In Gedenken an meinen verstorbenen Schwiegervater, den Heimatforscher
Erich Pilz
 
 
  
 
 
Skizze
 
Über die Entstehung der Wehranlagen
in der Sächsischen Schweiz
 
 
 
 
 
Sebnitz, 1964 -1988
Erich Pilz
 


lm Elbsandsteingebirge befinden sich viele burgartige Anlagen.
Die Entstehung dieser Befestigungen ist geschichtlich nicht geklärt.
Die vorliegende Arbeit soll zur Untersuchung der historischen Hintergründe beitragen, die zu der großen Zahl von Wehranlagen in diesem Gebiet führten. Zugleich wird versucht eine Deutung vorzunehmen. Zugängliche Quellen, besondere Auffälligkeiten, Über­einstimmungen sollen genannt werden, vielleicht gelingt es, aus den vielen Mosaiksteinchen ein Bild entstehen zu lassen.
Mögen diese Darlegungen Anstoß sein zu weiteren Forsch­ungen, denn
 
 
„Ein Fremdling zu Hause zu seyn, gereicht niemanden zur Ehre „
(G.Süssen).
 
 
Verwunderlich für ein geologisch so abgegrenztes Gebiet wie das Elbsandsteingebirge ist die Vielzahl der im Sandstein erbauten „Raubschlösser“.
Dieser Begriff ist durch Götzinger in die Heimatgeschichte eingegangen, der in seiner „Beschreibung der Sächsischen Schweiz“ ( 1 ) erstmals diese Bezeichnung für die Burgen anführte.
Dieser Sammelname für die Wehranlagen hat sich bis in unsere Zeit erhalten. Der Tourist spricht leider noch immer vom „ Vorderen - und Hinterem Raubschloß“, vom „Goßdorfer „ - und „ Ottendorfer Raubschloß“, „Rasch­gärtners „ - sowie „Kreibitzer Raubschloß“ usw.. Eigentlich werden seit Götzingers Zeit sämtliche Befestigungen der Vergangenheit einer „Raubritterzeit“ bezichtigt.
Es stimmt freilich nachdenklich, dass viele größere, ein­zeln stehende Härtlinge des Sandsteines, d.h. festere Sedimentformationen, die den Abtragungseinflüssen standgehalten haben, bewehrt gewesen sind.
Auf dem Territorium der DDR und dem Sandsteingebiet der CSSR, begrenzt im Süden durch die Elbe - von Rathen bis Decin (Tetschen), von der Linie Hohnstein - Sebnitz - Sternberg - Tollenstein und zurück nach Tetschen, zählen wir insgesamt 39 Wehranlagen, die bis jetzt bekannt sind. (Skizze 1)
Die Burgen Sonnenstein und Wehlen blieben aus technischen Gründen außerhalb der kartenmässigen Darstellung, sie sollen jedoch ebenso wie die Befestigungen am Rande den Sandsteins - Schwarzberg, Neidberg, Tollenstein und Königstein mit in die Betrachtungen einbezogen werden.
Nicht alle Burgstellen dürften bekannt rein, andere liegen wahrscheinlich unter einer verbergenden Humusdecke und bilden für die Zukunft eine Arbeitsaufgabe.
Das Hauptwerk über die Wehranlagen des sächsischen Teiles des Elbsandsteingebirges bildet das Jahrbuch IV des Gebirgsvereines für die Sächsische Schweiz von 1907, kurz als „Burgenwerk“  ( 2 ) bezeichnet.
 
Unter der Redaktion und Mitarbeit des verdienstvollen Heimatkundlers Prof. Dr. Meiche aufgelegt, bildet es eine Bestandsaufnahme zum damaligen Zeitpunkt, vervollständigt durch den Beitrag ( in „ Über Berg und Thal - Jahrgang 1907,Seiten 234 - 237) durch Baurat Wiechel. Erweitert wurden die Kenntnisse durch die Herausgabe des Bandes „Zwischen Sebnitz und den Zirnsteinen“ ( 3 )
der Reihe „Werte der Deutschen Heimat“ der Deutschen Akademie der Wissenschaften. B. Walther mit seiner Bearbeitung der Wall - und Wehranlagen darf dabei nicht unerwähnt bleiben ( 4 ). 
Zusammen stellen sie die Standardwerke für den Heimatfreund dar, der sich etwas intensiver mit dem historischen Aspekt dieser Landschaft beschäftigen möchte. Auskunft aber über den Zweck und die Ursache, die zu der Vielzahl der Wehranlagen geführt haben, geben sie nicht.
Geographisch bilden die Burgen eine Einheit. Ihr überwiegender Teil liegt im Sandstein. Die wenigen Ausnahmen - Schwarzberg, Neidberg, Stolpen u. die Burgen um Bensen CSSR - dürften als Geleitsburgen aufzufassen sein, ändern aber nichts am System der Errichtung der vielen Wehranlagen in unserem Gebiet.
Vorweggenommen werden muss noch die staatsrechtliche Situation um Zwölfhundert, denn die Entstehungszeit der Befestigungen dürfte, wie noch zu erläutern ist, in dieser Zeit liegen.
Im 13. und 14. Jahrhundert war das gesamte Gebiet der Sächs. - Böhm. Schweiz unter der Krone von Böhmen. Das Territorium des Böhmischen Königs reichte von Prag bis Strehlen und Großenhain.
Damit konnte auch das Befestigungssystem nach einheitlichen, den Naturgegebenheiten angepassten Möglichkeiten gebildet werden.
Somit entfällt das Argument der „Raubschlösser“.
Im genannten Zeitraum war die Ritterschaft noch nicht zu Stegreifrittern herabgesunken, und der König von Böhmen achtete sehr auf die Sicherheit der in seinem Reich verlaufenden Handelsstrassen.
Nicht alle Beziehungen der Burgen untereinander können Erwähnung finden. Diese reichen weit über das darzustellende Gebiet hinaus. So müsste wahrscheinlich der gesamte nordböhmische Raum, Oybin, dass linkselbische Gebiet und Prag mit beschrieben werden. Das sprengt aber in seinem Umfang die vorliegenden Möglichkeiten.
Das Hauptballungsgebiet der Burgen und Warten liegt also im Sandsteingebiet. Die schroffen Felsen, nur durch Steigbäume oder andere künstliche Hilfsmittel zugänglich, waren leicht zu verteidigen. Die leichte Bearbeitbarkeit den Gesteins mag außer dem noch dazu beigetragen haben, Sicherheitsbauwerke zu errichten.
Die Bauweise hat, abgesehen vom Umfang, infolgedessen viel Gemeinsames. Balken und Rundhölzer wurden in ausgespitzte Widerlager des Gesteines verankert. Diese Falze sind die noch heute sichtbaren Spuren der einstigen AnIagen. Je nachdem wie die Balken befestigt werden sollten, unterscheidet man Auflage -,Senkrecht - und Boden­falze. Falz ist der Name für die vorgenommenen Ausspitz­ungen.
 
Geschickt nutzten die Erbauer die Gegebenheiten auch bei der Anlage von Burggräben (Wallgräben) aus. Spalten und Klüfte, meist durch Zugbrücken überbrückt, wurden dazu herangezogen, so am Neuen Wildenstein, Arnstein, Hockstein, Wüsten Schloss und an der Kreibitzer Burg, um nur einige zu nennen.
Mit Mörtel verfugte Mauern, finden sich wenige, der Winter­stein und der neue Wildenstein besitzen noch Turmfragmente, Granitsteine und Ziegelbrandschutt ließen sich auf den Arnstein und der Burg Neu Rathen nachweisen.
Nicht immer ist also eine reine Holzbauweise angewendet wurden, obwohl kritisch bedacht werden muss, dass auch ein späterer Ausbau erfolgt sein kann.
Problematisch war die Wasserversorgung der Befestigungen. Nur der Falkenstein (CSR, Sokol ) verfügt über einen wasserführenden Brunnen. Die meisten Warten besaßen Zisternen, ausgehauene Vertiefungen, die wahrscheinlich durch Lehm abgedichtet, Regenwasser speicherten und für Notzeiten bereithielten.
Es ist nicht anzunehmen, dass die Burgbeatzungen für den Alltag Zisternenwasser genossen. Trinkwasser, Brenn- und Nutzholz, die vielen Versorgungsgüter mussten auf die Wehranlagen transportiert werden.
Anfahrtswege zu den großen Burgen waren unerlässlich. Solche Auffahrten ließen sich für Arnstein, Hockstein u. a. , kurz bei den wichtigsten Burgen nachweisen. Oft wurden sie mühsam ausgespitzt und aus natürlichen Spalten erweitert.
 Von den oft vorhandenen Unterburgen mögen die Güter per Lastaufzug zur Oberburg gebracht worden sein. Zusätzliche Sicherungen durch Wälle oder Warten wurden, wo es die örtlichen Gegebenheiten zuließen, so z.B. beim Hockstein, Schwarzberg usw. gebaut.
 
