Arnstein

 

Felsenburg Arnstein

  Bemerkungen zum Ottendorfer Raubschloss „Arnstein“ 

 

Von Dr.-Ing. Jochen Viehrig

Sebnitz

 

Entstehungsgeschichte

 Im Gebiet der hinteren sächsischen Schweiz gibt es 3 ehemalige Felsenburgen, die umfangreiche Holzbauwerke trugen und bewohnt waren. Der Winterstein, der Wildenstein und der Arnstein. Zu ihnen gehörten noch eine Reihe von Warten (Falkenstein, Frienstein, Lorenzstein, Rauschenstein). Sie liegen innerhalb eines relativ engen Bereiches zwischen Hoher Liebe, Affensteinen, Winterberg, Heulenberg und Ottendorf .

 

Um sie  erhebt sich eine Vielzahl von Fragen, die leider bis heute meist nicht geklärt sind. Einen Hinweis auf die Geschichte gibt A. Palme in"Warnsdorf mit seinen historischen Denkwürdigkeiten", 1852

 

Herzog Jaromir schenkte seinen Jägermeister Berkowecz aus Dankbarkeit für die Rettung aus den Händen von Verschwörern 1004 das Gebiet von der schlesischen Grenze bis zur Elbe (s. Artikel Berken von der Duba und Königswald). Aus diesem Geschlecht gingen die Berken von der Duba hervor. Inwieweit sie sich in welchem Zeitrahmen um ihre Besitzung gekümmert haben, ist bis ins 14. Jahrhundert urkundlich nicht nachgewiesen. 

Eine genaue Entstehungszeit  der Felsburgen konnte bisher nicht festgelegt werden, dass heißt  es steht nicht eindeutig fest, ob die ersten Erbauer auch die späteren Besitzer waren, sowie die erste urkundliche Erwähnung nicht gleich dem Errichtungszeitraum entsprechen muss.

E.Wolec 1848 :" Grundzüge der böhmischen Alterthumskunde" gibt einen Zeitrahmen, der für die Anlage von Burgen in Frage kommt.

Das Gebiet der Sächsischen Schweiz war bis Pirna und darüber hinaus König- bzw. Kaiserland. Unter Kaiser Karl und Heinrich I. erhielten viele deutsche Ritter nach dem Heereszug gegen die Sorbenwenden deren Besitzungen. Unter den Berken von der Duba entwickelte sich das Lehnwesen und die Besiedlung. Auch Kaiser Heinrich II. förderte die Besiedlung. Wenden lernten Deutsch und siedelten mit den Deutschen z. B. in Kreibitz, Kamnitz und Oderwitz. (Palme 1852: Warnsdorf mt seinen historischen Denkwürdigkeiten) 

 In der Grenzurkunde von 1241 wird nicht ein Ort in unserem Gebiet  erwähnt, so dass angenommen werden kann, das die Besiedlung erst nach 1250 erfolgt. O. E. Schmidt (Kursächs. Streifzüge, Dresden 1928) glaubt , dass die Erschließung des Grenzwalds um die Herrschaft Wildenstein zwischen 1350 und 1430 als „Restsiedlung“ anzusetzen ist.


Im Gegensatz zu den Burgen und Schlössern in den Dörfern, denen immer  eindeutige  Aufgaben und Besitzer zugeordnet werden können, sind damit die Felsburgen offensichtlich vor oder mit den Ortsgründungen in der Umgebung entstanden. Die ersten urkundlichen  Erwähnungen der Orte liegen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts:

- Lichtenhain 1411

- Bad Schandau 1437

- Hinterhermsdorf 1445

- Ottendorf 1446

- Ostrau 1446

Alle 3 Burgen liegen nicht auf  den Berg- bzw. Geländekämmen, der Winterstein sogar deutlich unter den Bärfangwänden. Sie sind relativ weit von den nächsten Ortschaften entfernt (Schmilka, Bad Schandau, Hinterhermsdorf und Ottendorf) und diese Orte sind von den Burgen nicht einsehbar.  Die Entstehungszeit ist nach Bodenfunden offensichtlich das 13. und 14. Jahrhundert (Winterstein erstmals 1379 erwähnt).

 

Eine erste urkundliche Erwähnung findet die Burg Arnstein am 4. August 1436, als die Höhenburg von den besitzenden Berken von der Dubá an Siegmund von Wartenberg (†1438) aus Tetschen, einen böhmischen Adligen, verpfändet war.

Da der damals kriegerische Siegmund von Wartenberg auf seinen Raubzügen auch sächsischen und bischöflich-meißnerischen Gebiete und die Handelswege der Lausitzer Sechsstädte (Lausitzer Sechsstädtebund) bedrohten, wurde die Burg 1436 vom Kurfürstentum Sachsen und dem Lausitzer Sechsstädtebund belagert. Der Ritter gab auf, unterzeichnete einen Waffenstillstand und am 19. Oktober 1436 folgte ein Friedensvertrag vor Kaiser Sigismund in  Prag.

Ein halbes Jahr später im Jahre 1437 überfiel ein Spießgeselle des Ritters, der Tetschener Bürger Rauchfuß, genannt Bauernfeind, sechs Dörfer darunter Krippen, Schöna und Reinhardtsdorf. Dabei verloren die Bauern der Dörfer ihren gesamten Viehbestand (360 Rinder, 120 Pferde und 200 Schafe) und die Dorfbewohner wurden auf den Arnstein verschleppt und dort gefangen gehalten.

Daraufhin verbünden sich am 17. August 1437 die sächsischen Fürsten mit Heinrich von der Dubá von Wildenstein, die Burg wurde erneut gelagert und brannte dabei ab. Siegmund von Wartenberg gab auf und wurde am 17. April 1438 in den Friedensvertrag zu Altenburg gezwungen. Um weitere Auseinandersetzungen zu verhindern musste Siegmund von Wartenberg die Burg Arnstein an den Kurfürsten Sachsen für 500 Groschen verkaufen. Die Burg wurde danach den Berken von der Dubá auf Wildenstein überlassen, die diese aber nur notdürftig wieder hergestellten.(Wikipedia) 

 

Die Gegend war noch sehr gering besiedelt. Selbst die Einwohnerzahlen von Mitte des 16. Jahrhunderts nach dem Amtserbbuch (1547/51), als diese erstmals systematisch erfasst wurden, geben für die Ernährung und  Frondienste nicht viel her.

