensfähigkeit und weitere Ausdehnung durch Erleichterung der Communication zu erlangen sucht, wie sie eben nur durch eine Bahnverbindung möglich ist. Es kommt hinzu, daß Sebnitz bereits angefangen hat, Maschinenweberei für Drelle und Federleinen einzuführen — ein Versuch, der nunmehr als vollkommen gelungen betrachtet werden darf — und dass die unausbleibliche Erweiterung dieser Maschinenindustrie sich sehr bald nach billigen Kohlen umsehen wird, um an Stelle der wechselnden Wasserkraft die stabilere und jeder Zeit verfügbare Dampfkraft zu setzen.*25) 

1867 - Die Fabrikation von halbleinenen Waren, Bettdrellen, Federleinen, Corsetdrellen, sowie von Flaumendrell und Rouleauxstoffen in Sebnitz und Neustadt hielt sich bei mäßigem Umsatz auf gleicher Höhe wie 1866. Je nach den politischen Stimmungen traten zwar Stockungen ein, die im Herbst das Geschäft sogar recht mühsam machten, doch gelang es, wenn nicht allen, so doch den meisten Firmen, ihren Webern wiederum neue Aufträge zu erteilen und wenigstens in den eouranten Artikeln einer mehrfach befürchteten totalen Stockung vorzubeugen. Wenig erfreulich war, dass neben dem zollvereinsländischen Markte, der, wie nicht anders erwartet werden konnte, in feinem Bedarf gering blieb, auch der überseeische Export Vieles zu wünschen übrig ließ. Der Anschluss von Schleswig-Holstein, der mit großen Erwartungen begrüßt ward, hat zur Zeit nur wenig befriedigen können, doch ist mit großer Wahrscheinlichkeit sowohl hier als in Mecklenburg ein ergiebiges Absatzgebiet in Aussicht zu nehmen, da der Begehr dieser Länder vorzugsweise auf solche schwere Stoffe gerichtet ist, wie sie in Sebnitz und Neustadt fabriziert werden. Der Verkauf während der Leipziger Messen blieb gleichfalls in dem bisherigen mäßigen Umfange, doch ist hierbei nicht zu übersehen, dass in dieser Branche die Messen ihre frühere Bedeutung längst verloren haben, da zur Messe häufig nur die Waren gebracht werden, die auf Lager geblieben sind und dann gegen Kasse verkauft werden sollen.

Was die Höhe der Jahresproduktion betrifft, so ist die Zahl der Webstühle auf den umliegenden Dörfern in etwas vermehrt worden. Man rechnet, dass für Rechnung von Sebnitzer Firmen nahezu 800, für Neustadt gegen 200 Webstühle arbeiten. Sebnitz besaß 1867  3, Neustadt l Etablissement für Appretur der Leinenwaren, Sebnitz ferner 62, Neustadt 6 Scheerrahmen. Diese 68 Scheerrahmen entsprechen einem Verbrauch von ea. 7l0000 Pfd. Baumwollengarn und 685000 Pfd. Leinengarn, die einem Wert von 550000 Thlr. entsprechen dürften. Der Fabrikationswert der in Sebnitz und Neustadt produzierten Leinenwaren dürfte auf etwa 1.100.000 Thlr. zu veranschlagen sein. Die Arbeitslöhne sind trotz vorherrschender Tendenz zum Weichen nahezu unverändert geblieben, und nur in ordinären leichten Sachen behauptete sich gegen Jahresschluss ein zum Glück nicht sehr erheblicher Preisabschlag.

Die mit 1 Turbine von ca, 40 Pferdekraft getriebene mechanische Weberei der Firma C. A. Hesse in Sebnitz hat ihre Maschinenstühle von 50 auf 62 vermehrt und hat, nachdem trotz der ungünstigen Zeit die Prosperität des Unternehmens vollständig gesichert ist, eine weitere Vergrößerung in Aussicht genommen. *26)

1867 – es gab 1408 Handwebstühle und 67 mech. Webstühle , damit waren 1696 Männer,    994 Frauen und 305 Kinder beschäftigt. Etwa 10% fielen auf Neustadt.   

1873 – 2184 Handwebstühle, 192 mech. Webstühle, 2610 Männer, 1468 Frauen und 464 Kinder beschäftigt.1905 waren etwa 350 mechanische Webstühle vorhanden. (Endler)

1870 -  in der Fa. Paul sind 12 Handwebstühle und 13 mechanische Webstühle in Betrieb

Dezember 1875 – Die Weberinnung zählt noch 386 Mitglieder.

1882 – Der Jahreslohn der Fabrikweber beträgt 364 – 520 Mark, der der Handweber 312 -  364 Mark. Es gibt 549 Weber in Sebnitz.

 1887 – Auflösung der Weberinnung von 1509.

Um 1900 – die mechanische Weberei Michel in Sebnitz hat 81 Mitarbeiter (nach Foto). 1900 leben in Sebnitz 8649 Menschen.

1911 - gab es kein selbständiges Weberhandwerk mehr.

