Energiewende – eine kleine Wasserkraftstatistik

Der Ausstieg aus der Atomkraftnutzung führt  notwendigerweise  zur stärkeren Nutzung alternativer Energien. Wie haben denn unsere Vorfahren das Energieproblem gelöst, die weder über Atomkraftwerke noch über kohlebefeuerte Großkraftwerke verfügt haben. Auch Benzin oder Diesel standen wegen fehlender Verbrennungsmotoren noch nicht zur Verfügung. Im Bereich der Sächsischen Schweiz und des Osterzgebirges gibt es aber eine Anzahl von Bächen und Flüssen, die über ein Gefälle verfügen. Deshalb entstanden seit dem 14. Jahrhundert Mühlen, die mit Mühlrädern als Energiewandler betrieben wurden. Zwei Arten der Nutzung dieser Energie – entweder direkt oder über Transmissionen- dominierten, die Mahlmühlen und die Säge- bzw. Brettmühlen. Der Bedarf an Mehl und Schrot sowie an Bauholz stieg mit der wachsenden Bevölkerung, so dass immer mehr Mühlen entstanden. Neben den klassischen Mühlrädern gewannen Turbinen wegen ihres besseren Wirkungsgrades besonders zur Energiegewinnung an Bedeutung.

 

Im Freistaat Sachsen gab es 1837 3027 Wassermühlenmit 5029 Mahlgängen,355 Spitzgängen und 30 Schrotgängen. Im Bezirk Dresden gab es 903 Wassermühlen, 231 Ölmühlen, 311 Sägemühlen und 34 Lohmühlen.*1)

1929 waren es in Sachsen 3513 Wasserkraftanlagen, 1950 waren es immer noch 3013, 1990 lieferten noch 45 Anlagen Strom.*2) 

 

IDie folgenden Angaben beziehen sich auf die Einzugsgebiete der Elbzuflüsse von Ilmenbach bis Wesenitz und Gelobtbach bis Gottleuba einschließlich aller Zuflüsse.

 

Meiche  *3) führt in seinen  Mühlenbuch  folgende Fakten an:

 

311 verschiedene Namen von Müllern, die insgesamt 513 Müller repräsentieren (das 19. Und 20. Jahrhundert wurde von mir nicht berücksichtigt).

14.Jahrh.

15. Jahrh.

16.Jahrh.

17. Jahrh.

18.Jahr.

gesamt

2

16

142

88

199

447

 

Man sieht, dass das im 16. Jahrhundert neue Technologien einen Zuwachs an Mühlen erforderte. Im 18. Jahrhundert ist der Zuwachs auf die Entwicklung von Turbinen als Energiewandler zurückzuführen.

Meiche führt insgesamt  87 Mühlenstandorte im betrachteten Gebiet auf:

Altendorf, Altstadt, Amtshainersdorf

Berggießhübel, Bühlau, Bahra, Berthelsdorf, Bad Schandau

Cunnersdorf b. Hohnstein, Cunnersdorf b. Königstein, Copitz, Cotta

Dittersbach, Daube, Dürrröhrsdorf

Eschdorf, Ehrenberg, Elbersdorf

Fischbach, Friedrichswalde

Gottleuba, Gersdorf, Giesenstein,Göppersdorf, Göppersdorf, Goßdorf, Großröhrsdorf

Hütten, Hermsdorf b. Königstein, Hohnstein, Helmsdorf, Heeselicht, Hellendorf, Hertigswalde, Hinterhermsdorf

Jessen,

Königstein, Kleinhennersdorf, Krippen,Köttewitz, Kleingießhübel, Krumhermsdorf

Langenwolmsdorf, Lauterbach, Leupoldishain, Langenhennersdorf, Liebstadt, Langburkersdorf, Lohsdorf, Lichtenhain, Lohmen