> Postelwitz  9 „Bessesene“

> Lichtenhain  92

> Ottenddorf 36

> Ostrau 25

> Hinterhermsdorf 49

   Dabei ist die Zahl der „Besessenen“- also die Abgabepflichtigen - noch deutlich geringer.

  Ein typisches Beispiel für die Abgabeleistung wird bei  Beschorner ( Die sächsische Schweiz und der Kampf um sie zwischen Wettinern und den Berken von der Duba,1933 ) für die Abgaben an die Herrschaft Wildenstein geschildert, zu der 20 Städte und Dörfer gehörten, danach mussten 233 besessene Mannen( Hofbesitzer) Abgaben leisten:

       Der Arnstein, Sebnitz, Hertigwalde, Neustadt(halb), Ottendorf, Saupsdorf, Lichtenhain , Mittelndorf, Rathmannsdorf, Ostrau, Postelwitz, Waitzdorf, Goßdorf, Lohsdorf (halb), Langburkersdorf, Rugiswalde , Polenz und -    im Tschechischen  gelegen – Einsiedel, Schloß Schauenstein mit Hohenleipa, Stimmersdorf, Jonsdorf und Neudorf.

 Die Abgaben betrugen 1446 :

38 Schock 27 Groschen an Geld (2307 Groschen =6,3 pro Tag =9,9 pro Person)

274 ½ Scheffel und 1 2/3 Viertel und ½ Achtel Korn (ca. 28543 l = 20550 kg = 56 proTag =88,2 pro Person)

307 ½  Scheffel und 2/3 Viertel Hafer ( ca. 14371 kg =39,4 pro Tag = 61,7 pro Person)

4 Schock und 4 Stück Hühner außerdem zu Pfingsten 7 Hühner (251 Stück =0,69 pro Tag)

26 Schock und 25 Stück Eier (1585 Stück Ü 4,3 pro Tag )

54 Käse ( zu je einem halben Heller)

22 Kloben und 7 ½ Reiste Flachs (Kloben gleich Bündel ; 1 Bündel =20 Reisten (je 2 Handvoll))

1 Scheffel Mohn (ca. 103 l)

 Wenn alle Nahrungsmittel auf der Burg verbraucht wurden, konnte eine doch  beachtliche Mannschaft und auch Pferde versorgt werden. Selbst unter der Kursächsischen Verwaltung sollen sich 1455 noch 10 -12 Mann auf der Burg befunden haben, in Spitzenzeiten waren es bis zu 150 Mann.

 Bleibt die interessante Frage: warum wurden diese Felsenburgen in einem Teil des Kirnitzschtalkessels  errichtet?

Nach der Meinung der Forscher des 19. /20. Jahrhunderts (Walter, Meiche) dienten die Felsenburgen zum Geleitschutz von Warenzügen von Postelwitz über Nixdorf zu den böhmischen Burgen und Dörfern .

Diese Theorie scheint mit der Dichte der Burgen und Warten nicht überein zu stimmen. Deshalb haben andere Autoren neue Ansätze gewählt: 


E. Frind begründet in seinen Buch  (Frühgeschichte einer Familie und nach ihr benannte Burgstätten im Elbsandsteingebirge, 1950) aus der Familiengeschichte heraus, dass ein Ritter Arnulf vom Bischof von Worms auf das Hilfegesuch von König Wenzel I (1230-1253)  mit seinen Mannen zum König geschickt wurde. Arnulf wurde mit der Befestigung  des Landes zwischen Kreibitz und Pillnitz beauftragt. Der König nannte in Frind = Freund.  Daher die Namen der 3 Frindsberge  bei Pillnitz(Borsberg), Frindsberg bei Hohnstein, Frienstein (Lautverschiebungen) und das Schlössel bei Kreibitz, die auf einer geraden Linie von 42 km liegen. 


Pilz ( „Biwende“  Vortrag vor dem Arbeitskreis Sächsische Schweiz 1974 ) vermutet, dass die Felsenburgen in Zusammenhang mit dem drohenden Einfall der Mongolen als Schutzwall errichtet wurden. Betrachtet man die Burgen vom Riesengebirge bis hin nach Stolpen (böhmisches Gebiet) , so erscheint diese Theorie nicht ganz abwegig. Insbesondere sollte auch die Elbe als Hauptverbindungslinie und Transportweg geschützt werden. Das Felsengebiet eignet sich besonders, da Reiter in den engen Schluchten großen Gefahren ausgesetzt wären. Sollte der Felsenkessel – auch „Biwende“ genannt als Heerlager gedient haben? Frind und Pusch waren dieser Theorie nicht abgeneigt.

 

(Neue Sächsische Kirchengalerie: Albert Klemm „Die Geschichte der Berggemeinde der Festung Königstein“ Leipzig 1905
Interessant in diesem Zusammenhang ist Klemms Darstellung des „Markwaldes“. Im Zusammenhang mit der Machtverteilung zwischen Meißen und Böhmen und damit auch zwischen Deutschen und Slaven spielen die Landschaftsverhältnisse eine große Rolle. Der dichte Markwald stellte ein natürliches Hinderniss für große Militäroperationen dar. Die Besiedlung und damit die Zergliederung fand erst ab 12. Jahrhundert flächendeckend statt. Die Deutschritter holten deutsche Siedler im 12. Jahrhundert in das Gebiet um Königstein.

  
Schließlich hat Böhmen es nur dem Tod von Großkhan Ugedai Khan am 11. Dezember 1241  zu verdanken, dass die Mongolen nach Ungarn abgezogen sind, nachdem  sich auf der Wahlstatt (polnisch: Legnickie Pole, d. h. Liegnitzer Feld), einer Anhöhe zwischen der Katzbach und der Weidelache südöstlich von Liegnitz,  der schlesische Herzog Heinrich II. der Fromme dem Reiterheer der Goldenen Horde mit einer aus polnischen und deutschen Rittern, Templern und vielleicht auch Deutschordensrittern bestehenden Armee entgegen stellte. Dies diente zur Absicherung des Angriffes der Mongolen auf Ungarn (Schlacht bei Muhi) durch Batu Khan der über Krakau und Breslau weiter nach Nordwesten gezogen war. Der Herzog erwartete überdies noch Unterstützung von König Wenzel I. von Böhmen, der zu ihm stoßen wollte. Am Tag der Schlacht war dieser allerdings noch einen Tagesritt entfernt; lediglich eine böhmische Vorhut war eingetroffen. Wo die Truppen von Wenzel vorher lagerten ist nicht genau bekannt.(Wikipedia)

Das Heer Heinrichs wurde von den Mongolen vernichtet, und der Herzog fiel in der Schlacht.