 

Die Entwicklung der Webstühle 

 

Handwebstuhl im Museum Sebnitz

 

 

 

 

Alte Webarbeit

 

Fa. C.A. Hesse jun. KG (Foto Endler)

 

 

1869 – Erfindung des mechanischen Kanevarwebstuhls durch Emil Hogau Werkführer der Fa. C.  G. Paul,

Sebnitz hat 1871 5216 Einwohner

Jaquard Webstuhl  

                                 mech. Webstuhl nach Edmond Cartwright

 

Die Technologie hat sich weiter entwickelt. Heute wird mit schützenlosen Luftstrahl-Webstühlen gewebt.  Diese AIR-JET- Stühle schießen den Faden mit Druckluft durch die Kette. Dies senkt den Lärmpegel und erhöht die Produktivität bedeutend.

 

 

 

 

 

TERRYplus-800-Air-Jet

 

 

 

Die Webstühle sind elektronisch gesteuert und liefern das etwa 150 fache an Gewebe des Handwebstuhls. Hinzu kommt die Mehrmaschinenbedienung (bis 8 Maschinen pro Weber), so dass die Zahl der benötigten Arbeitskräfte enorm gesunken ist.

Die Leistung pro Webstuhl beträgt bis 170 km/a (hohe Maschinenauslastung vorausgesetzt). Bei 1,5 m Breite ergibt das 25,5 Hektar. Der Handweber schaffte nur 0,17 Hektar. (Quelle: Angaben von Produzenten im Web) 

Die Entwicklung der Web- und Spinntechnologie ist in der folgenden Grafik sehr gut dargestellt. Sie zeigt, dass die Produktivität des Spinnens seit 1760 um fast das 1000fache und die des Webens um das etwa das 30-40fache gestiegen ist.   

 

 

*27)

    

Lebenbedingungen

Wie bedeutsam das Spinnen und Weben für die arme Landbevölkerung im 18. Jahrhundert war, soll folgender Auszug verdeutlichen.

„Der mehrere Theil, vom hier erbauten flachse kann aber nicht roh verkauft werden. Ein jeder Haußwirth muß seinen Gesinde so viel Acker geben, daß sie 2 Metzen Lein darauf säen können. Darauf erbauen sie dann gewöhnlich 12 Kloben, auch öfters noch etwas mehr. Die Mägde bekommen überdies noch jährlich 5 Kloben ausgebrechten Flachs von Ihrer Herrschaft, und wenn sie sich in den Kredit guter Wirthinnen setzen und erhalten wolle; so dürfen sie von allen diesen Flachs keinen Kloben verkaufen, sondern müssen ihn hinsetzen, bis heyraten. Alsdenn macht er gemeiniglich das wichtigste Stück ihrer Ausstattung aus, nach welchen bey einen Heyrathsvorschlag wo nicht der Freyer selbst, doch gewiß seine Aeltern und Anverwanden zuerst fragen. Wenn beyde Personen, die sich verheyrathen in diesem Stücke gute Wirthe gewesen; so können sie leicht 100 bis 150 Kloben Flachs, auch wohl noch mehr, wenn sie lange gedienet haben, zusammen bringen. Dies ist der Grundstein, auf welchen auch die ärmsten Vater- und Mutterlosen Waisen, ihr zukünftiges Fortkommen, mit einem glücklichen Erfolg gründen. Denn da sie durch ihre eigene Arbeit, durch das Spinnen, Weben und Bleichen, den Werth dieses Flachses gar ansehnlich zu erhöhen in Stande sind; so erhalten sie davon den Verlag ihres künftigen Fortkommens. Diese Einrichtung ist weit besser als wenn das Gesinde alles verdiente Lohn auf eine  vergänglichen Staat wendet, un auf die Zukunft gar nichts erspart. Denn ich kann versichern, daß durch dieses Mittel die allerärmsten aber fleißige und arbeitsame Personen mit der Zeit in Stande gesetzt worden sind, sich Häuser und Güter zu erkaufen“.   *28)

Die Zunftbedingungen waren für Meister und Gesellen genau geregelt. Einen Einblick in die Sebnitzer Bedingungen gibt der folgende Ausschnitt. 

Auszug aus einer Abschrift des Grenzblatts Nr.29 von 1894

„Wollte in Sebnitz ein Leinewebergeselle ein Meister werden, so war wichtiger als das Meisterstück, daß er verheiratet war, oder daß er wenigstens ene „zugesagte u. verlobte Frau“ ( Braut) hatte. Hatte er sich eine Witwe des Handwerks oder eines Meisters Tochter zum Weibe erkoren, so waren ihm gewisse Erleichterungen bei der Aufnahme sicher. So suchte die Innung die Witwen u. Töchter der Mitglieder zu versorgen. Verheiratete sich eine Meisterswitwe nicht, so durfte sie selbst als „Meisterin“ mit ihren Töchtern u. mit Gesinde das Handwerk weiter betreiben. Lehrlinge aber durfte sie keine aufnehmen; aber vom Mann noch angenommene konnte sie ¼ Jahr in der Lehre behalten. Danach mußte der Lehrling einem anderen Meister übergeben werden. „Eigene Kinder mag sie lernen, so lange sie will, will sie aber einen Sohn zum Gesellen machen, soll sie ihn 4 Wochen zu einem anderen Meister geben.“ Die Artikel mahnten auch zum ehelichen Frieden u. bedrohten die Uebertreter. „ Wenn ein Meister mit seinem Eheweibe zänkisch u. unchristlich hält, der soll das Handwerk nicht arbeiten, noch in dieser Zunft geduldet u. gelitten werden“.