Mittelndorf, Markersbach, Mühlsdorf

Neustadt, Nentmannsdorf, Nikolsdorf, Niederottendorf

Oelsen, Ottendorf

Porschendorf, Pirna, Pratzschwitz, Porschdorf,  Polenz, Papstdorf, Prossen

Rosenthal, Rückersdorf, Reinhardtsdorf, Rathewalde, Rugiswalde, Rennersdorf, Rathen, Röhrsdorf

Saupsdorf, Sebnitz, Schweizermühle, Schmilka, Schöna, Struppen, Seeligstadt, Schmiedefeld, Schönbach

Thürmsdorf

Ulbersdorf

Wehlen

Zehista, Zwiesel 

 

 

Im Internet (Wikipedia) finden sich für die größten Gewässer folgende Angaben.

 

 

 

Die Wesenitz hat ein Wassereinzugsgebiet von 270 km². Die Wasserkraft der Wesenitz und ihrer Zuflüsse nutzten nicht weniger als 110 Mühlen, Sägewerke und Schleifen.

Der Lachbach sammelt das Wasser von  269 km², davon die Sebnitz 162 km² und die Polenz 104 km². Die Kirnitzsch kommt auf 140 km².

Die Gottleuba hat ein Einzugsgebiet von 251 km². Die Biela kommt auf 104 km²

 

 

R. Ocken und H. Cedra  *4) führen nicht weniger als 65 Anlagen auf, die Holzstoff (Holzschliff), Papier, Pappe oder Zellulose erzeugt haben. 

 

Auch  die Eisenverarbeitung auf Grund der Eisenerzgewinnung im Bergießhübler/ Gottleubaer Gebiet führte zu Mühlen für den Antrieb der Hammerwerke.

 

G. Schmidt *5) führt  35 linkselbige  und 3 rechtselbige Hütten und Hämmer auf.

Allein rings um Neustadt gab es 18 Mühlen *6).

M. Schober  *7) führt in seinen Buch „Die Mühlen der Sächsischen Schweiz- rechtselbiges Gebiet „  zwischen Ilmenbach und Wesenitz 110 Mühlen an.

 

G. Schmidt führt in seinen Buch „Vom Pirnschen Eisen – Aus der Geschichte der alten Hämmer und Hütten im Raum Pirna“;1984  35 linkselbige  und 3 rechtselbige Hütten und Hämmer auf.

Allein rings um Neustadt gab es 18 Mühlen (Hohwaldbrief Nr. 3 “Mühlen von Neustadt und Umgebung“).

M. Schober führt in seinen Buch „Die Mühlen der Sächsischen Schweiz- rechtselbiges Gebiet „ Naturverlag Rölke,2009  zwischen Ilmenbach und Wesenitz 110 Mühlen an.

Im „Verzeichnis der im Bezirk des Wasserbauamtes Pirna gelegenen Wasserkraftanlagen“ sind die technischen Daten von 212 Mühlen erfasst.

Folgende Daten wurden erhoben:

-       -  Gewässer und Ortsangabe

-       -  Eigentümer u. Bezeichnung der Anlage

-       -  Einzugsgebiet

-       -  Mittlere Arbeitswassermenge (m³/s)

-        - Vollwassermenge (m³/s)

-       -  Mittlere Nutzwasserhöhe, Nutzfall bei Vollleistung ( m)

-        -  Leistung bei Vollwasser, mittlere Nutzleistung (PS) )

-       -   Art und Anzahl der Wasserkraftmaschinen

-       -  Verwendung

Bei den Anlagen waren 115 Turbinen und 97 Wasserräder der Energiewandler. Insgesamt erzeugten die Anlagen im Mittelwasser 4737 PS oder 3485 kw. Das ergibt eine Jahresleistung von 30528600 kwh, eine Menge die bei 5000 kwh/a für 6105 Haushalte reichen würde. (Voraussetzung ist, dass die Leistung mit gleichem Wirkungsgrad in elektrische Energie gewandelt worden wäre).

Die Turbinen erzeugten 4059 PS ( im Mittel 35,3 PS pro Anlage), die Wasserräder 97 PS ( 7 PS pro Anlage). Der Unterschied ist mehr als deutlich.