Trotz ihres Sieges auch über die Ungarn drangen die Mongolen nicht weiter nach Westen vor, weil  die Erbfolge unklar war und die Khans ins Mutterland zurück gingen.

Ein weiterer Ansatzpunkt wäre der 2. Kreuzzug in den Jahren 1147 – 1149 , welcher unter Heinrich den Löwen stattfindet. (Wendenkreuzzug). Sächsische Fürsten führten mit Unterstützung christianisierter Slawen einen Kreuzzug gegen die Obotriten und die Liutizen. Dabei wurde die entgültige Christianisierung der Elb- und Ostseeslawen  erreicht. An diesem Kreuzzug waren auch böhmische Ritter beteiligt, so ein Ritter von Wartenberg.  Unter den Rittern war auch  ein Graf Günther von Arnstein aus dem Harz, der später mit der Herrschaft Ruppin belehnt wurde. Die Kreuzzüge fanden zwischen 1096 und 1270 statt (1 - 7 Kreuzzug). In der Zeit von 1135 war Peter Berka von der Duba Templer, ab 1153 Vizemeister der böhmisch-mährischen Templer und Großprior für Deutschland.

Pusch () vermutet, dass sich die Sachsen vor den Hussiten schützen wollten und ihr Heerlager im Felsenkessel  einrichteten. Die Hussiten drangen in den Jahren 1420 - 1430 letztlich bis Stolpen vor.

Interessant sind 1. der Kreuzzug Konrad von Meissen 1412 , wo er bei Brüx gegen die Hussiten siegte, 2. die Beteiligung Meissner und sächsischer Ritter bei der Schlacht auf dem Vitkov bei Prag, die in einer Niederlage endete und schließlich 3. die Schlacht bei  Aussig 1426. An dieser  sollen  nicht weniger als 70000 Angreifer gegen 25000 Hussiten gekämpft haben.

Gerlach (persönliche Mitteilung an E. Pilz 1965) ) vermutet zumindest für den Arnstein eine „Außenstelle“ der Bischofsburg Stolpen, die 1059  gebaut  und 1218 vom Meißner Bischof Bruno den II gekauft wurde. Dies würde die vielen religiösen Zeichen am Arnstein erklären (s. Teil Felszeichen) und ist für die Zeit bis zur Errichtung fester Gotteshäuser durchaus sinnvoll. Auch der Name macht Sinn, wenn man wie Gerlach vermutet eine Beziehung zu den Arnsteinen bei Bamberg und Würzburg und den Arnsdörfern bei Stolpen und Arnsdorf bei Tetschen  als Informationsstationen der nach Macht strebenden  katholischen Kirche ausgeht. Vergessen wir nicht, dass zu dieser Zeit die Kirche auch großer Grundbesitzer war. 

Die Zuständigkeitsverhältnisse der Kirche im 13. bis 15. Jahrhundert waren nicht identisch mit den weltlichen Besitzverhältnissen. Mit der Zunahme der Besiedlung änderten sich auch die Dichte der Kirchen und die Strukturen der katholischen Kirche.
Die Bischöfe von Meissen und Prag sowie später Leitmeritz bestimmten das kirchliche Leben in Südsachsen und Nordböhmen. Die linkselbischen Orte Pirna, Gottleuba und andere Orte, die zum Dekanat Aussig gehörten – wie Königstein, Reinhardsdorf, Hermsdorf, Markersbach, Ölsen und Rosenthal  bis 1459 zum Bistum Prag. Ein Berka von der Duba war von 1326 - 1333 Bischof von Olmütz, lebte aber in Prag.
Das rechtselbische Gebiet gehörte zum Bistum Meissen. Um die Bewohner geistlich besser betreuen zu können, wurden im Bistum Meißen unter Bischof Bruno II Archidiakonate, Kirchenämter, eingerichtet, an deren Spitze der Archidiakon, ein höherer Geistlicher, stand. Das Land Bautzen bildete seit 1215  ein eigenes Archidiakonat, das die ganze Oberlausitz einschließlich der Gegend um Stolpen, Hohnstein und das böhmischen Schluckenau umfaßte. Das Land Zittau gehörte damals jedoch noch zum Bistum Prag und damit kirchenpolitisch zu Böhmen. Für uns interessant ist das Gebiet zwischen Hohnstein und Schlukenau. Dazu in der Kirchengeschichte Böhmens von Anton Frind , 1864 Prag:
Aus Nr. 5 :Seelsorgspfründen des Meissner Bisthums, nach dem MS. Matricula jurisdictionis Episcopatus Misnensis 1346 (Budisiner Domarchiv)
8. Sedes Hoenstein et Sabenitz.
Hoenstein
Sebenitz
Schlockenaw
Lichtenaw vere Lichtenhain
Nikelsdorf
Nawstadt
Lobedaw
Schonaw
Olbersdorf
Schendo
Altaria in Schluckau: altaristae 3 cantates horas B.V.M.quilibet unam ½ Marcam
 
Schiffner (Beschreibung der gesamten sächsisch-böhmischen Schweiz in ihrer neuesten Gestalt.; Albert Schiffner; Meissen bei Friedrich W. Goedsche) gibt an, dass die Herrschaft Hohnstein der Berken von der Duba vom Bischof aus Breslau unter Widerspruch des Bischofs von Meissen kirchlich geführt wurde. Die Berken von der Duba waren später Hussiten. Ein Andreas von der Duba heiratete sogar die Tochter des Hussitengenerals Ziska.
Welche Rolle der Arnstein in der Kirchengeschichte der katholischen Kirche oder bei den Hussiten spielte, konnte bisher nicht gefunden werden, so dass man weiterhin nur Vermutungen anstellen kann.
 
A.Schiffner ( Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen; 1840, S. 500) bezeichnet den Arnstein als Fluchtstätte für die umliegenden Orte im 30 jährigen Krieg. In dieser Zeit wurde dort auch gepredigt. Kommen daher die vielen christlichen Zeichen?