 
Die Geleitsburgen der Elbe
 
Zweifelsohne besaßen die Ströme eine wichtige Bedeutung für den Handel. So wird die Elbe schon in alter Zeit nicht nur der Erschließung sondern auch dem Transport von Gütern gedient haben. Sie verbindet das fruchtbare Böhmische Becken mit der Nordsee.
Der Sicherung dieses Handelsweges mögen die Burgen Sonnenstein, Wehlen, Neu – und Altrathen, eventuell der Schomberg und schließlich Tetschen gedient haben. Für den Neurathen ist dies belegbar durch die aufgefundenen Steinkugeln, die mittels Schleuder verschossen wurden. Zwar verneint K. Walther (Wall- und Wehranlagen S. 52) dies, doch dürfte die Tatsache, dass solche Steinkugeln aus der Elbe gebaggert wurden, einen Beweis darstellen, dass die Entfernung durch Wurfmaschinen von der „Steinschleuder“ bis zur Elbe überbrückbar war. Der überhöhte Standpunkt der Schleudermaschine ( Blide) über der Elbe mag wesentlich zu dieser Entfernungsüberbrückung beigetragen haben.
Da es keine Unterlagen gibt, die den Elbeverlauf im frühen Mittelalter darstellen, also auch keine Aussage getroffen werden kann, ob früher die Elbe näher an Wehlen, Schomberg oder Sonnenstein vorbei floss, muss der Geleitsburgcharakter für diese Anlagen offen bleiben.
 
Verneint muss die Elbwachtposition für den Rauschenstein werden. A. Meiche gibt im Burgenwerk (S. 323) die Bedeutung des Rauschensteins als Elbwarte an, doch die Entfernung zum Strom (Luftlinie ca. 300 m) wurde mit den Waffen des Mittelalters nicht überbrückt. In gleicher Weise müssen Königstein und Lilienstein ausgesondert werden, immer davon ausgehend, dass eine direkte Beeinflussung des Stromes gewährleistet sein musste.
Tetschen dagegen ist in seiner Lage als Elbwachtposition geradezu ideal. Außerdem mag schon in alter Zeit dort ein Umschlagplatz existiert haben, dessen Schutz die Burg mit übernahm.
 
Straßengeleitsburgen
 
Um die vielen Wehranlagen im Sandstein zu deuten, bleibt zu untersuchen, ob diese Burgen als Schutz für durchführende Straßen erbaut wurden.
Am Rande des Sandsteingebietes liefen einige alte Straßen entlang. Walter (Wall- u. Wehranlagen, S. 21 ff.) nennt folgende:
  1. Die Verbindung Pirna – Tetschen, über Königstein, Pfaffendorf und durch das
     „ Böhmische Tor“,
  1. Pirna – Aussig, über Hellendorf, Peterswald,
  2. Nenntmannsdorf – Kulm, Aussig, Lobositz, Prag,
  3. Das „Hallesche Geleise“ ( Salzstraße) von Halle über Leipzig, Wurzen, Oschatz, Großenhain, Radeberg, Stolpen, Neustadt, über den Raupenberg nach Böhmen,
  4. Nürnberg, Eger, Komotau, Brüx, Dux, Teplitz, Eula, Tetschen, Böhmisch Kammnitz, Lückendorf, Zittau.
Am Nord – Ostrand des Sandsteingebietes verlaufen nach Moschkau ( 5  ) zwei alte „Kaiserstraßen“.
Eine führt über Königsbrück, Kamenz, Löbau, Görlitz nach Schlesien, die andere aus der Mark Brandenburg über Görlitz nach Zittau.
In Zittau teilte sich die letztere, führte über Petersdorf, Gabel, Wartenberg nach Prag. Der zweite Zweig gelangte über Schanzendorf, Bürgstein nach Leipa, verzweigte sich wieder, einmal über Dauba nach Prag, zum anderen mündete sie in das Straßennetz nach Tetschen ein.
Wie aus der Darstellung hervorgeht , kommen als Straßenwacht- und Geleitsburgen eigentlich nur drei in Frage, nämlich Tetschen, Sonnen- und Tollenstein. Vielleicht kann der Schomberg mit einbezogen werden.
Das Hauptballungsgebiet der Befestigungen bleibt von alten Straßen unberührt, nur am Rande des Sandsteingebietes verliefen Fernverkehrswege.
Kein Fuhrmann wäre wohl, ohne gewichtige Gründe zu haben, mit seinen Planwagen durch die unwegsamen Schlüchte und Täler des Sandsteines gefahren, wo sich Hinterhalte so leicht legen ließen, keine Übersicht gewonnen werden konnte ( alle alten Straßen verliefen möglichst auf den Höhen) und auch Schnee und Eis sich viel länger hielten.
Ein Ausweichen der entgegenkommenden Gespanne war in den Schluchten sicherlich auch problematisch, ist es ja für die Forstwirtschaftsbetriebe heute noch!
Es ist mehrfach versucht worden, „ Straßen“ in das Gebiet der Steine zu verlegen, immer aber wohl mit der Absicht, eine Erklärung für die vielen Wehranlagen des Territoriums zu erhalten.
So hat Meiche in „ Über Berg und Tal“ ( 6 ) das Wegenetz der Herrschaft Wildenstein dargestellt.
Ausgehend von Postelwitz als Umschlagplatz, stieg nach ihm die Straße den Zahnsgrund hinauf, verlief mit dem Wenzelsweg bis zum Nassen Grund, dann zu Dietrichs Grund, unterhalb der Wände des Kleinen Zschand, die Zeughausstraße zum Großen Zschand und schließlich über Neumannmühle, Buschmühle, Arnstein ( Dorfbachklamm!) nach Ottendorf zur Hohen Straße !
Technologisch musste dabei das Gespann mehrere schroffe Höhenunterschiede überwinden, vom Elbtal durch Scharten den Fuß des Massivs erklimmen, zum Kirnitzschtal hinab und wieder auf die Wasserscheide hinauf.
Die dargelegte Straßenführung ist für Handelstransporte kaum denkbar, nicht nur aus der Trassenführung selbst heraus, sondern schon aus ganz gewöhnlichen Zeitgründen.
Die Elbestrecke Postenwitz – Prossen wiegt keinesfalls den Zeitverlust auf, der bei der Wegführung Postelwitz – Ottendorf in Kauf genommen werden musste. Warum sollte ein Dreieck gefahren werden, noch dazu mit Bachüberquerungen.
Der Fuhrmann wird bestimmt lieber die kürzere Strecke gewählt haben, begründet nicht zuletzt durch die Schonung seiner Zugtiere.
H. Lemme legt im Jahrbuch für Touristik ( 7 ) dar : „ Wenn dagegen in der Heimatliteratur seit Jahrzenten immer wieder von einer mittelalterlichen Handelsstraße die Rede ist, die angeblich von Postelwitz durch das Schrammstein- und Affensteingebiet nach dem Großen Zschand führte und auf welcher Frachtgüter bis ins böhmische Niederland, d.h. der Umgebung von Rumburk und Schluckenau sowie bis zur Oberlausitz gegangen sein sollen, so ist dies mit aller Deutlichkeit abzulehnen“.
Meiche kann aber Postelwitz als Umschlagplatz belegen. Im Burgenwerk ( S. 224) gibt der Verfasser an, dass von Postelwitz aus die Versorgung der Burgen der vorderen Sächsischen Schweiz erfolgt ist.
So ordnet sich der bei Meiche im Burgenwerk angegebene „ Straßenverlauf“ sinnvoll in das Versorgungssystem der Burgen ein. Selbstverständlich schließt dies nicht aus, dass Querverbindungen zwischen einzelnen befestigten Steinen bestanden haben und notwendig waren. Alle urkundlichen Belege über den Umschlagplatz Postelwitz sind somit nicht widerlegt, sondern sie ordnen sich zeitlich folgerichtig ein ( Götzinger, Geschichte des Amtes Hohnstein, S. 389).
Als im 14. bzw. 15. Jahrhundert die Versorgung der Burgen , ja deren Existenz nicht mehr nötig und erwünscht war, schloss man auch den Umschlagplatz, der sie versorgte.
So ist die Verordnung des Herzogs Friedrich von Sachsen, 1452 nach der Ratifizierung der Grenzziehung erlassen, wohl zu verstehen,
„ Es soll besondern die Ausschiffung zu Boselwize (Postelwitz), ob die ichmals geschehen were, hinförder ganz abgethan sein“.
 
1452 war keine der Burgen im zentralen Teil des Elbsandsteingebirges mehr in Funktion, die Zerstörung durch den Sechs-Städte-Bund war abgeschlossen.
Versorgungsstraßen lassen sich auch für die Burgen im böhmischen Teil des Sandsteingebirges annehmen. Die Entstehungsursache der Wehranlagen kann im Sinne von Geleitsburgen ausgeschlossen werden, bis auf die wenigen genannten Ausnahmen.
Es muss wohl nicht erwähnt werden, dass z. B. für die Versorgung des Arnsteines nicht Frienstein usw. gebaut wurden.
 