Es scheint eine Abhängigkeit von Fallhöhe und Wassermenge zur ereichbaren Leistung zu geben. Die genauere Untersuchung dieser Zusammenhänge ist nicht Anliegen dieses Beitrages.

Es ist kein Zusammenhang über die Art des Wasserauftreffens auf das Mühlrad offensichtlich ( Oberschlächtiges, mittelschlächtiges oder unterschlächtiges Wasserrad).

 

 

Auch bei den Turbinen gibt es unterschiedliche Anströmungsverhältnisse.

www.c-turbines.ch/wasser.html

Die erfassten ca. 225 Mühlenstandorte verteilen sich nach Einzugsgebiet der Bäche wie folgt:

 

 

Rechtselbig *7)

 

Ilmenbach

Schmilka

1

Kirnitzsch mit Zuflüssen

Hinterhermsdorf

Saupsdorf

Ottendorf

An der Kirnitzsch

 bis Bad Schandau

1

4

4

12

(dazu 14 in Tschechien)

Sebnitz mit Zuflüssen

Sebnitz

Schwarzbach/Ehrenberg

Hertigswalde           

16

5

1

Polenz mit Zuflüssen

Rugiswalde

Ober- und Niederottendorf           

Berthelsdorf

Langburkersdorf

Neustadt

Polenz

Langenwolmsdorf-Porschdorf

Tiefer Grund

1

3

2

4

4

4

12

1

 

Lachsbach

Porschdorf - Rathmannsdorf

3

Wesenitz

Bühlau bis Altstadt

Fischbach

Helmsdorf bis Porschendorf

Lohmen bis Jessen

Copitz-Elbe

17

2

12

10

2

 

Summe

121

 Linkselbig:

Schober/Hickmann *9)führen insgesamt linkselbig 93 Mühlen auf.

Gelobtbach

Schöna

1

Schiebgrundbach

Schöna

1

Mühlengrundbach

Reinhardtdorf-Schöna

11

Krippenbach

Kleinhennersdorf /Liethenbach

Krippen

Kleingießhübel

Reinhardtsdorfer Bach

1

4

2

1

Cunnersdorfer Bach

 

Biela

Cunnersdorf

Bielatal - Schweizermühle

Rosenthal/Brausenstein

Bielatal/Hermsdorf

Leupoldishain/Nikolsdorf

Königstein/Hütten

4

4

4

10

2

8

Behnebach

Thürmsdorf/Königstein

3

Struppenbach

Struppen/Ober-u. Niedervogelgesang

3

 

Pötzscha, Neundorf

2

Bahra

Oelsen/Hellendorf

Markersbach

Bahra

5

4

4

Seidewitz

Gottleuba

 

Pirna

Pirna

Rottwerndorf

Cotta/Neundorf

Bergießhübel – Langenhennersdorf

Gottleuba/Hartmannsbach /

Borna/Gersdorf/Friedrichswalde

 

2

7

3

3

4

11

 

 

 

 

Gesamt

104

 


 Der Fundus e. V. Ostsachsen führt in seiner Broschüre "Alte Wassermühlen im Landkreis Sächsische Schweiz folgende Mühlen an.

Wesenitz: 24; Polenz: 16; Sebnitz: 10; Kirnitzsch: 9; Müglitz: 12; Seidewitz: 12; Bahre 4; Biela 15; Bahra: 8; Gottleuba: 23 + 4 in Pirna; Cunnersdorfer Bach: 4; Krippenbach: 6 - sind gesamt 147 . Das sind alles Mühlen mit Wasserrädern.

Von den vielen Wasserkraftanlagen sind nur wenige funktionstüchtig erhalten. Die bekanntesten sind die Neumannmühle im Kirnitzschtal, die Schmilksche Mühle in Schmilka, die Bärmühle in Gottleuba und das Kraftwerk Niezelgrund.