Aber vielleicht waren die Burgen einfach auch nur Grenzburgen der rivalisierenden böhmischen Adelsgeschlechter. So könnte der Wildenstein Grenzbefestigung der Herrschaft Hohnstein (Berken von der Duba) nach 1353 , der Winterstein der Herrschaft Graupen nach 1379 ( Thimo von Colditz) und der  Arnstein Grenzbefestigung der Herrschaft Tetschen (Sigmund von Wartenberg) gewesen sein. Die Zeittafel und Regionalaufteilung zeigen, dass das drei Burgengebiet Schauplatz viele Kämpfe und Übernahmen war. Diese begründen Billig und Müller (Burgen Zeugen sächsischer Geschichte, 1998 Verlag Degener S. 50/51) mit dem erhöhten Schutzbedürfnis der Besitzungen der böhmischen Adelsgeschlechter Birken von der Duba, Michelsberger und Wartenberger im 15. Jahrhundert. 

Die Streitigkeiten der drei mächtigen böhmischen Adelsgeschlechter Wartenberger, Michelsberger und Berken von der Duba schildert Beschorner in :Geschichtliche Wanderfahrten Nr.30; “ Die Sächsische Schweiz und der Kampf um sie zwischen Wettinern und den Berka von der Duba im 15. Jahrhundert“, 1933) .

Die Zeittafel ( s, Zeitleiste Burgen) veranschaulicht dies deutlich.


 1089

Burg Stolpen als Bischofsburg errichtet

1123

Konrad von Wettin wird mit Mark Meißen belehnt

1241

Schlacht bei Liegnitz ( Wahlstatt)

1241

Grenzfestlegungen auf dem Königstein

1250

Burg Tetschen entsteht

1269

Zoll wird in Pirna erhoben

1269

Heinrich der Erlauchte auf Burg Wehlen

1281

Wartenberg mit Burg Rollberg erstmals erwähnt

1283

Johann von Michelsberg erhält Tetschen

1289

erste Erwähnung von Burg Rathen

1289

Ramouldus de Nimans als kgl. Böhmischer Burggraf auf Königstein und Rathen genannt

1305

Johann von Wartenberg erhält Tetschen

1333

Erste Erwähnung von Hohnstein

1346

6-Städtebund gegründet

1353

Hinco von Duba erhält Hohnstein mit Zugehörigem

1361

Hinko von der Duba auf Hohnstein

1379

König Wenzel IV. verpfändet Winterstein an Thimo von Colditz ( Graupen)

1397

Burkhard Stmad auf Winterstein danach Johann von Wartenberg

1404

Winterberg an Markgraf Wilhelm von Meißen

1406

Pirna und Wehlen durch Wilhelm I. von Meißen erworben

1406

Johann III. von Michelsberg verkauft Herrschaft Scharfenstein an Hinko von der Duba

1406

Berken von der Duba kaufen Rathen

1408

Ende der 4jährigen Herrschaft des Meißner Beamten v. Techerwitz auf Winterstein

1408

Königstein durch Wilhelm I. von Meißen erobert

1409

Errichtung Burg Wildenstein

1409

Berken von der Duba kaufen Bensen und Böhmisch Kammnitz von Michelsberg

1410

Hinko II von Duba verteilt an 5 Söhne Burgen: Hinko Hohnstein, Heinrich Wildenstein, Benisch Rathen Johann Tollenstein, Hinko d. Ä. Scharfenstein/Bensen

1428

Burg Rathen an Friedrich von Oelsnitz ( Vogt von Königstein)

1428

Siegmund v. Wartenberg kauft Scharfenberg

1435

Verbindung Wartenberg mit Herzog Friedrich gegen Wildensteiner

1436

Bund der Wildensteiner mit Herzog Friedrich gegen Siegmund v. Wartenberg; die Hauptmacht zog gegen Tetschen

1437

Krippen, Reinhardsdorf, Schöna, Kunnersdorf, Papsdorf, Pfaffendorf werden durch Wartenberg und Gesellen niedergebrannt

1437

Bündnis sächsischer Fürsten mit Birken von der Duba auf Wildenstein gegen Wartenberg

1438

Siegmund v. Wartenberg wird gefangen genommen und zu Tode gehungert

1441

Bündnis des Lausitzer6-Städtebundes mit Friedrich den Sanftmüdigen gegen Wartenberg

1441

Recke vom Winterstein auf Winterstein

1441

Johann von Wartenberg wird wieder Besitzer von Winterstein

1441

Arnstein im Besitz der Birken von der Duba

1442

6Städtebund läßt nach Kauf die Burg Winterstein abreißen

1443

Hohnstein fällt an Sachsen

1451

Wildenstein geht an Sachsen und wird an Hohnstein angegliedert

1456

Wildenstein vermutlich abgebrannt; seit Übernahme Besatzung bis zu 150 Mann

1459

Grenze zwischen Böhmen und Sachsen durch Vertrag von Eger festgelegt

1492

von Wartenberg verliert Gebiet um großen Winterberg an Sachsen



  Zu bedenken ist auch, dass es zwischen den Wartenbergern und den Berken von der Duba verwandtschaftliche Beziehungen gab. Auch am Hof des böhmischen Königs spielten diese Adelfamilien eine nicht geringe Rolle und hatten wichtige Ämter inne.

Neben den rein machtpolitischen Fragen waren mit Sicherheit  wirtschaftliche Fragen im Zusammenhang mit der Besiedlung und dem Wachstum der Städte und der Bevölkerung  wichtige Gründe, sich mit dem rechtselbigen Grenzgebiet zu beschäftigen.

 Aus jetziger Sicht sind mögliche Gründe für die Burgen sinnvoll:

 >    Das Besitzstreben von Böhmen auf der einen Seite und der Mark Meißen auf der anderen,

> das Holz als wichtigster Rohstoff für Bauten bei Besiedlung und in den aufstrebenden Städten ( der freie Zugang zum Holz musste überwacht werden- wie aktuell!)

  >  weitere wichtige Güter in Zusammenhang mit dem Wald: Pech  (s. Pechöfen in der    Sächsischen Schweiz),

  > Holzkohle für die aufstrebende Eisenindustrie z. B. in  Berggießhübel und Pirna und  für die Schmiede in den Orten, (Holz als Baustoff wurde erst mit der Flösserei im 16. Jahrhundert als Handelsware bedeutsam)

> vermutete Goldlagerstätten (Winterberg, Goldstein, Valenzeichen an den Silberwänden)

Diese Naturreichtümer wollte man vielleicht nicht ohne Kampf an die Wettiner verlieren. Am Beispiel des Wildensteines (Kuhstall) ist dies gut nachzuvollziehen.

 Im Detail soll hier nur auf den Arnstein eingegangen werden, weil die Aufarbeitung aller Fakten hier bisher am wenigsten erfolgt ist.