 
 
Grenzbefestigungen
 
Am Fuße einer Burg entstanden meist kleine oder größere Orte, so z.B. Königstein, Stolpen, Hohnstein.
Im eigentlichen Sandsteingebiet gibt es diese „Burgweiler“ nicht. Keine Handwerker siedelten sich an, und die damals eventuell schon vorhandenen Dörfer lagen relativ weit von den Befestigungen entfernt.
Auch dieser Gedankengang kann nicht zur Erklärung der Burgen dienen.
Landwirtschaftliche und andere Belange kommen für den Bau der Burgen für das im Sandstein liegende Gebiet auch nicht in Betracht.
Für die Forstwirtschaft und den damaligen Sandsteinabbau war ein so hoher Schutzaufwand nicht notwendig, zumal die forstwirtschaftliche Nutzung erst ab dem 16. Jahrhundert einsetzte.
Bergbauversuche lassen sich nach Lange (8 ) für das zu untersuchende Gebiet auch erst im 15. Jahrhundert nachweisen .
Die Datierung der Warten und Burgen liegt aber hauptsächlich im 13. bis 14. Jahrhundert!
Bliebe zu untersuchen, ob sie als Grenzbefestigungen erbaut wurden.
In den genannten Jahrhunderten gehörte das Elbsandsteingebiet zur Krone von Böhmen. Die Oberlausitz, ja selbst Strehlen und Mühlberg an der Elbe, waren nach H. Beschorner ( 9 ) noch im 14. Jahrhundert in böhmischen Besitz, Grenzbefestigungen können es nicht gewesen sein und wirtschaftliche Belange, das Gebiet durch eine so hohe Zahl von Wehranlagen zu schützen, lagen nicht vor.
 
Raubritterburgen
 
Schon Meiche ( Burgenwerk, S. 224/225) distanziert sich von der Meinung Götzingers. Er führt aus: „…die Absicht, sie alle zum Zwecke der Brandschatzung von Kaufmannsgut oder gar des Straßenraubes anzulegen, hat natürlich niemals bestanden.“
Dazu muss noch ausgeführt werden, dass die jeweiligen Landesherren größtes Interesse an sicheren Straßen hatten. Die so dringend benötigten Güter, beispielsweise Salz, waren lebensnotwendig und so waren die Strafen für Straßenraub entsprechend hoch.
Im Zentrum des Sandsteingebietes verbleiben ca. 20 bekannte Befestigungen. Werden für jede von diesen nur 5 Berittene als Stammbesatzung angenommen, kommt man auf 100 Reiter – die anderen Burgbewohner ausgenommen, die höchst wahrscheinlich ständig in diesem Gebiet waren. 100 Reiter wollten ihr tägliches Brot, die Pferde ihr Futter – und das im Sandstein.
Nur vom Raub ließen sich die Menschen und Pferde kaum versorgen. Die Verkehrswege am Rande des Sandsteingebietes werden einen solchen Aderlass auch kaum gewachsen gewesen sein.
Bedenken wir weiter, dass die Bevölkerungsdichte der Randgebiete keinesfalls den heutigen Werten entsprach, also wohl schnell ausgeraubt gewesen wäre, zumal, wie Walther ( S. 19) angibt, die Besiedlung der Sächsischen Schweiz und folglich des gesamten Elbsandsteingebirges zur Zeit der Grenzurkunde von 1241 noch nicht abgeschlossen war.
Grundlage dieser Überlegung ist allerdings die gleichzeitige Entstehung und Besetzung der Wehranlagen, auf die noch eingegangen werden soll und die Meiche im obigen Zitat anklingen lässt.
Damit wird nicht gesagt, dass Raubüberfälle von den Burgen nicht ausgeübt wurden, allerdings erst wesentlich später,  zumeist erst im 15. Jahrhundert.
 Als Schlupfwinkel für Räuber wurden die Burgen jedenfalls nicht gebaut!


Die Entstehungstheorie der Wehranlagen des Elbsandsteins
 
In keinem Land der Erde werden Befestigungen ohne zwingende Notwendigkeit angelegt, auch in unserer Zeit nicht. Welche Funktionen sollten Burgen haben, wenn sie keine „schützende Rolle“ innehatten?
Die Vielzahl der Wehrbauten auf so kleinem Raum lässt den Schluss zu, dass wichtige Gründe zur Errichtung vorliegen mussten.
In der Komplexität der gesamten Burgen und Warten im Elbsandsteingebirge muss der Entzifferungsschlüssel für deren Entstehung liegen.
Für die Zusammengehörigkeit sprechen zusätzlich die in der Tabelle dargestellten Übereinstimmungen.
Wehranlagen in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz

Nr.
Name
Jahrhdt.
Quelle
Sandstein
Granit
Gesichter
Gemächer
Zisterne
Halsgra-
ben
Posten-
stände
Mörtel
1
Hockstein
13.
Scherben
x
 
 
x
x
x
 
 
2
Hohnstein
14.
Urkunde
x
 
 
x
x
x
x
x
3
Neurathen
13.
Funde
x
 
x
x
x
x
 
X
4
Altrathen
11.
Meiche
x
 
 
x
x
x
 
x
5
Lilienstein
13.
Scherben
x
 
 
x
x
 
 
 
6
Königstein
13.
Urkunde
x
 
x
x
x
x
 
x
7
Frindsberg
 
 
x
 
 
x
 
 
 
 
8
Schomberg
13.?
Walther
x
 
 
x
x
x
 
x
9
Pinsenberg-warte
 
 
 
x
 
 
 
x
 
 
10
Schwarzberg
14.
Meiche
 
x
 
x
 
x
 
x
11
Nasenberg
15.
Funde
 
x
 
 
 
x
 
 
12
UlbersdorferSchloss
 
 
 
x
 
 
 
x
 
 
13
Knechts-
bachwarte
 
 
 
x
 
 
 
 
x
 
14
Neidberg
15.
Meiche
 
x
 
 
 
x
x
 
15
Falkenstein
14.
Alge.20
x
 
 
x
 
 
x
 
16
Vorderer Torstein
15.
Funde
x
 
x
x
 
 
x
 
17
Rauschen-
stein
15.
Urkunde
x
 
 
x
 
 
 
 
18
Alter Wilden-
Stein
13.
Meiche
x
 
 
 
 
 
 
 
19
Neuer Wilden-
stein
13.
Urkunde
x
 
 
x
x
x
 
x
20
Arnstein
13.
Funde
x
 
x
x
x
 
x
 
21
Frienstein
15.
 
x
 
 
 
 
 
 
 
22
Lorenzstein
15.
Meiche
x
 
 
 
 
 
 
 
23
Winterstein
14.
Meiche
x
 
 
x
x
 
 
x
24
Heulenberg
15.
Meiche
 
x
 
 
 
 
 
 
25
Raumberg
 
 
x
 
 
 
 
 
 
 
26
Schauen-
stein
13.
Gloß
x
 
x
x
x
 
x
 
27
Falkenstein
CSSR
13.?
Nemecek
x
 
x
x
 
 
 
 
28
Karlstein
CSSR
13.
Nemecek
x
 
x
 
 
x
 
 
29
Wolfsberg
CSSR
13.
Nemecek
x
 
 
X
x
 
 
 
30
Sternberg
CSSR
13.
Nemecek
x
 
 
 
 
 
 
 
31
Wüstes
Schloss CSSR
13.
Nemecek
x
 
 
x
 
x
 
 
32
Tetschen
13.
Walther
x
 
 
X
 
x
 
 
33
Tollenstein
CSSR
10.
Münzberg
 
x
X
X
 
x
x
x
34
Daubaer
Warte CSSR
16.
 
x
 
X
x
 
 
 
 
35
Kreibitzer
Burg
13.
Nemecek
x
 
 
 
 
x
 
x

 
In Spalte eins ist das älteste nachgewiesene Jahrhundert angegeben, gleich ob es sich um Funde oder urkundliche Erwähnungen handelt. Die Spalte zwei „Quelle“ gibt den Quellennachweis.
In Spalte drei und vier ist die Gesteinsart angegeben, auf der die Wehranlage erbaut wurde, da sich hieraus viele spezifische Merkmale, besonders im Sandstein, ableiten lassen.
Halsgräben, künstlich angelegt, findet man hauptsächlich im Granit ( Knechtsbachwarte, Schwarzberg, Nasenberg, Stolpen Bensen usw. ), im Sandstein wurden diese falls möglich, durch natürliche Spalten ersetzt ( oder diese erweitert, wie am Arnstein und wahrscheinlich auch am Neuen Wildenstein ) , oft konnte man ganz darauf verzichten. Die Rubrik fünf           ( Gesichter) , bedarf einer etwas eingehenderen Erläuterung, nicht zuletzt mit der Absicht, weitere Forschungen zu diesem Punkt anzuregen. Meiche (Burgenwerk S. 343), schreibt zur Darstellung eines solchen Gesichtes am Arnstein „ Volkskunst“. Diese Interpretation scheint den Kern der Sache nicht zu treffen. Gesichter der verschiedensten Abmessungen, strichartig, totenkopfähnlich ausgeführt, lassen sich an oder bei einigen Burgen finden – bis zur Rothenburg im Böhmischen Paradies!
 