 Schmilksche  Mühle

Neumannmühle

 

Mühlgraben Kraftwerk Niezelgrund

 

Aus der Kraft des fließenden Wassers werden in Deutschland rund 22 Mrd. kWh sauberer Strom gewonnen.
Weitere 14 Mrd. kWh können unter Beachtung ökologischer Gesichtspunkte zusätzlich gewonnen werden. Auf diese stets erneuerbare Energie als Schatz der Natur kann der Mensch nicht verzichten. Dem Energiemix der erneuerbaren Energien steht die Wasserkraft rund um die Uhr zur Verfügung. Bei der Stromerzeugung mit Fotovoltaik und Windkraftanlagen kann die Wasserkraft eine Art Energiespeicherung für Ausfallzeiten darstellen. Die Wasserkraft ist als bedeutendste erneuerbare Energie im Energiemix ein Juwel, denn sie ist umweltfreundlich, ressourcenschonend und emissionsfrei, sicher verfügbar und preiswert. In Verbindung mit dem Bau von ökologisch orientierten Wasserkraftwerken werden sogar erhebliche Verbesserungen für die Umwelt erreicht, wie im Folgenden dargestellt:
Die Energie der Hochwässer wird in den mit den Stauanlagen der Wasserkraftwerke verbundenen Energievernichtungsbauwerken (Tosbecken) konzentriert umgewandelt. Die Hochwasserspitzen können gebrochen werden. Durch die Turbine wird Sauerstoff ins Gewässer eingebracht und damit die Selbstreinigungskraft des Gewässers erhöht. Der Fluss wird durch die Rechenreinigungsanlage der Wasserkraftanlagen von Unrat und Wohlstandsmüll gesäubert. Wasserkraft bildet bei Ausfall von großräumigen Stromversorgungssystemen eine Notstromversorgung des Landes für Krankenhäuser, Schulen usw. Sie schützt als dezentrale Stromversorgung von weltweit wirkenden Sabotageakten, welche bei zentralen Großkraftwerken eine Gefahr darstellen. Durch die Übertragung der Gewässerunterhaltung im Einflussbereich der Wasserkraftwerke auf den Kraftwerksbetreiber wird der Steuerzahler entlastet. Wasserkraft als heimische Energiequelle ist importunabhängig. Sie steht als regenerative Energie auf unendliche Zeit zur Verfügung. Jedenfalls so lange noch, wie unsere Sonne dem blauen Planet Erde Energie spendet
.*10) 

 


Eine Verbindung der Energiegewinnung mit Hochwasserschutzanlagen (Talsperre, Rückhaltebecken), wo Fallhöhe und Wassermenge zur Verfügung stehen ist leider nicht zu erkennen.

 

 Literatur:

1 - E. Engel: „Jahrbuch für Statistik und Staatswirtschaft des Königreiches Sachsen“; 1853

2 - Verband der Wasserkraftbetreiber Sachsen und Sachsen-Anhalt e.V.

3 - Meiche :“ Ein Mühlenbuch - Von Mühlen und Müllern im Arbeitsgebiet des Gebirgsvereins für die Sächsische Schweiz“; 1927

4 - R. Ocken und H. Cedra :“ Von der Mühle zur Papierfabrik“; 2007

5 - G. Schmidt : „Vom Pirnschen Eisen – Aus der Geschichte der alten Hämmer und Hütten im Raum Pirna“;1984

6 - Hohwaldbrief Nr. 3 “Mühlen von Neustadt und Umgebung“

7 - M. Schober: „Die Mühlen der Sächsischen Schweiz- rechtselbiges Gebiet „ Naturverlag Rölke,2009

8 - „Verzeichnis der im Bezirk des Wasserbauamtes Pirna gelegenen Wasserkraftanlagen“

9 - Schober/Hickmann :“Die Mühlen der Sächsischen Schweiz – linkselbiges Gebiet“, 2011

10 - http://www.wandern-saechsische-Schweiz.de/Rathen Wasserkraftwerk Niezelgrund.htm