Der Arnstein hat eine wechselhafte Geschichte.

 Woher kommt Name? 

Gleichnamige Burgen gab/gibt es auch in anderen Gegenden

  -     Kloster Arnstein bei Nassau ,1052 Sitz des Grafen von Arnstein;1139 in Kloster   gewandelt

-          Arnstein im fränkischen Werntal

-          bei Hakerode im Harz (1156 erwähnt, von Walter von Arnstedt gebaut)

-          Kloster Arnstein bei Limburg (1208) früher Burg später Kloster

-          Arnstein bei Witzenhausen Hessen

-          Stadt Armstein in BW 12. Jh.

-          Arnstein bei Eichenberg Hessen (14.Jh.)

-          Arnstein bei  Reisenmarkt BW usw.

        

Ob der Name von Arnold oder vom mittelhochdeutschem Arn = Adler  ( also Adlerstein ) abgeleitet ist , kann nicht festgelegt werde, weil Dokumente aus der Bauzeit nicht existieren. Ein Adliger namens Arnold ist jedenfalls im Zusammenhang mit der Geschichte der „Raubritterburgen“ nicht aufgetaucht. Dagegen ist der Gedanke , dass bei den die Siedlerzüge beschützenden Ritter „Arnsteiner“ gewesen sind, durchaus  nicht abwegig. Oder ist der Name vom mittelhochdeutschen arnen - für etwas büssen abgeleitet? (M. Lexers:  Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch; Leipzig) Erwin Frind leitet den Namen von Arnulf ab. (Frühgeschichte einer Familie und nach ihr benannte Burgstätten im Elbsandsteingebirge, 1950)


Wie stark war die Besatzung?

 Schätzungen aus indirekten Fakten wie Viehdiebstahl ,  aus Betreiberaufwand (Wachen, Viehpfleger , Gehilfen für Küche, Koch ,   Transporte usw.)  ergeben  ca.15 - 20 Mann.

 Wie das Leben auf dem Arnstein und dem Winterstein um das Jahr 1400 ausgesehen haben könnte, beschreibt Kurt Gerlach in seinem Roman „ Die Birken in den Steinen“ sehr anschaulich (Verlagsbuchhandlung Prag 1942).

 

Die Bewaffnung

Angaben zur Bewaffnung  finden wir bei Walter (Die Wall- und Wehranlagen der Sächsischen Schweiz, Dresden 1930).Danach war die Burg zwischen 1438 und 1440 mit einer Steinbüchse und 6 Handbüchsen ausgerüstet. Wie diese Waffen aussahen habe ich im Museum der Burg Ehrenberg in Tirol gefunden. Diese Bewaffnung unterstreicht die Bedeutung des Arnsteins in dieser Zeit. Diese neuen Waffen waren mit Sicherheit nicht leicht zu beschaffen.

 

 

 Verkehrswege

 Starten wir zunächst den Versuch , die Verkehrswege – die für die Logistik einer Burg außerordentlich wichtig sind – im Zeitraum der aktiven Nutzung zu ergründen.

Meiche hat im Jahr 1902 eine Karte der hinteren Sächsischen Schweiz aus der Sicht des Mittelalters gezeichnet ( siehe: Über Berg und Thal 25. Jg. Nr. 10, S. 85-90).

 

Er postuliert einen starken Warenverkehr von Postelwitz über Zahnsgrund, Wenzelsweg, Zeughausstrasse an Falkenstein, vorderen Raubschloss, Wildenstein,  Lorenzstein und Winterstein vorbei  zum Zschand und nach Nordböhmen.

Ein Abzweig führte über die Buschmühle am Arnstein vorbei nach Ottendorf und Sebnitz und  in die Lausitz.

Ob tatsächlich außer der Versorgung der Burgen ein solcher Warenverkehr herrschte, bleibt angesichts des Vorhandenseins der alten Hohen Strasse über den Höhenrücken Altendorf, Lichtenhain nach Nixdorf doch fragwürdig. zeigen durch den Zschand 

Mit dieser Tatsache hat sich in jüngster Zeit auch Christian Maaz in

„Winterstein – eine kritische Analyse historischer Quellen(Burgenforschung Heft 20;2007) auseinander.

Sicher ist, dass zwischen den Burgen und Warten Verbindungswege bestanden. Genauso sicher ist, dass weder entlang der Kirnitzsch noch im Ottendorfer Dorfgrund mit größeren Wagen  befahrbare Wege bestanden. Hinzu kommt,dass für die Handelswege wegen des Zolls Wegepflicht bestand. Der Weg über den Zschand ist in keiner bekannten Quelle unter dieser Hinsicht aufgeführt.

 Öder hat 1592/93 im Auftrag der Wettiner das Gebiet mit den damaligen Möglichkeiten im   aufgenommen.

Obwohl die Zerstörung von Arnstein und Winterstein schon über Hundert Jahre her war, ist ein ausgeprägtes Wegenetz im Kirnitzschtalkessel  nicht zu erkennen.

Als sicher kann angenommen werden, dass der Fahrweg zum Arnstein über den Neuen Weg am Kleinstein führte.

 Wenn man sich mit der heutigen Umgebung des Arnsteins beschäftigen will, sollte man auch eine detaillierte Karte des Gebietes verwenden.

Einen sehr guten Überblick zeigt die Karte „Hinterhermsdorf und die Schleusen“

Von Johannes Schulz 1:16666.

 

 

Die von Pilz() lokalisierte Anfahrt  ist nur als gepunktete Linie zu erkennen und heute praktisch auch als Wanderweg verschwunden.  In der Karte ist  wahrscheinliche Verlauf an  der Ostseite eingezeichnet. Der aufmerksame Wanderer erkennt die Zufahrt an den zahlreichen Abspitzungen im Hohlweg. Deutlicher sind die Wege in den Meilenblättern von Sachsen (1780-1806), Sektion 10, Aufnahme df_dk_0002344 des Kartenforums der Slub Dresden zu erkennen.

 Quasi am Fuß des Felsenmassivs befand sich eine Tafel ( vermutlich das Wappen der Burgherren). 

Unter den Überhängen wurden im Boden Aschereste gefunden, die auf eine Feuerstelle an der Auffahrt schließen lassen. 

Um die Auffahrt mit Wagen zu ermöglichen, wurden in den Weg nach oben  ragende Felsenvorsprünge abgespitzt – ein sicheres Zeichen für die Richtigkeit der Lage der Zufahrt . 