Anscheinend besteht ein Zusammenhang zwischen Wehranlage und den Gesichtern. Immer sind sie bei, an oder in der Nähe von Burgen zu finden. Da dies im Staatsbereich der CSSR und der DDR gleichermaßen zutrifft, kann der jetzige Grenzverlauf eliminiert und ein ursprünglicher Zusammenhang angenommen werden.
Da in der vorliegenden Tabelle nicht alle Burgen erfasst sind, soll die Aufzählung ergänzt werden auf die bis jetzt bekannten Orte, wo sich Ritzzeichnungen ( Gesichter) finden lassen:
 
-          Bürgstein CSSR
-          Gabrielensteig, unterhalb Prebischtor
-          Wackelstein u. Töpfer im Zittauer Gebirge
-          Lehnsteig
-          Saupsdorfer steig
-          Oybin
-          Stadelschlüchte
-          Arnstein
-          Kleine Bastei, Schmilka
-          Königstein
-          Schandauer Turm, Frienstein
-          Straße von Dittersbach nach Vysemil, CSSR
-          Falkenstein (Sokol) , CSSR
-          Rudolphstein , CSSR
-          Schauenstein, CSSR
 
Reliefartige Gesichter sind bekannt:
-          bei der unteren Schleuse
-          in den Hirschpfützen, CSSR
-          beim Zeughaus
-          am Heulenberg.
 
Alle Zeichnungen sind unterschiedlich ausgeführt.
Der Entstehungszeitraum und – grund sind völlig ungeklärt. Durch I. u. K. Augst konnte an dem Block, in dem das Gesicht bei der Stadelschlucht eingeritzt ist, die Jahreszahl 1411 festgestellt werden. Als Datierung für die Gesichter darf man das jedoch vorsichtigerweise nicht werten.
Wahrscheinlich wurden Wege zu Befestigungen ebenso gekennzeichnet ( Neuweg, Lehne, Saupsdorfer Steig), wie sie auch an den Burgen selbst angebracht wurden. Die Darstellung selbst ist roh und bei manchen Gesichtern fehlen die Ohren.
Die vergleichende Darstellung lässt doch den Schluss zu, dass nicht die gleiche Person die Gesichter eingehauen hat. Ein systematischer Zusammenhang muss bestehen, ob in der Nachnutzung oder während der Entstehung der Burgen. Ausgehauene Gemächer, lassen sich nur auf größeren Befestigungen im Sandstein finden. Je nach Anzahl, aufgewendeten Arbeitsaufwand und trotz vielleicht auch später erfolgtem weiteren Ausbau, sind sie doch ein Anhaltspunkt für die Bedeutung der jeweiligen Anlage. Das gleiche gilt für die Zisterne .
In der Vergangenheit wurde in der Literatur bei der Bauweise der Befestigungen im Elbsandsteingebirge ausschließlich von Holzbauweise gesprochen. Diese Ansicht bedarf der Korrektur.
Es lassen sich auf dem Winterstein, auf Neurathen, am Neuen Wildenstein und Arnstein, wahrscheinlich auf anderen Burgen auch noch, Mauerverbunde oder Granitsteine feststellen, die im Gegensatz zur bis jetzt vorhandenen Auffassung stehen. Vielleicht würde eine Mörtelanalyse der Burgen untereinander weitere Anhaltspunkte geben können., wobei beispielsweise der Schwarzberg einbezogen werden sollte.
Dass die Burgen bei Granituntergrund der Bauausführung durch Mauerwerk bedurften, muss nicht erläutert werde. Interessant ist auch, bei welchen Warten und Burgen sich gesetzte Trockenmauern auffinden lassen, nicht nur direkt im Burgenbereich sondern auch als Zufahrtsbefestigung, Höhlenversatz oder Untergrundausgleich. Wenn sich eine land- oder forstwirtschaftliche Bedeutung nicht ausschließen ließ, wurden diese nicht erfasst.
Ein typisches Merkmal für größere Befestigungen sind „ Unterstellmöglichkeiten“ für die Wachposten, die ankommende Güter und Personen zu kontrollieren hatten. Fast gleiche Abmessungen, natürlich bei Ausnutzung der örtlichen Gegebenheiten, kennzeichnen diese.
Eine Besonderheit bilden kleine, grubenartige Vertiefungen, die bei manchen Sandsteinburgen in den Gemächern eingehauen wurden. Ebenso wie bei den Gesichtern ist deren Bedeutung noch nicht bekannt. Erwähnt muss werden, dass der „ Bärfang“ am Winterstein ebenfalls eine solche rechteckige Grube besitzt und er auch aus anderen Gründen nicht als „Bärfang“ angesprochen werden darf (Sächs. Zeitung, 31.1.1981, Lokalseite Sebnitz).
 
 
Sichtverbindungen
 
Außer baulichen Merkmalen, Funden und Inschriften bzw. Zeichnungen gibt es noch einen weiteren Hinweis für die einheitliche Bausystematik der Burgen – die Sichtverbindungen.
„Sehen ist Wissen“ stand als Wahrspruch in Kriegszeiten an erster Stelle. Die Bewegung des Feindes mussten beobachtet und die eigenen Anlagen über die jeweilige Situation auf dem laufenden gehalten werden.
 Sichtverbindungen bestehen zwischen Hohnstein- Hockstein, von Hohnstein zur Steinschleuder (Neurathen), vom Lilienstein bis zum Falkenstein (CSSR), lässt sich die Nachrichtenlinie verfolgen.
Wie viele und welche „Relaisstationen“ z. B. Raumberg (?) benötigt wurden, um beispielsweise die Kreibitzer Burg und die anderen in dieser Gegend liegenden Befestigungen zu erreichen, sei dahingestellt. Vorhanden werden sie ebenso gewesen sein, wie eine Sicht- oder Signalverbindung vom Frienstein zum Rauschenstein existiert haben muss. Winterberg, Eichberg (Ur-Oeder (10)) und viele andere noch kommen in Betracht, wie auch der Bruderstein ( Hinterhermsdorf) für die Verbindung Arnstein ( Turm) – Falkenstein (Sokol) Bedeutung besessen haben mag.
Vielleicht könnte man diese Nachrichtenlinie über das Elbsandsteingebiet hinaus fortsetzen – Hutberge, Gickels-, Wach- und Butterberge gibt es viele.


Die geringe Entfernung zwischen vielen Burgen im Sandstein können oftmals schon durch Zuruf überbrückt werden, wenn man den heutigen Industrie- und Fahrzeuglärm eliminiert.
In der Nacht genügte eine geschwungene Fackel, besonderer „Signalfeuerstellen“ bedurfte es nicht.
 
Oberflächenfunde
 
Neben der, in der vergleichenden Übersicht dargestellten Funde gibt Dr. H.W. Mechelk ( 11 )          eine Fundstellenskizze über rot bemalte Irdenware an. Für das untersuchte Gebiet sind dabei Neurathen, Lilienstein, Frienstein , Arnstein, Winterstein und neben anderen auch der Oybin sowie Karlsfried angegeben.
Solche Gefäße wurden in Töpferwerkstätten in Levin hergestellt. Levin liegt im Kreis Litomerice (CSSR) also im damaligen Mutterland.
Inwieweit Handel zur Verbreitung dieser Töpferware zu den vielen Fundstellen ( z. B. Dresden, Zittau, Orte in Polen) geführt haben kann, ist hier nicht von Belang.
Dass jedoch Scherben, eben der rot bemalten Ware, sich in den genannten Burgen finden ließen, beweißt wohl doch die Versorgung aus dem ehemaligen Mutterland.
Die wichtigste Feststellung dürfte aber sein, dass die Burgen und Warten in den von Dr. Mechelk angegebenen Zeitraum, mindestens also die oben genannten, gleichzeitig besetzt waren.
 
Die Wasserversorgung
 
Das Elbsandsteingebirge ist arm an Quellen. Einige Bäche durchfließen es, so die Sebnitz    ( teilweise), die Kirnitzsch und die Kamnitz. Sie entspringen jedoch alle im Granit.
Die wenigen Quellen im Sandstein versiegen meist im Sommer. Ursache dafür ist die Porosität ( Wasserdurchlässigkeit) des Gesteins. Nur dort, wo undurchlässige Schichten zwischen gelagert sind oder Lehm den Untergrund bildet, kommt es zu Schichtquellen, kleinen Weihern, sumpfigen Stellen. Die Wasserversorgung der Burgen stellte deren Bewohner vor keine leichte Aufgabe. Frisches Wasser für Mensch und Tier wird gewünscht und das abgestandene Zisternenwasser sicher nur in Notzeiten verwendet worden sein.
Zugänge zum Wasser mussten befestigt werde, z. B. von der Knorre zur Kirnitzsch (Versorgung Lorenzstein) oder vom Winterstein zum Reibetöpfel, Schöpfstellen mussten angelegt werden ( für den Vorderen Torstein am Wege zum guten Bier), Wege wurden dafür angelegt (Knechtsbachwarte, Nasenberg), die gleichzeitig auch als schneller Zugang dienten. Waren die schroffen Felsen des Elbsandsteingebirges schwer zu erobern – die Wasserversorgung stellte zweifellos die schwächste Stelle der Verteidiger dar.
Die Größe der Zisternen könnte deshalb als Maßstab für die Bedeutung der Befestigungen und deren Besatzungsstärke herangezogen werden. Unser heutiges Wissen darüber ist jedoch nicht umfassend genug, um Aussagen zu treffen. Es sei nur daran erinnert, dass Götzinger die Zisterne auf dem Hockstein angibt, eine Lokalisation und Untersuchung aber noch nicht stattfand.
 