Wer das Meisterrecht erwerben u. dadurch als vollwichtiges Glied der Zunft gelten wollte, der mußte durch Geburtsbriefe seine ehrliche u. eheliche Geburt nochmals wie schon bei der Lehrlingsaufnahme bekräftigen u. durch Urkunden nachweisen, daß er 3 Jahre das Handwerk in einer bestätigten Zeche gelernt, er 1 Jahr gewandert sei. Die Zahl der Meistercandidaten war beschränkt. Es durften alljährig am Quartal Reminiscere nur 3 Gesellen ums Meisterrecht werben und zwar:

1.    Eines Meisters Sohn,

2.    Einer, der eine Meisters Witwe oder eines Meisters Tochter freite u.

3.    Ein Fremder; „ doch gehet alleweg der vor, der am längsten auf Handwerk gearbeitet“.

Die Werbezeit dauerte 4 Quartale hindurch. Als Werbegeld waren 2 gulden in die Innungslade zu entrichten; nur der Meistersohn zahlte die Hälfte. Jeder Candidat hatte in der Zeit von Trinitatis bis Michaelis zwei Meisterstücke zu fertigen, u. zwar jedes 2 Ellen breit u. 60 Ellen lang. Das Garn mußte sich der Werber selber beschaffen, ebenso den Zeug neu vorrichten, „nemlich beholffen u. reygen in gegenwart der Eltesten“. Die entstehenden Meisterstücke waren von den Aeltesten „ mit Fleiß“ zu besichtigen. Als die Innung im 18. Jhd. im Besitz eines Meisterhauses war, wurden die fertigen Meisterstücke dort nochmals genauer Prüfung unterzogen von dazu berufenen Meistern „ seines Viertels“ u. zwar im Beisein des gesamten Handwerks.(Seit Ende des siebenjährigen Krieges umfaßte das 1. Viertel Neusorge u. Obergasse, das 2. Viertel Hertigswalder-, Hainersdorfer – u. Neuestraße, das 3. Viertel Langegasse, die Marktumgebung, Schießhausberg bis ziemlich an die Hammerbrücke, das 4. Viertel die Gegend über der Hammerbrücke.)“

Literatur:

 

1 -  Bose: Handbuch der Geografie, Statistik und Topografie des Königreichs Sachsen¸1847 

2 - Amtsblatt für Landwirtschaftliche Vereine des Königreiches Sachsen; Nr. 9, 1856

3 - Isbary: Statistik und Lage der Industrie und des Handels im Königreich Sachsen; 1865

4 - www.inaro.de

5 - Jahresbericht der Handels- und Gewerbekammer Dresden; 1867

6 - Angaben nach Hornstein: Der Anbau des Flachses; 1844

7 - P.J. Marperger:  Abriß der Commercien und Manufakturen; 1718.

8 -  F. Breunlin: Über mechanische Leinenspinnerei; 1844

9 - Leonhardi:Erdbeschreibung der churfürstlich- und herzoglich Sächsischen Lande; 1790

10 - “Praktische Darstellung der Oberlausitzer Leinwandproduktion“; Herrnhut, 1837

11 -  Autoren: Das Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien; 1867

12 - Karl Hornstein: Bericht über die erste österreichische Flachs – Röstanstalt mit Warmwasser, 1852

13 - F.G. Wiek: Industrielle Zustände in Sachsen; 1840

14 - Grenzblatt Nr.29;1894

15 -  Aubin/Kunze: Leinenerzeugung und Leinenabsatz; 1940

16 -   Anders: Die Sebnitzer Webindustrie;1911

17 - Endler: Von der Entwicklung der Sebnitzer Leineweberei und Kunstblumenindustrie; 1962

18 -  M. Schober: 750 Jahre Sebnitz

19 - Dietrich: Wirtschaftsgeschichte der Sächsischen Schweiz; 1936

20 - Engelhardt:“Merkels Erdbeschreibung von Kursachsen“;1804

21 - Wanderführer Köglers: Naturpfad durch die Umgebung von Schönlinde, 200622 - W.L. Götzinger: Schandau und seine Umgebungen; 1804

 

23 - von Reden: Der Leinwand- und Garnhandel Norddeutschlands; 1838

24 - Hübner:Jahrbuch für Volkswirtschaft und Statistik; 1854

25 - Jahresbericht der Handels- und Gewerbekammer Dresden; 1864

26 - Jahresbericht der Handels- und Gewerbekammer Dresden ;1867