Der Weg läuft oben  parallel zum Massiv zur NO-Ecke weiter. 

 

 

Ein weiterer Zugang ist ein schmaler Aufstieg vom Reitsteig. Damit ist auch die Verbindung zum Dorfbachgrund gesichert. Er dient heute als der „normale“ Zugang zum Arnstein.

Eine Vielzahl künstlicher Stufen im Aufgang zeugen von der „Bequemlichkeit“ des Aufstieges, der sicherlich auch zum Abstieg zur Buschmühle genutzt wurde.


Einen guten Überblick erhält man über die Gestalt des Felsenmassivs aus nebenliegender Skizze aus der auch die Lage der wichtigsten Felsenzeichnungen hervorgeht.

 

 

Zerstörung

Aufgrund der Raubzüge wurde der Arnstein durch den 6-Städtebund im Jahre 1436 belagert und teilweise zerstört. Nach einem Waffenstillstand und Friedensvertrag begannen 1437 die Raubgesellen wieder mit Überfällen auf die Dörfer Krippen, Reinhardsdorf und Schöna .1438 ging der Arnstein nach Belagerung  zunächst an Sachsen, dann wieder an die Birken von der Duba und erst 1451 mit  der Übergabe von Hohnstein entgültig an Sachsen. Im gleichen Jahr wurde die Burg zerstört, um keinen Schlupfwinkel mehr zu bieten.

 

Die Unterburg

Der Zugang zur Unterburg war durch eine Palisade gesichert. Vor der NO-Ecke sind Falze in der Wand zu sehen, die der Befestiung des Palisadenzaunes dienten.

 Doch damit nicht genug, die Unterburg war mit einem Graben und sicherlich  mit einer Zugbrücke gesichert . Die Reste eines Wallgrabens sind noch zu erkennen, obwohl  wahrscheinlich Reste der Burg beim Schleifen in den Graben geschüttet wurden.

 Eine systematische Grabung zum Profil des Grabens ist bisher nicht erfolgt.

 Der Zugang zur Unterburg wurde bewacht. Der Überhang war , wie die Falze zeigen, erweitert und diente als Postenstand.

Auch hinter dem Graben mit der Zugbrücke ist aus den Falzen auf ein Bauwerk zu schließen.Die massiven Boden und Wandfalze lassen auf eine stabile Konstruktion schließen, wie es eine Zugbrücke erfordert, über die auch Reiter  bzw. Fuhrwerke ins Burggelände kamen.

 

Hinter dem Felsen schloss sich wahrscheinlich noch eine Palisade an, die neben dem Graben eine weitere Sicherung darstellte und möglichen Angreifern die Überwindung des Grabens erschwerte.

 Natürlich gab es zur Zeit der aktiven Nutzung der Burg keine Bäume auf und um die Burg. Sie wurden sowohl zum Bau der Burg als auch als Brennmaterial verbraucht. Damit war natürlich  auch die Sicht zu den umliegenden Massiven gesichert. 

 Am Ende des Plateaus befindet sich ein großer Felswinkel,  in dessen Wände viele Falze eingelassen sind, die auf ein relativ großräumiges  zum Teil dreietagiges Gemach schließen lassen.

Es wird  angenommen, dass es sich um ein Stallgebäude handelte, in dem neben Pferden auch Kühe und eventuell Schafe zur Versorgung  der Burg gehalten wurden. Die oberste Etage könnte als Vorratskammer für Heu und Einstreu genutzt worden sein. Die von Weinhold ( Burgenforschung Heft 19 ,2007) festgestellten künstlichen Sanduhren bestätigen diese Annahme. Auf der sich anschließenden  relativ ebenen Fläche könnte sich eine Weide für die Tiere befunden haben.

Ob sich dort auch der Aufzug befand, der zum Transport von Lasten und Material auf den Gipfel zum Hauptgebäude zweifellos vorhanden war, kann nur vermutet werden. Das Wandmassiv vor dem Stall bietet sich dafür an, weil es senkrecht und leicht überhängend ist, so dass ein Anschlagen des Förderkorbes nicht zu befürchten war, aber die Konstruktion des Stalles spricht dagegen..


Höhlenebene: 

Zur nächsten Ebene (Höhlenhorizont) führen zwei Wege. Einmal der heutige Aufstieg, der natürlich für die heutigen Besucher sicher gestaltet wurde.

Rechts am Massiv erkennt man noch  die alten ausgemeiselten Stufen auf denen man durch das „Eingangloch“ zum  Höhlenhorizont, zur Höhle selbst und dem weiteren Aufstieg gelangt. Dieses Loch ist  erst nach einem Abkippen der  rechten Wand  nach einem Starkregen  1977  entstanden. Früher liefen die Wände  parallel.

 Ein weiterer Aufstieg führte über ein teilweise ausgemeiseltes  und vorgebautes  Gemach unterhalb dieses Weges  über Stufen an der Wand nach links über ausgehauene Stufen und ein schmales Felsband  in die Schlucht zwischen Höhlenblock und Übergang zur Nordostecke.

 

Diese Schlucht war sowohl nach unten als oben überbaut und damit ein weiterer nutzbarer Raum in Verbindung mit der Höhle. Die Schlucht wurde mit einer Brücke auf dem Weg zur nördlichen Signalstelle überspannt..  Nach Osten war das Gemach verbaut, wie die Längsfalze zeigen.

Die Falze insgesamt zeigen, dass dieser  Teil  der Burg neben der Höhle über  wenigstens zwei  Gemächer verfügte.

Stufen am Block gegenüber der Höhle sicherten den Zugang zur Leiter auf dem Höhlenblock und den Weg zum Wachposten NO-Ecke bzw. zur  Signalstelle.

Die Höhle, die bei allen Autoren eine wichtige Rolle spielt (Gefängnis, Folterkammer) schließt die Reihe der Gemächer unterhalb des Gipfelaufstiegs ab.

 Der Zugang  zur Höhle erfolgt  vom jetzigen Aufstieg über den schmalen Spalt an der rechten Seite. 

Falze auf dem Höhlenblock lassen den Schluss zu, dass auch hier eine Überbauung, die dem Schutz des Aufstieges diente, vorhanden war.

Die oberste Nutzungsebene ist nur mit einer Leiter vom Plateau des Höhlenblockes zu erreichen. Die jetzt sehr sichere Stahltreppe und die Geländer gab es im Originalzustand natürlich nicht. Auf der Ostseite sind Bodenfalze zu erkennen, die vermuten lassen, dass dieser Aufstieg mit einem Bauwerk geschützt wurde. Bogen- oder Armbrustschützen kämpften ja aus der Deckung heraus, um nicht selbst getroffen zu werden.