Militärische Besonderheiten
 
Ein wichtiges strategisches Merkmal besitzen alle im Zentrum des Elbsandsteins liegenden Befestigungen, also diejenigen, die ab Kirnitzschverlauf östlich liegen. Von der Elbe aus nach dem Gebirgszentrum hin wäre es kaum einem Heer gelungen, diese durch das Gebirgsmassiv gebildete Befestigungslinie zu überwinden, zumal der Anstieg von Osten her oft leichter zu bewerkstelligen ist.
Als Beispiele mögen dienen:
-          Großer Zschand - Reisteig – Torwalder Wände
-          Großer Zschand - Roßsteig - Winterbergmassiv
-          Großer Zschand - Teichstein – Neunstelliger Hübel
-          Rainwiese – Fuciksteig- Prebischtor – Eichberg.
Analog gilt dies auch für die Unangreifbarkeit vom Westen her. Nur Großer und Kleiner Zschand, Böhmerstrasse und Nasser Grund sowie Khaatal bilden Zugänge und waren leicht zu versperren.
Verdeutlicht wird dies auch im Geländeprofil am Beispiel der Torsteingruppe, wie dies die aus „über Berg und Tal“ entnommene Darstellung zeigt.
 
Die Entstehungstheorie der Wehranlagen
 
Aus dem bisher Dargelegten geht hervor, dass ein wichtiger Anlass bestanden haben muss, diese immensen Befestigungsanlagen zu errichten, wenn sie die heutige Gestalt auch vielleicht erst durch weitere „Nachnutzung“ erhalten haben mögen.
Die geleistete Arbeit muss durch eine Zwangslage ausgelöst worden sein, große Ereignisse müssen sie bedingt haben.
Welterschütternd war im Zeitraum des 13. Jahrhunderts der Mongoleneinfall.
Er wird in „Weltgeschichte, Bd. 3“( 12 ) folgendermaßen geschildert: „ ….aus der Galizisch – Wolynischen Rus zog ein Teil des mongolischen Heeres unter dem Kommando Burundäis im Frühjahr 1241 nach Polen, ein anderer mit Batu an der Spitze nach Ungarn. Die Angreifer eroberten und verwüsteten Lublin, Zawichost und Sandomierz ( Sandomir). Von Sandomierz aus zog ein Teil der Streitkräfte der Mongolenkhane nach Großpolen, ein anderer Teil nach Kleinpolen in Richtung auf die Städte Krakow und Wroclaw. Krakow wurde zerstör, dagegen verteidigten die Einwohner von Wroclaw tapfer und mit Erfolg die Zitaelle. Bei der Stadt Legniwa ( Liegnitz) hatten sich unter dem Kommando des Fürsten Henrik Pobozny ( Heinrich von Pommern) von Krakow starke Streitkräfte versammelt. Am 9. April erlitt dieses Heer trotz tapferen Widerstandes eine Niederlage. Danach besiegten die die Horden Batus ein 60 000 Mann starkes Heer des ungarischen Königs Bela IV:, das sie am Flusse Sajo umzingelt hatten und setzten die Eroberung Ungarns fort. Auch Kroatien wurde verheert. Die Eroberung der Rus und die Verheerung Polens, Ungarns und der Balkanländer durch die mongolischen Truppen führte in Europa zum Ausbruch einer Panik. Selbst so weit entfernt liegende Städte wie Lübeck und Nürnberg rüsteten fieberhaft zur Verteidigung. Frankreich und England schwebten in Angst und Sorge. Aus Furcht vor den Mongolen wurde für einige Zeit sogar der englische Handel mit dem Festland unterbrochen. Aber durch die pausenlosen, jahrelangen Kämpfe geschwächt, zogen die mongolischen Eroberer weder nach Italien noch nach Österreich oder Böhmen, wo der böhmische König aktive Verteidigungsmaßnahmen traf“. Die Schlacht bei Liegnitz brachte für das mongolische Heer den Sieg und damit lag Mitteleuropa für den Eroberungsfeldzug offen vor ihm. Böhmen war der einzige Wellenbrecher gegen den mongolische Ansturm in Richtung Westen geworden.
 
Meiche ( 13 ) kommt im Zusammenhang mit der Grenzurkunde auf den Mongoleneinfall zu sprechen:
„1223 wurden alte Steiigkeiten um Hoheitsrechte des Königs von Böhmen und des Bistums Meißen, das seit 1006 als Territorialmacht in der Oberlausitz Fuß gefasst hatte, durch jene berühmte Grenzurkunde verglichen, auf die schon im Eingang dieser Darstellung einmal Bezug genommen wurde, wie die darin aufgeführten Grenzpunkte mitten in unserem Gebiet liegen.
Wie gesagt, das geschah 1223. Aber erst 1241 ward das ursprüngliche Berainungsprotokoll, das unter König Ottokar aufgenommen worden war, von seinem Sohne Wenzel vollzogen.
Warum hatte das Königshaus 18 Jahre lang gezögert, die Urkunde rechtsgültig zu machen? Das lag am heißen, zuletzt freilich erfolglosen Bemühen der alten Fürstengeschlechter, das Aufkommen neuer selbständiger Territorialmächte zu verhindern.
Da kam 1241 der Mongoleneinfall in Schlesien. Der böhmische König bangte um sein Land. Darum suchte er sich die Hilfe der deutschen Machthaber zu sichern, und so ward auf dem Bergschloss an der Elbe (Königstein) am 7. Mai 1241 jener Grenzvergleich mit dem Bischof von Meißen endlich bestätigt. Das war einen knappen Monat nach der Schlacht bei Wahlstatt am 9. April 1241, wo das schlesische Heer eine furchtbare Niederlage erlitt und des Königs Schwager Herzog Heinrich der Fromme ( v. Pommern, d. Verf.) fiel. König Wenzel fürchtete, dass sich die Mongolen nunmehr gegen die Oberlausitz und Nordostböhmen wenden würden. Dass sie schließlich nach Osten abzogen ist eine der überraschenden Wendungen, wie sie die Weltgeschichte zuweilen zeigt.“
 
M.d. Ferdinandy ( 14 ) erklärt wie folgt:
„ Die Frühlingskampagne des Jahres 1241 wurde von Ordas Heer eingeleitet. Orda selbst holte weit nach Norden aus, jeden polnischen Widerstand brechend. Kajdan ging direkt nach Breslau (Wroclaw), während Pejdar Krakau plünderte, um sich dann mit seinen beiden Vettern in Breslau zu vereinigen. Das deutsch – polnische Heer des Herzogs Heinrich II. von Schlesien erwartete den Feind bei Liegnitz. Dieses war überhaupt das einzige größere westeuropäische Heer, das die Courage besaß, den Mongolen Fehde zu bieten. Es wurde in einer verlustreichen Schlacht am 9. April 1241 vernichtend geschlagen, worauf die Mongolen zwar eine hurtige Flankenbewegung dem Westen zu unternahmen, aber mit großer Schnelligkeit wieder in östlich-südlicher Richtung zurückbogen, Ölmütz und Brünn plünderten und sich dann, um an dem konzentrischen Angriff auf das Donau-Becken teilzunehmen, südwärts wandten in Richtung Pest in Ungarn.“
Auf Seite 164 des gleichen Verfassers heißt es: „….die Vorposten seines Heeres stießen nach dem Siege bei Liegnitz bis in den Thüringer Wald vor.“
Auch Strokosch ( 15 ) geht auf Seite 50 darauf ein: „ … Auf der Seite, gegen Meißen, erwartete man einen gewaltigen Vorstoß der Mongolen; ein Brief des Doninikanerbruders Bartholomäus von Trient meldet dem Bischof Egene von Brixen:
„ Über die Tartaren haben wir folgende Neuigkeiten; sie haben fast ganz Polen und einen Teil von Ungarn erobert und greifen nunmehr die Grenzen von Böhmen und Sachsen an.“
Also einen Einfall in Sachsen erwartete man allgemein; diese Befürchtung spricht auch in den Briefen des Landgrafen von Thüringen, der sich ebenfalls bedroht fühlte. Der Eroberungsfeldzug des mongolischen Heeres hatte dem böhmischen König Wenzel klar werden lassen, dass in einer offenen Feldschlacht diese Reiterarmee kaum geschlagen werden konnte. Er musste die Reiter dort treffen, wo sie nicht „ reiten“ konnten; er war gezwungen, defensiv zu handeln.
Bei Strokosch ( 15 ) kommt noch eine nähere Erklärung: „König Wenzel hätte zwar mit seiner Streimacht sich mit ihnen schlagen können, aber er zog es vor, sich über die böhmisch – schlesische Grenze zurück zu ziehen und sich hier zur Deckung seines Landes aufzustellen, wo die Gebirge ihm seinen Rücken deckten, seine Stellung erleichterten und den Mongolen die Verwendung ihrer Reiterei im Schlachtfeld unmöglich machten. Jene indess merkten seinen Plan und zogen es vor, ihn nicht anzugreifen, sondern marschierten in einer anderen Richtung , nämlich gegen Mähren ab“.
Es Lassen sich in dieser Quelle noch weitere Fakten für die Befestigung des Sandsteingebietes finden:
„ Diese Befürchtungen ( Angriff auf Böhmen, d. Verf.) wussten die Mongolen zu benutzen, um sie zu verstärken, sandten sie ein Streifkorps ab, welches auch die Grenzgebiete der Meißner Diöcese also die östliche Lausitz in der Gegend von Zittau heimsuchte…“
Nochmals Strokosch:
„ Am 10. April befand sich der König Wenzel an der böhmisch – schlesischen Grenze in der Nähe von Liegnitz, am 7. Mai befindet er sich in Königstein an der Elbe, wo er eine Urkunde ausstellte.“
Er hat somit eine Bewegung nach Westen, gegen Meißen vorgenommen, was begreiflich ist, da er von Deutschland aus Hilfe erwartete.
Damit ist nun die Angabe der tschechischen Reimchronik in voller Übereinstimmung

