Rekonstruktionsversuche der Burg Arnstein

 

Vor hundert Jahren (1906) hat R. Mittelbach den ersten ernsthaften Grundriss des Arnsteins mit den wichtigsten Hinweisen auf die Bebauung gezeichnet. Diesen Grundriss hat Meiche in seinem Burgenwerk ( Die Burgen und vorgeschichtlichen Wohnstätten der Sächsischen Schweiz, Verlag Bensch, Dresden1906) zum Kernpunkt seines Artikels über den Arnstein gemacht.

In der Folge sind weitere Grundrisse hinzu gekommen. Besonders Pusch mit Mitstreitern hat sich intensiv mit dem Arnstein beschäftigt.

Seine Aufmaße zeigen auch den Baufachmann.

Sein Grundriss zeigt die zwei "Signalfeuerstellen" an der Nordost- und der Südwestseite .

Neugebauer interessierten auch die Felszeichnungen, deren Lage er in seinem Grundriss angibt.

Wie man erkennt, hat er sich neben den Zeichnungen auch intensiv mit den Falzen beschäftigt . Ein Modell hat er aber meines Wissens nach nicht erstellt.Private Sammlung von Erich Pilz)

Der neueste Grundriss stammt von Matthias Weinhold (Heft 19, Burgenforschung aus Sachsen).

Weinhold hat sich insbesondere mit der Gipfelblockvermessung und den Falzen an der Ostseite beschäftigt. Neben Pusch ist er bisher der Einzige, der ein Modell der Oberburg versucht hat (s.U.).W

Legende: 1-Gipfelsockel; 2 - Zisterne; 3 - Vorplatz Gipfelblock; 4 - Toranlage; 5- 7 - Falze; 9 - Falze für  Wehrgang; 10 - unteres Plateau; 11 - Falze Sicherung Aufgang; 12 - Felstreppe; 13- Felssockel für Aufstiegsleiter; 14 - nördliches Felsriff; 15 - Höhle; 16 - Felsmulde ("Signalfeuerstelle"); 17- Zugang zur Höhlenschlucht; 18 - normaler Zugang; 19 - Pferdestall; 20- Weihwasserbecken; 21 u. 22 -Zugangstore

 Obwohl Pusch nicht alle Details, die heute bekannt sind, berücksicht hat, ist sein Modellversuch doch interessant.


Interessant an dieser Ansicht ist, dass Pusch sowohl den Vorplatz vor dem Gipfelblock als auch die Zisterne überbaut und einen Versuch für einen Aufzug interpretiert  (Sammlung Christian Maaz). 

Deutlicher  werden seine Vorstellungen mit dem Modell, welches im Museum in Bad Schandau steht.

Im Modell erkennt man, dass er auch eine Überbauung zur Ostseite angedacht hat, wo aus meiner Sicht der Aufzug liegen müsste, denn es ist nicht sinnvoll, diesen auf dem Pferdestall enden zu lassen. Ein Drehgestell um die Last einzuschwenken, ist allerdings nicht zu sehen. Damit bleibt es offen, ob der Felsüberstand mit einem einfachen Vorbau überwunden werden konnte.

In dieser Ansicht sieht man deutlich den gewaltigen Vorbau an der Ostseite, um einen Aufzug zu realisieren.

Ganz anders stellt sich M. Weinhold die Burg vor(Müller+Weinhold:Felsenburgen der Sächsischen Schweiz,Schnell+Steiner,2010). Sein Modell der Oberburg beinhaltet einen Wehrgang vom Ende der Felsentreppe bis zur Südostecke des Plateaus, wo er in einem Turm endet. Auch die Nordriffe tragen einen Wehrgang.

 

 

Der Zugang zur Unterburg wurde bisher nicht so konkret in die Rekonstruktionsversuche eingebunden.

Bei einer gemeinsamen Begehung und Vermessung konnte festgestellt werden, dass die Südostseite wohl der einzige Standort für einen Aufzug gewesen sein könnte. Vom Plateau bis zum Fuß der Wand wurde eine Höhe von 28,5 m gemessen. Das als Entnahmeort der Lasten 5,5 m unterhalb des Plateaus gelegen Band hat eine gute Verbindung zur Südseite. Als Konstruktion könnte ein Aufzug in Form der Schiffladebäume zum

Einsatz gekommen sein, die es schon damals zum Beladen von Schiffen in Häfen gegeben hat. Das Bodenfalzloch könnte den senkrechten Mast getragen haben.

 Dieses Loch verwendet auch Pusch für seine Stütze des waagrechten Tragebalken. Allerdings ist von diesem Loch eine Entfernung bis zur freien Senkrechten von 12 m zu überwinden, was deutlich gegen einen einfachen Tragebalken spricht. Diese Maße stimmen übrigens gut mit den Angaben im Lageplan von Pusch überein. Eine Brückenkrankonstruktion ohne Stahleinsatz ist aus der Literatur nicht zu entnehmen. Die Ladebaumkonstruktion hat den Vorteil, dass der Lastarm an den senkrechten Mast herangezogen werden kann. Das untere Band ist zum Entnehmen der Last dann ohne seitlichen Schwenken der Konstruktion möglich. Für eine sinnvolle Konstruktion mußte der Lastarm mindestens 14 m , Senkrechtmast 12 m lang sein - also eine bedeutsame Konstruktion. An der Wand unterhalb des Plateaus sind keine Falze zu erkennen, so dass es unwahrscheinlich ist, dass eine Führung an der Wand - zum Beispiel  über Holzstämme im Sinne einer Rutsche- angebracht war.

Eine weitere Variante wäre die Arbeit mit einem Abzugsseil an der Last, durch das die Last während des Transportes von der Felswand abgezogen wird. Dazu bietet sich der Sporn über dem Anfahrweg an der Ostseite an. Das Loch am Gipfel konnte einen Tragebalken für die Umkehrrolle bzw. den Flaschenzug tragen.

  

 Ein weiteres Modell stammt von Lothar Sturm.

Vergleicht man die Modelle, so sind deutliche Unterschiede zu erkennen. Gemeinsam bei Pusch und Sturm ist, dass sowohl die Fläche zwischen Vorgebäude und Turmgebäude auf dem Block als auch die Zisterne überbaut sind. Dies ist sehr wahrscheinlich,da die Wand an der NO-Seite als Alterwand für die Burgkapelle genutzt wurde. Die vielen Kreuze sprechen dafür. Dagegen scheint bei Sturm der Turm nicht der Größe des Gipfelblockes zu entsprechen.