 Ein weiterer Aufstieg führte über ein teilweise ausgemeiseltes  und vorgebautes  Gemach unterhalb dieses Weges  über Stufen an der Wand nach links über ausgehauene Stufen und ein schmales Felsband  in die Schlucht zwischen Höhlenblock und Übergang zur Nordostecke.

Diese Schlucht war sowohl nach unten als oben überbaut und damit ein weiterer nutzbarer Raum in Verbindung mit der Höhle. Die Schlucht wurde mit einer Brücke auf dem Weg zur nördlichen Signalstelle überspannt..  Nach Osten war das Gemach verbaut, wie die Längsfalze zeigen.

Die Falze insgesamt zeigen, dass dieser  Teil  der Burg neben der Höhle über  wenigstens zwei  Gemächer verfügte.

Stufen am Block gegenüber der Höhle sicherten den Zugang zur Leiter auf dem Höhlenblock und den Weg zum Wachposten NO-Ecke bzw. zur  Signalstelle.

 Die Höhle, die bei allen Autoren eine wichtige Rolle spielt (Gefängnis, Folterkammer) schließt die Reihe der Gemächer unterhalb des Gipfelaufstiegs ab.

 Die oberste Nutzungsebene ist nur mit einer Leiter vom Plateau des Höhlenblockes zu erreichen. Die jetzt sehr sichere Stahltreppe und die Geländer gab es im Originalzustand natürlich nicht. Auf der Ostseite sind Bodenfalze zu erkennen, die vermuten lassen, dass dieser Aufstieg mit einem Bauwerk geschützt wurde. Bogen- oder Armbrustschützen kämpften ja aus der Deckung heraus, um nicht selbst getroffen zu werden.

 

Oberburg

Der weitere Weg geht über ausgehauene Stufen auf das untere Gipfelniveau. 

 Ein kurzer Stück Weg führt zu einem Zugangshaus, bevor man auf dem oberen Niveau ankommt.

Vor diesem Gebäude geht rechts ein Pfad ab, der über einen überbauten Felspalt  und dann am Massiv entlang zur Höhle unter dem Gipfel und über den Hang auch zum Gipfelplateau führt. An diesem Pfad finden sich die interessantesten Felszeichnungen(s. dort).

 Das Gebäude war, wie man an den Falzen erkennt deutlich größer als das ausgehauene Stück. Man erkennt noch eine steinerne Sitzbank und den Aufgang zum Hauptgebäude.

 Seitlich aus dem Gemach erreicht man über einen Pfad die Zwischenebene etwas unterhalb , die zu dem beschriebenen Pfad zur Höhle unter dem Gipfel führt. Diese Höhle könnte als Vorratsraum genutzt worden sein, da durch die Lage sicher keine starke Erwärmung im Sommer erfolgte.

Von dieser Höhle gelangt man zur SW-Ecke und dort in den Unterbau der Burg, was durch zahlreiche Falze gesichert ist. Es ist deutlich zu erkennen, dass sich an der Südostseite des Plateaus noch ein größeres Bauwerk befand. Ob sich hier der Aufzug ( mit eingebauten Tretrad) befand ist ebenfalls noch nicht nachgewiesen. Der Vorteil wäre, dass die Lasten nicht bis zum Pferdestallniveau transportiert werden mussten, sondern vom Ende der schrägen Auffahrt über die Ostwand direkt bis zum Gipfelniveau transportiert werden konnte. Für beide Aufzugsvarianten gilt, das ohne Ausleger eine senkrechte Seilfahrt nicht möglich war. Die Last war aber nur zu erreichen, wenn dieser Ausleger drehbar gestaltet war, so dass bei hochgezogener Last der Arm zu einem Plateau gezogen werden konnte, um das Transportgut zu entladen. Aus diesen Überlegungen heraus und das keine offensichtliche Bodenfalze am westlichen Absturz zu finden sind ( die Last müsste dann auch direkt am Pferdestall angeschlagen worden sein) ist die Ostvariante favorisiert. Ein Rekonstruktionsversuch liegt bisher noch nicht vor.

 Unterhalb des Plateaus (am Fuß der Wandlängsfalze) befindet sich das südliche „Signalfeuer“, das nach der Lage der Falze eher ein überdachter Postenstand war, der über eine Überbauung der Schlucht erreicht werden konnte. 

Über Stufen kann man auch von hier das oberste Niveau erreichen, auf dem sich die Zisterne befindet. Aus der Lage der Falze ist zu schließen , dass auch der Platz mit der Zisterne überbaut war.

Die Zisterne hat die Maße 2*3 Meter und ist ca. 5m Tief. Götzinger(Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sächsischen Schweiz, Dresden 1812, S. 369) nimmt noch an, dass " der in Felsen eingehauene Brunnen, welcher  viele hundert Ellen bis zur Fläche der Kirnitzsch  gehen soll".Es mussten also 30 m³ Fels von Hand ausgemeiselt werden – eine mit Sicherheit mit den technischen Möglichkeiten dieser Zeit zeitraubende Angelegenheit. So dass angenommen werden kann, das Hauptturm mit Vorbau in die Zisterne entwässerten.

 Das Hauptgebäude stand auf dem höchsten Massivteil. Nach den Bodenfalzen zu schließen war die Grundfläche des Turms etwa 50 m².

In Verbindung mit der Überbauung der Zisterne und des Vorplatzes ergibt sich eine überbaute Gesamtfläche von über 200 m².

Bei einer mittleren Niederschlagsmenge von 63 cm ergibt sich somit eine potentielles Sammelwassermenge von 126 m³ pro Jahr, womit auf einen Wassertransport aus dem Dorfgrundbach für Brauchwasser üblicherweise verzichtet werden konnte.

Mit den anderen Gemächern, die sicher vor allem für die Diener und Knechte  da waren, gab es also genug Fläche für die Unterbringung einer größeren Anzahl von Personen.

Die Ostwand des Gipfelblocks zeigt deutliche Behauspuren. Es ist zu vermuten, dass der Platz davor zumindestens teilweise auch überbaut war. Auf Grund der  Struktur der Ostwand  ( in der Mitte  der  "Altar" und den vielen Kreuzen) ist anzunehmen, dass  sich hier die  Kapelle befand.