In Böhmen sah man Bewegung (wandern) viele Menschen aus Deutschland mit denen der König sich durch Zittau gegen die Tartaren selbst begab ( ging). Als sie schon von dem Heer hörten ( gehört hatten) begannen diese Bösewichte ( die Tartaren) zu fliehen, denn die Vortrupps ( Späher oder Kundschafter) hatten ihnen das ( ihnen bevorstehende)


Missgeschick angekündigt, dass sie ( beide, Böhmen und Deutsche) keinen fürchten wollten. Auf den von Böhmen sollten sie keineswegs warten, auf keinen Fall den böhmischen erwarten. Davon ( von dieser Nachricht) wurden sie ganz mutlos. ( Übersetzung : K. Rösel, Riesa)
Noch weitere Literaturbelege weisen auf die gleiche Bedeutung der böhmisch- sächsischen Befestigungsanlagen hin, wie sie vorstehend angedeutet wurden.
Wolf (16) schreibt:
„ …. Während Wenzel, König von Böhmen, sich in seinen Burgen verhielt.“
Der gleiche Autor führt weiter aus:
„…. Sich nicht allein vom Hauptheere in Ungarn entfernt, sondern auch das durch seine Gebirgsumwallungen einer großen Festung gleichenden Böhmen, in welcher man, wie er wohl wissen konnte, gegen ihn rüstete, zwischen denselben und sich gebracht hätte, so dass er im Falle einer Niederlage abgeschnitten und völlig aufgerieben werden konnte.“
Noch präziser definiert Bachfeld ( 17 ):
„ In Böhmen scheint man bereits 1240 authentische Nachrichten über den furchtbaren Feind besessen zu haben . Angst und Sorge waren im Lande allgemein. Nach dem Frieden mit Österreich eilte König Wenzel heim und traf Maßregeln zur Verteidigung der Landesgrenze und zur Sammlung eines Heeres.“
„ Wie groß Angst und Sorge auch im Inneren Böhmens waren, beweist die Meldung , dass man überall an Verstärkung und Neuanlage von festen Plätzen ( Burgen, d. Verf.) dachte.“
Auf Seite 528 des gleichen Autors:
„ König Wenzel, von der Aufgabe, die Ostgrenze Mährens zu hüten befreit, konnte jetzt daran gehen, die entsetzlichen Wunden des Krieges zu heilen oder doch zu lindern. Zugleich galt es, die Wehrhaftigkeit des Reiches zu erhöhen, falls, wie man besorgte, die grimmen Feinde über kurz oder lang ihren Vorstoß gegen das mittlere Europa erneuern würden. Auch Papst und Kirche und die mächtigen Adelsgeschlechter des Landes vor allem aber das deutsche Bürgertum , standen dabei dem König tatkräftig zur Seite. Die Anlage ummauerter Plätze, nun mit doppeltem Eifer fortgesetzt, erschien auch schon hochwichtig im Interesse der Verteidigung des Landes.“
„ …Ausnahmslos hatten sie sich in Mähren behauptet. In den nachfolgenden Jahren erhob sich eine Reihe der festesten Burgen in Böhmen, vom König selbst erbaut oder zu Sitzen der Herren und Ritter bestimmt. Noch 1241 entstanden Rosenberg und Lämberg (Löwenburg), das feste Haus der Herren von Tetschen, bald darauf die Riesenburg bei Dux, die Schwanburg (nächst Mies), die Lichtenburg, Ronow, Sternberg in Mähren u.a..
Und immer neue wuchsen auch dann noch empor, als die Furcht vor den Tartaren längst geschwunden war und auch Köhig Bela von Ungarn sein niedergetretenes, menschenleeres Reich wieder in Besitz genommen hatte .“
 
Der König von Böhmen – Wenzel - hat zweifellos sehr kluge Ratgeber besessen!
 
Wären die Mongolen weiter nach Westen vorgedrungen, vorbei am Elbsandsteingebirge, hätte das böhmisch – deutsche Heer laufend ihren Rücken bedroht.
Außerdem hatten sie es mit beachtlichen, befestigten Städten und auch Streitkräften in Europa zu tun. Auch der Abzug Burundäis in Richtung Mähren – Ungarn brachte den böhmischen König wieder eine strategische Hinterhandstellung, konnte er doch mit seinem Heer immer im „inneren“ Kreis der Gebirgsdeckung bleiben. Wie richtig diese Überlegungen gewesen sind, zeigte der siegreiche Ausgang der Schlacht von Ölmuc ( Ölmütz) für König Wenzel.
Damit kommt dem König von Böhmen eigentlich auch das Verdienst zu, Mitteleuropa vor dem Zugriff der Mongolen bewahrt zu haben.
Die Theorie, dass es sich bei den Befestigungsanlagen des Sandsteingebirges um Wehrbauten gegen die Mongolen handeln könnte, wurde erstmals von E. Frind aufgestellt. Die Bezeichnung Frindsberg – Frundisberg zog er zur Ableitung seines Familiennamens in einer Niederschrift heran und sprach dabei schon von Tartarenwarten. Leider wurden von ihm keine weiteren Schritte unternommen (18 ). Die Umsetzung seiner Arbeitstheorie in das gesamte Gelände des Elbsandsteingebirges brachte beachtenswerte Ergebnisse.
Ausgangspunkt war zusätzlich ein „Concept“ von O. Pusch ( 19 ). In diesem schreibt der Verfasser:
„ Die guten Bierwände“ sind verstümmelt aus „ Gute Biwende“ = das Umgürtete:“ (Lexer: 20)
Gemeint ist das Gebiet, welches auf der Wanderkarte der Sächsischen Schweiz im Raum Schrammsteine, in NO – Richtung von den Schrammsteinen selbst, im Norden von der Torsteinkette und im SO von der Linie Rauschensstein – Kleine Bastei abgegrenzt wird ( s. Skizze Nr. 4).
Vielleicht reicht diese willkürliche Beschneidung im SO noch gar nicht aus.
Vom Zahnsgrund bis zu den „Drei Gruben“ reichen die Postelwitzer Steinbrüche – sollten die Steinbrucharbeiter nicht gern ein gutes Bier getrunken haben?
Wir hätten es ihnen gegönnt – leider war dem nicht so, da der kärgliche Lohn dafür nicht reichte. Das Wirtshaus „Zum guten Bier“ gab es damals noch nicht. Götzinger (1 ) beschreibt die Lage der Bierwände sehr genau. Verwirrend wird es erst, wenn man Schiffner (21 ) gegenüberstellt ( S. 210), der wörtlich anführt: „…. Goskenwände, welche die Breite Kluft vom Rauschengrunde trennen, zu ersterem gemächlich herabzusinken ….Höher ist der thurmförmige Mittagsstein ( Teufelsstein, d. Verf.) oder Butterweck (s.o.), der eben so isoliert vor den nun beginnenden guten Bier- oder wohl richtiger Gutbierwänden steht.“
Demnach ist nicht der nach der Elbe abfallende Steilabsturz (Postelwitzer Steinbrüche) sondern die Südseite der Schrammsteine gemeint!
Dort arbeiteten nie Steinbrecher!
Auf Seite 203 des gleichen Werkes lokalisiert er nochmals, diesmal von der Nordseite der Schrammsteine aus: „ So erreichen wir, schon am Fusse der Gutbierwände angelangt diejenige Stelle des nassen Grundes….“
Stellt man die Darstellung Schiffners nicht als Fehlbeschreibung hin, zu der kein Grund vorliegt, dann müsste ein Teil der Schrammsteinkette , zwischen Mittelwinkel und Schwarzen Loch, die Gutbierwände gewesen sein.
Götzinger und Schiffner sind in der Lokalisierung der Guten Bierwände von der Südseite aus gesehen einig. Warum sollte der sachlich beschreibende Schiffner bei der NO-Seite irren?
Im Elbsandsteingebirge gibt es außerdem keine „Steine“ oder Felsgruppen, die in verschiedenen Himmelsrichtungen unterschiedliche Namen tragen.
Übrigens sind auch auf der Oederschen Karte die „gutten Birwendt“ in der Schrammsteinhöhe eingezeichnet. Die Bezeichnung für die Guten Bierwände variieren nach den Jahrhunderten folgendermaßen:
- Oeder              - gutten birwendt
- Götzinger        - guten Bierwände
- Schiffner          - Gutbierwände
 
Oeder gibt die älteste Darstellung und bezeichnet die jetzigen Schrammsteine nicht, bei ihm ist das ganze Gebiet die „ gutten birwendt“ ( Vergl. Lemme S 81 ).
Mehr als 500 Jahre sind seit der Oederschen Landvermessung vergangen und 800 Jahre seit dem Mongoleneinfall. Sprachliche Verwandlungen sind durchaus im Bereich des Möglichen.
O. Pusch fußte wahrscheinlich bei seiner Deutung „ Gute Bierwände – Gute Biwende – Das Umgürtete auf eben einer sprachlichen Wandlung. Tartarenwarte?
Das Gebiet ist wirklich gut umgürtet. Im Westen die Gruppe der Torsteine, nördlich die Kette der Schrammsteine und südöstlich gesperrt durch den Rauschenstein. Die Südseide ist durch den Steilabfall zum elbufer gesichert, der vor dem Abruch des Sandsteines wohl ein ähnliches Aussehen hatte wie jetzt noch zwischen Aspenblos und Kleiner Bastei. Den Postelwitzer Brüchen werden sicherlich auch die Spuren der dortigen „Biwende“ zum Opfer gefallen sein.
Der Elbleitenweg durchquert in WO- Richtung das Gebiet. Vom Wenzelsweg, die Kette der Torsteine zur Linken lassend, biegt er um den Vorderen Torstein in die Biwende ein, um am Rauschenstein vorbei in den Heringsgrund zu münden. Nicht unerwähnt sei, dass fst an der östlichen Spitze des Elbleitenweges ein Roßsteig zum Wurzelweg hinunter führt. Vom Elbleitenweg kann man durch verschiedene Abstiege zum Elbufer gelangen:
-          durch den von den Schrammsteinaussichten über das „ Gute Bier“ gehenden Steig,
-          durch den langen Grund,
-          durch den beim Elbtalwächter herabführenden Steig,
-          durch die Breite Kluft über das Aspenblos,
-          durch die Kahntilke.
Alle diese „Verbindungsstege“ ließen sich gut „verhauen“ und ebenso leicht verteidigen.
 Unter „ verhauen“ verstand man ein Ungangbarmachen von Wegen , Schluchten usw.. Meist wurde dies durch Dornen- und Baumsperren erreicht, die zum Teil noch Erdfüllungen erhielten. Von Norden her einen Zugang in die Biwende zu erhalten, ist noch problematischer.
Für Reiter blieb nur der Wenzelweg oder vom Großen Zschand aus über den Winterberg der Roßsteig. Sonst gibt es nur noch Möglichkeiten den Aufstieg unter Benützung von Kletterpfaden, wenn man von der Nordseite kommt. Die Beschreibung des „ Umgürteten“ wäre unvollständig, würde das Plateau der Goske nicht mit erwähnt, welches sich vom Rauschenstein zum Kohlstein hin erstreckt und östlich durch den Wurzelweg begrenzt ist. Eine Quelle in diesem Terrain durfte nicht fehlen ­sie findet sich im Jagen 28 zwischen Vorderen Torstein und dem Abstieg zum Wirtshaus „ Gutes Bier“. Auf der Karte des Schrammsteingebietes von Schulz/Störzner ist unterhalb des Vorderen Torsteines die „ Gute Adler Wand“, östlich davon die „ Wein Tülke“ und anschließend parallel zum Mittel – bis Hinterwinkel die „Gute Bierwände“ aufgetragen. Bei Schiffner ( S. 211) heißen die „gute Adlerwand“ noch die „Gute Aderwand“ , nach einem darunter befindlichen Steinbruch.
Die Steinbrüche ziehen sich aber nach der selben Karte bis zu den „ Drei Gruben“!
Adler dürfte es erst recht nicht an dieser Stelle gegeben haben. Zitieren wir Lemme ( S. 81): „ Merkwürdigerweise galt die Bezeichnung ( Schrammsteine, d. Verf.)zunächst nur dem Mittelstück zwischen Vorder- und Mittelwinkel, also dem Gebiet der heutigen Schrammsteinaussichten, einschließlich des Müllersteines. Die Felszinnen zwischen den drei Schrammtoren nannte man früher „Schrammthorsteine“, die Sandsteinmauer zwischen Mittel- und Hinterwinkel im Norden, zwischen Jägersteig und Langen Grund im Süden die „Gutbierwände“. Oeder verzeichnet auf seiner Karte „ Die gutten Birwendt“, außerdem im Norden wie im Süden der Wände „ Der gutte birgrund“ und untern an der Elbe „ der gutte Birborn“. Offenbar sind all diese Namen Verstümmelungen alter, längst vergessener Begriffe.
 
Weiter schwer zu erklärende Flurnamen finden sich südöstlich des Vorderen Torsteines. Über den Felswänden der Postelwitzer Steinbrüche liegt die „Weintilke“ und weiter ölstlich über dem zum guten Bier hinabführenden Gründel das „ Weinhorn“.“
Karten wandeln ihr Gesicht – auch Namen!
Von „ gute biwende“ über „ gutte birwendt“ zu „ Guten Bierwänden“ sind es sprachlich nur zwei Winzigkeiten, die im Sprachlichen noch erleichtert werden, wenn folgende Geschlechter mit der Bedeutung der Biwende nichts mehr anzufangen wissen!
Doch nochmals zurück zur „Adler-„ oder besser „Aderwand“. Es gibt eine zweite Möglichkeit, diesen Namen außerhalb des Steinbruchbetriebes zu deuten – Ader bedeuteet nach Lexer die „Bogensehne“.
Kühn gefolgert würde dies bedeuten: Die gute Aderwand ist die Stelle, von wo aus man mittels des Bogens das Elbufer beherrschen konnte. Viel Wahrscheinlichkeit erhält diese Auslegung dadurch, dass die Aderwand unmittelbar unterhalb des Vordern Torsteines liegt.
Die logische Folgerung wäre, dass dem Vorderen Torstein die Flankensicherung der Biwende und die Sicherung des Elbleitenweges, des einen Zugangs zur Biwende, oblag. Der Elbleitenweg war, wenn man voraussetzt alle Torsteine wären mit Befestigungsanlagen versehen gewesen, leicht zu beherrschen, läuft er doch am Fuße der Torsteine entlang, ehe er in die Biwende mündet. Gelänge es, auch nur an einem der Torsteine Spuren von Befestigungen zu finden, wäre am Beweis der Biwende nichts mehr zu deuteln.
Damit könnten oder müssten in die Deutung der Biwende auch die anderen Wehranlagen der „Steine“ des Elbsandsteingebirges mit einbezogen werden!
Am Vorderen Torstein wurden Spuren einer Befestigung am 23.4.1972 durch J. Viehrig und den Verfasser gefunden. Es handelt sich um Quer- und Längsfalze in 1/3 und halber Höhe des Schuttkegels der Ostseite, sowie um Ausspitzungen für ein Gemach. Mit Sicherheit kann angenommen werden, dass unmittelbar hinter der Südostseite des Vorderen Torsteines eine Unterstellmöglichkeit bestanden hat.
Außerdem befinden sich noch Falze auf dem Massiv des Vorderen Torsteines in Richtung Elbleitenweg. Hinter dem „Wachhäuschen“, als das diese Ausspitzung wohl gelten kann, läuft der „Gehackte Weg“ zum Vorgipfel des Vorderen Torsteines. Hier zwingt wieder die Logik zum Folgeschritt. Der Gehackte Weg wurde zur Errichtung des Gipfelplateaus angelegt, keinesfalls aber in der Erschließerzeit des Klettersports. Es lassen sich noch stark verwitterte Schriftzeichen auf der äußersten Rippe des Vorderen Torsteines nach dem Elbleitenweg zu feststellen, die der Deutung harren.
Es kann somit angenommen werden, die „Biwende“ hat existiert!
Dass sich in der Spalte zwischen der südlichen Felsrippe und dem Massiv des Vorderen Torsteines Scherben finden ließen, ist nun nicht weiter verwunderlich.
Wenn die vorangegangenen Ausführungen sinnvoll sein sollen, muss ein „Postenstand“ oberhalb des Zahnsgrundes existiert haben, da weder vom Vorderen Torstein noch vom Falkenstein aus der Zahnsgrund und die Albaue direkt einzusehen ist. Der Kontrolle der Zugangswege, besser vielleicht der zum Felsmassiv führenden Schluchten, musste aber die größte Aufmerksamkeit gewidmet werden.
Der „Postenstand“ zur Beobachtung von Zschandau (Schandau) und Zahnsgrund ist noch heute an Auflagefalzen an der äupersten Kante, rechts von der Mündung der Obrige ( des Obrigensteiges) auf dem Plateau sichtbar.
Ein etwas zurückliegend an einem Felsblock angebrachter Falz diente wahrscheinlich zum Aufspannen einer Plane, um die Witterungsunbilden vom Posten abzuhalten.
Die Sichtverbindung von dieser Stelle aus zum Vorderen Torstein ist gewährleistet, damit ist das Benachrichtigungssystem von der Westseite aus gesichert. Im Komplex der Befestigungsanlagen würde somit der Falkenstein die Nordwestseite bewehrt, den Elbleitenweg – die Biwende – vom Süden aus gesichert haben.
Der weitere Verlauf der „Biwende“ – Großer Torstein- Mittelwinkel – bedurfte keiner speziellen Wehrbauten. Das Felsmassiv ist von Westen und Norden dermaßen unzugänglich, dass besondere Verhaus nicht notwendig waren.
Ist vielleicht der bei Schulz/Störner verzeichnete Frühstücksplatz eine alte Ausruhstelle eines früheren Kontrollverlaufs?
Der Müllerstein wird in dieses Kontrollsystem sicher mit einbezogen gewesen sein.Setzt man nun die als gesichert geltende Biwende und die Befestigung der umliegenden Felsgruppen voraus, müssten alle Zugangswege zu den Gipfeln gangbar gemacht worden sein, bzw. die Erklimmung der Höhe musste vom Talkessel der Biwende aus erfolgen, also gedeckt vor einem etwaigen Feind. Der Vordere Torstein weist außer dem Gehackten Weg noch den „Nordweg“ mit alten künstlichen Stufen auf.
Stufen konnten auch zwischen Vorderen Torstein und Meurerturm lokalisiert werden.
Am Hohen Torstein hat der Alte Ostweg ebenfalls in der Biwende seinen Anfang. Vielleicht haben die Torsteine alle Wachstationen besessen, aber der Humus hat viel zugedeckt.
 