 

Ähnlich unwahrscheinlich ist auch ein „Signalfeuer“ am Nordende , wo ebenfalls die Falze auf eine Überbauung deuten.

 

Aus den Darlegungen kann man entnehmen, dass  die Burg doch  bedeutsamer  war, als  man nach einen flüchtigen Besuch  annehmen  kann.

Mit heutiger Technik würde es sich anbieten, ein virtuelles Burgmodell zu konstuieren,  das  exakter die  tatsächlichen  Falze  berücksichtigt als das Puschmodell.

 

Die Felsbilder

 

Der Arnstein ist deshalb so interessant für den Touristen, weil  man  am gesamten Massiv eine Menge von Felsbildern/-zeichen entdecken kann. Die überwiegende Zahl davon hat einen christlichen Hintergrund. Auffällig sind dabei die vielen Kreuze, die die Idee, dass der Arnstein Wallfahrtsort oder Waldkirche war, wahrscheinlich machen. An keiner anderen Felsenburg oder Warte in der Sächsischen Schweiz ist eine solche Vielzahl von Felszeichnungen zu entdecken.

Die Form der Kreuze spricht für ihr Alter. Das heute übliche lateinische Passions-Kreuz kommt  relativ selten und dann nur  als kleines Felszeichen vor.

 

Leider schlecht zu lesen, so dass eine Übersetzung bisher nicht vorliegt , ist die gotische Schrift über dem Eingangsüberhang.

Auf der Nord-Westseite befinden einen Horizont unter dem Gipfelplateau über einen schmalen Pfad erreichbar zwei sehr bemerkenswerte Felszeichnungen.

Dieses Malteserkreuz ist ebenfalls sehr alt. Es  wurde im 13.Jahrhundert von den Johannitern und den Maltesern auf dem Mantel getragen.

 

 Im Zusammenhang mit dem Kardinalskreuzen könnte dies der entsprechende Würdenträger  sein ( Kardinal oder Bischof). Heinrich III. Berka von Duba war Bischof von Olmütz. Peter Berka war 1235 Oberster Meister der Tempelherren in Böhmen (Wikipedia). Es sei an dieser Stelle auch nochmals auf die Bischofsburg Stolpen hingewiesen. An der Ostwand befindet sich auch dieses Wiederkreuz.

 

 

Dieses Krückenkreuz oder Hammerkreuzbefindet sich am Gipfelblock. Im 13. Jahrhundert trugen das die Ritter des Deutschritterorden auf ihrem Mantel.

Diese dem Jerusalemkreuz ähnelte Felszeichnung auf einem Block beim Pferdestall lässt sich ausdeuten auf Christus und die vier Evangelisten oder auf die fünf Wunden Christi. Von den Kreuzfahrern wurde dieses Kreuz zum Zeichen des vereinigten Königreiches Jerusalem gewählt.Diese Andreaskreuze mit Umrandung auf einem Block beim Pferdestall lässt sich auch ausdeuten als Wappen. Andreaskreuze sind in vielen Wappen enthalten. Auch die Äste im Wappen der Berken von der Duba bilden ein Andreaskreuz.

Eine solchen Ansammlung von Andreaskreuzen gibt es bei einigen Niederländischen Adligen. Bergen op Zoom führt 3,  Amsterlveen 4 Andreaskreuze im Wappen. Bisher ist es mir noch nicht gelungen, dieses Bild einen Namen zuzuordnen.

Versucht  man für diese Felszeichnungen einen Zusammenhang herzustellen, ist es sicherlich nicht abwegig auch die Ritterfigur am Gipfelblock mit einzubeziehen.

 

Es stellt sich somit die Frage: War der Arnstein zu Zeiten der Kreuzzüge ,die ja im Zeitraum um 1100  einen Höhepunkt für deutsche und französische Ritter hatten, ein Weiheort, an dem der Bischof die Kreuzritter segnete ? Schließlich beteiligte sich Konrad von Wettin am Kreuzzug im Jahre 1147 ins heilige Land. Möglich wäre auch ein Zusammenhang mit den Kreuzzug im August 1147  gegen die Wenden.

Auffällig ist die Kleidung des Ritters. Diese entspricht nicht der Mode des 15.Jahrhunderts sondern eher der der Kreuzritter. Auch die Schwertdarstellung ähnelt eher einem Kreuz.

 

Oder  war der Felskessel tatsächlich Sammlungsort für das böhmische Ritterkontigent für die Schlacht bei Liegnitz?

 Neben diesen für die mögliche Erstnutzung im Zusammenhang stehenden Felszeichnungen gibt es noch eine Reihe anderer Symbole.

 

 

Am Gipfelblock findet man auch diesen Fisch, der ja eines der ganz alten christlichen Bildsymbole ist.

Am  Gipfelblock ist auch eine Kirche (links neben Ritter) zu sehen. 

Im Bereich des Einganges finden wird  eine Menge von Felszeichnungen.

 

 

Ob diese Pfeilspitze mit Kreuz in den angenommenen Zusammenhang mit den Kreuzrittern steht, kann nur vermutet werden.

 

 Interessant ist  besonders wieder das Kreuz auf der linken Seite der Bilder am unteren Eingang. Mit etwas Fantasie kann man sich ein Kreuz auf einem Schild vorstellen. Dazu würde dann die Pfeilspitze gut passen.

 

 

 

 In  Richtung Pferdestall befindet sich unter einem Überhang ein in den Felsen gemeiseltes kleines Wasserbecken, das als Taufbecken gedient haben könnte, denn als Pferdetränke ist es eindeutig zu klein. Darauf weist auch ein Kelch mit Kreuz unterhalb des Beckens.

 

Dieses Gesicht am Aufgang hat sicher mit den christlichen Symbolen nichts zu tun, könnte aber in Zusammenhang mit dem Gesicht am Neuweg in Richtung Kleinstein stehen (Wegweiser?).

 Neben den hier aufgeführten Felszeichen gibt es noch viele andere, die aber vom Besucher selbst entdeckt werden sollten.

Wichtig erschien es mir , einen Zusammenhang bzw. Ursache für diese Vielzahl christlicher Zeichen zu suchen. Leider gibt es aus dieser Zeit wenig schriftliche Quellen, so dass Annahmen zur Erklärung dienen müssen.

 Über die Spätnutzung als Raubritterburg ist schon viel geschrieben wurden, so dass hier nicht weiter darauf eingegangen wird.

Beim Autor ist eine umfangreiche fotografische Dokumentation der Felsspuren sowie Literatur zum Thema vorhanden.