Aus allem Dargelegten ist zu folgern, dass man das ganze Gebiet des Massivs, von den Schrammsteinen bis zum Winterberg und darüber hinaus, als Gesamtheit betrachten muss.
Außer alten Namensgebungen wie „Speichenhörner, Zurückesteig, Reitsteig, Rosssteig, Zschand“ usw. gibt es noch eine Reihe von Anhaltspunkten, die für die Bewachung der Massivkette sprechen.
Dies sei am Beispiel des Wintersteines ( Hinteres Raubschloss) erläutert. Im Süden des Wintersteins liegen überhöht die Bärfangwände, zu deren Massiv der Winterstein einst gehörte. Die noch jetzt sichtbaren Spuren der einstige Anlage lassen auf eine größere Burg schließen. Dabei sei es dahingestellt, ob diese Anlage in der Nachnutzung erweitert worden ist.
Allerdings ist sie von Süden her, eben von den Bärfangwänden leicht zu verwunden, beträgt doch die Luftlinie zwischen beiden nur ca. 130 m. Dadurch, dass der Winterstein außerdem noch tiefer liegt, die Zufahrt zum Mittelplateau von Süden her erfolgte, Holzbauweise (nach den Falzen zu urteilen) vorherrschte, ist die Burg gegen Brandpfeile von den Bärfangwänden her kaum zu verteidigen, wenn nicht die Bärfangwände im gleichem Verteidigungssystem lagen. Erfolgte deshalb der Verkauf an den Sechs – Städte – Bund? In noch größerem Maße gilt dies für die Wartburg, die als Warte den Zwischenraum zu den Bärfangwänden verriegeln half.
Spuren auf den Bärfangwänden sind kaum zu finden. Nur der „Gehackte Weg“ vom Roßsteig in Richtung Winterstein auf dem Massiv verlaufend und zurückführend auf den Roßsteig bildet eine Ausnahme. Gehackt ist er wirklich, Schartendurchbruch, Abspitzungen, Steinsetzungen kennzeichnen seinen Verlauf. Dabei hat er forstwirtschaftlich kaum Bedeutung. Bekanntlich wurde im Sandstein „ gebloßt.“ An seiner nördlichsten Stelle kennzeichnen Steinsetzungen an der Wand eines durch drei Sandsteinseiten gebildeten Kessels seine größte Annäherung an den Winterstein. Wäre es ein forstwirtschaftlich genutzter Weg, hätte man sich die Setzungen an der Südseite des Kessels spraren und durch die Mitte direkt den Rückweg antreten können.
Benötigte man den Kessel? Warum, wenn man nicht diesen als Lagerplatz brauchte? Für die Holzabfuhr bestimmt nicht!
Viele Mosaiksteinchen lassen sich noch hinzufügen, wenn man das Massiv des Sandsteines in das Wehrsystem der Burgen einbezieht. Ein Senkrechtfalz, der sich in einer Scharte westlich des Friensteins befindet, muss als Stützverankerung für einen Überweg oder Palisade betrachtet werden. Ein Postengang in halber Höhe der dortigen Wände?
Hatte der Wall am Roßsteig (s. (3) ) eine Schutzfunktion? Ohne Zweck wurde er kaum angelegt.
Warum Senkrechtfalze in einer Spalte des Kessels der Weberschlüchte, wenn diese nicht „sperren“ sollten? Wieso die mächtigen Steinsetzungen an der Hickelhöhle, am Reitsteig des Thorwaldes, wenn man nicht selbst den Reitsteig für Reit- oder Zugtiere erschließen wollte?(keine forstwirtschaftliche Bedeutung!)
Die Falze an den Blöcken vom Abgang des Roßsteiges in Richtung Herinstein lassen überhaupt keine andere Deutung zu, als dass der Aufstieg gesperrt werden sollte !
Diese Beispiele mögen genügen, um O. Pusch’s Deutung der Worte „ Hering = Hagring = befestigt“ ins Gedächtnis zu rufen.
Siehe „Heringsgrund, Heringsstein“.
Aus dem Dargelegten kann gefolgert werden, dass die historische Erforschung des Elbsandsteingebietes noch keinesfalls als abgeschlossen gelten kann.
Mögen diese Zeilen dazu dienen, dem interessierten Leser Anregung zu eigenen Überlegungen zu geben.
 
Quellenangaben:
 
1.   W.L. Götzinger: „Schandau und seine Umgebung oder Beschreibung der Sächsischen Schweiz“, Begersche Buch- u. Kunsthandlung, Dresden 1812, S. 195 u.a.
2.    
2. A. Meiche: Jahrbuch IV des Gebirgsvereins für die Sächsische Schweiz, Verlag W.   Baensch, Dresden 1907
 
3. Werte der deutschen Heimat Bd. 2, „Zwischen Sebnitz, Hinterhermsdorf und den Zschirnsteinen“, Akademieverlag 1959
 
4. E. Walther : „Die Wall- und Wehranlagen der Sächsischen Schweiz“, Buchdruckerei kW. Volkmann, Dresden 1930
 
5. Dr. A. Moschkau: „ Die alte Leipaer Straße“, Rumburger Zeitung 1882
 
6. Über Berg und Tal, Zeitschrift des Gebirgsvereins f. d. Sächsische Schweiz
 
7. H. Lemme: „ Die ältesten Wege in der hinteren Sächsischen Schweiz“, Jahrbuch für Touristik, 1954 S.67
 
8. J. Lange: “Heimatgeschichtliche Dorfstudien aus der Sächsischen Schweiz in Wort und Bild“, Verlag C.E. Böhme, Sebnitz 1929, S. 16
 
9. H. Beschorner: “Die Sächs. Schweiz und der Kampf um sie zwischen den Wettinern und den Berken von der Duba im 15. Jahrhundert“, 1933, Verlag C.H. Heinrich , Dresden, S. 3
 
10. Matthias Oeder: Urrisse f. d. Landesvermessung des Kurstaates Sachsen, 1592/93
 
11.  Dr. H.W. Mechelk: „Symbola Praehistoricae“, Festschrift zum 60. Geburtstag von F. Schlette ;  Akademie Verlag Berlin, 1975, „ Zur Problematik des Keramikhandels am Beispiel der mittelalterlichen, rot bemalten Irdenware vom Typ Levin aus sächsischen Fundstellen“ (13. – 14. Jahrhundert) S. 271 ff.
 
12. Weltgeschichte Bd. 3: S. 687, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1963
 
13. A. Meiche: Der Bergsteiger, Heft 3, „ Deutsche Geschichte im Spiegel der Sächsischen Schweiz“, Verlag E. Beutelspacher& Co., Dresden 1924 S. 22
 
14. M.d. Ferdinandy: „ Der Einbruch der Steppenmenschen“, Rowohlt Hamburg, 1958 S.   142
 
15. Strokosch: „ Der Einfall der Mongolen in Mitteleuropa in den Jahren 1241- 1242“, Innsbruck 1893
 
16. Wolf: „ Geschichte der Mongolen oder Tartaren“, 1872
 
17. G.Bachfeld: „ Die Mongolen in Plen, Schlesien Böhmen und Mähren“, Innsbruck 1889
 
18. E. Frind: Manuskript im Besitz des Verfassers
 
19.        O. Pusch: . „ Ein Burgstadel in den Schrammsteinen“ vom 1.12.66 , Konzept
 
20.        Lexer: Handbuch des Mittelhochdeutschen
 
21.        A. Schiffner : “Beschreibung der gesamten sächsisch-böhmischen Schweiz in ihrer    neuesten Gestalt“, F.W. Goedsche, Meißen